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3 (1842)
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ausgeschriebene Provinziell synode zur Annahmedes Interims blieb ohne Erfolg, und die Refor-mation ging, aller Hindernisse ungeachtet, ihrenGang fort, wozu gewiß auch 1552 die Überschwem-mung der unteren Stadt, 1553 zuerst die Pest,welche 3500 Menschen wegraffte, dann die Belage-rung der Stadt durch den Herzog Philipp vonBraunschweig, weil der Bischof dem Landgrafenvon Hessen bei der Belagerung des Schlosses Wol-fenbüttel beigestanden hatte, viel beitrugen. Vonder Belagerung befreite sich die Stadt schon nach8 Tagen, indem sie an den Herzog 2500 Thlc zahlte.Zur besseren Befestigung brach man hierauf (1553bis 1554) die Simeons- und Marienvorstadt ab.Die Religionsirrungen dauerten noch immer fort undwurden erst 1573 durch den lübeckschen Rezeßbeigelegt. Aber auch die beiden nächsten Nachfol-ger Franz II. waren sehr gemäßigt; der Letzte legtesogar 1582 die bischöfliche Würde nieder und hei-rathete ein Bauermädchen.

Mehr als durch alle frühere Fehden und Un-glücksfälle litt Minden durch den 30jährigen Krieg,welcher dessen Wohlstande einen tödtlichen Schlagversetzte. Der eiserne Held Tillyzog 1625 heran, undes stand demselben Magdeburgs schauderhaftes Schick-sal bevor. Dieß wendete der Bischof Christiandurch Unterhandlungen ab; aber die Stadt mußte,nach einem Kapitulations-Revers, kaiserlicheBesatzung einnehmen, welche ihr in zwei Jahren600,000 THIr. kostete, von deren Aufbringung diesogenannten Eintheilungs-Kapitalien, bis auf die neue-sten Zeiten, auf den Bürgerhäusern hafteten. Diekatholische Geistlichkeit erhielt auch 1629 durchTilly und die kaiserliche Kommission mehre Kirchenzurück, welche sie aber nur bis 1634 besaß, da indiesem Jahre der Herzog Georg von Braunschweig,als schwedischer General, Minden mit schwedischenVölkern einnahm, nachdem es die Kaiserlichen 9 Jahreund 12 Wochen besessen und ausgesaugt hatten.Im westfälischen Frieden 1648 kam das Bisthum,durch Sekularisation, als ein weltliches Fürstenthum,nebst der Et,idt Minden, welche jedoch alle ihrebisherigen Rechte und Freiheiten behielt, an Bran-denburg; aber erst 1650 den 7. Sept. zog die schwe-dische Besatzung ab, und im Frohgefühl der endlichwieder erlangten Selbstständigkeil donnerten drei-mal die Kanonen der Festung dem schwedischenHelden von Stralsund, Gustav Wrangel, einLebewohl nach, als er auf einem bedeckten Schiffedie Weser hinab in die Nordsee fuhr. Noch vor-her (den 12. Febr.) ließ sich der große Kurfürst hul-digen und besuchte auch selbst noch 1650 die Stadt.Im Jahre 1668 ward die Regierung von Peters-hagen für immer nach Min den verlegt und 1711ein beständiger Stadtrath aus 2 Bürgermeistern,6 Rathsherren und 1 Stadt-Sekretär angeordnet.Wider Bremen erhielt Minden 1749 durch einreichskammergerichtliches Urtheil die wohl herge-brachte freie Schifffahrt auf der Weser, nebst derStapelgerechtigkeit, von neuem bestätigt.

Aber nicht nur der Krieg mit seinen trauri-gen Folgen, auch die Pest, Theuerung, Hungers-,Wassers- und Feuersnoth haben Minden oftmalsheimgesucht. Die Pest wüthete hier sechsmal: 1350,1439, 1553, 1580, 1598 und 1636; das Feuernoch öfter: namentlich brannte 1662 der Dom,1306 die Simeonsvorstadt, 1320 die Bäckerstraße,

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1371 dieselbe zum zweiten Male, und 1569 durch

den Blitz der Marienkirchthurm, nebst 4 Fächernder Kirche und einem Theile der Stadt nieder. DieWeser überschwemmte 1342, 1377, 1513, 1552,1642 und 1682 die untere Stadt und riß mehr-mals die Brücke weg. Dagegen war 1513, vorder Ueberschwemmung, ein so großer Wassermangel,daß alle Wassermühlen still standen, und man dasGetreide bis nach Braunschweig fahren mußte, weilman noch keine Windmühlen hatte. Ein schreckli-ches Ungewitter mit verderblichem Hagelwetter zer-störte 1379 alle Weinberge um Min den von Grundaus, so daß seitdem der Weinbau aufhörte. Auchden 13. Dez. 1660 wüthete aus Nordwesten einOrkan, welcher die Baume entwurzelte, 2 Bürger-häuser und die Thurmspitze der St. Simeonskircheumstürzte.- Große Theuerung herrschte in denJahren 1596 und 1662. Zu diesen physischen undanderen Uebeln gesellten sich, seit 1584, die Hexen-Prozesse, nachdem 1484 Papst Innocenz VIII.durch eine Bulle den Hexenprozeß in Deutschlandförmlich eingeführt hatte. Rothe, triefende Augen warenhinreichend, Jemanden der Hexerei anzuklagen. Für dietollsten Beschuldigungen erpreßte man die Geständnissedurch die Folter, und zur sicheren Verurtheilung bedienteman sich der trieglichen Wasserprobe, nach welcher die Un-glücklichen, an Händen und Füßen gebunden, nackendin die Weser geworfen, und nur, wenn sie untersanken,freigesprochen wurden. Selbst Standespersonen blie-ben nicht verschont. In Minden wurden 1584zum ersten Male 21 Personen, 1604 7 Hexen,1651 sogar 34 zuerst enthauptet, dann verbrannt,1653 und im folgenden Jahre im nahen Hausbergeauch 32 sogenannte Hexen verbrannt, 1669 aber-mals in Minden 12 Zauberer hingerichtet. Noch1671 erwähnt die Chronik viele Hexenprozesse. Den19. Juni ward eine 93 Jahr alte Bademutter, nach-dem man sie vorher mit glühenden Zangen gezwickthatte, lebendig verbrannt. Man beschuldigte sie, mitdem Teufel ein Bündniß gemacht zu haben, daßsie jährlich 20 Kinder todten und Anderen die Zau-berei lehren wolle; man behauptete, sie habe über500 Kinder getödtet, indem sie beim Zungenlösen un-ter dem Nagel Gift genommen habe!!

^ Während des 7jährigen Krieges war Minden,mit dem ganzen Fürstenthum, meistens in der Ge-walt der Franzosen, welche Stadt und Land hartmitnahmen, Sie eroberten die Festung 1757, nach-dem sie dieselbe vom 8, bis 14. März belagert hat-ten; wurden 1758 wieder daraus vertrieben; nahmensie den 10. Juli 1759 mit Sturm wieder und ver-loren sie den 2. August nach der Schlacht bei Todten-hausen, abermals und auf immer. Nach demFrieden wurden seit 1765 die Festungswerke undWälle abgetragen und in Gärten und Anlagen ver-wandelt. Seitdem blübete Minden durch Schiff-fahrt, Handel und Betriebsamkeit wieder auf.Im tilsiter Frieden 180? ward die Stadt an dasKönigreich Westfalen abgetreten und hierauf zumWeser-Departement geschlagen. Im Jahre 1813kehrte sie unter die preußische Herrschaft zurückund ward zum Sitze einer königlichen Regierung,aber auch wieder zur Festung bestimmt. Die schö-nen Umgebungen der Stadt, die Haine und Gär-ten, der Klausenwall mit seiner herrlichen Aussicht,die Anlagen der Fischerstadt, auch das Ferney einesWeisen, des Regierungsraths und Doktors von M öl-