,... ^
L
delssohns Phädon, hielt seinen Lebensmuth nochaufrecht; dennoch riechen ihm Sander und Spa-zier zu einer Reise, welche er auch im April 1783nach Erfurt, Weimar und Gotha machte. Am er-steren Orte fand er eine höchst freundliche Aufnahmebeim damaligen Statthalter Baron von Dalberg,der bereits durch seine „Betrachtungen überdas Universum" als ein genialer Denker undorigineller Schriftsteller rühmlichst bekannt war. InWeimar war er so glücklich, wieder eine Predigtvon Herder zu hören und Göthes nähere Be-kanntschaft zu machen. Auch mit dem biedern M u-säus brachte er einen unvergeßlichen Nachmittagzu. In Gotha ward der Bibliothekar Reichn rdrdes Reisenden gefälliger Wegweiser durch die Merk-würdigkeiten dieser Stadt. — Nach seiner Rückkehrin Dessau sehnte er sich mehr als jemals nach sei-ner theuren Mutter, um sich mit ihr, die Rosen-feld von Kindheit an gekannt hatte, über den ge-liebten Todten zu unterhalten. Sie gab der drin-genden Einladung nach und kam auf mebre Wo-chen nach Dessau. Noch während dieser Zeit er-hielt Matthisson einen Brief von der GräfinnSievers, worin sie ihn angelegentlich bat, mitihren Söhnen nach Altona zu kommen, damit siein deren Gesellschaft ihre nur noch wenigen Lebens-tage zubringen könne. Aber auch ohne diesen ent-scheidenden Umstand würde Matthisson ihrem Wunschegewillfahrt haben, da es ihm, seit RosenfeldsTode, in Dessau öde geworden war, und das Phi-lanthropin selbst seiner nahen Auflösung entgegen-ging. Salz mann zog sich zurück, um Schnepfen-thal zu gründen, und Sander begab sich nach Kopen-hagen. Den Letzteren begleitete er bis nach Halber-stadt, wo sie Gleim gastfreundlich aufnahm, undunseren Matthisson, nach Sanders Abreise,noch einige Tage zurückhielt. Er machte da dieBekanntschaft Göckings, Klam er°S chmidts,Benzlers, Villaumes und Fischers, lasGleims Briefwechsel mit Bodmer, Sulz er,Kleist, Ramler und Hein se, und n>ard mit vie-len deutschen Gelehrten, Dichtern und Künstlerndurch die wohlgetroffenen Bildnisse bekannt, welcheGleims bekannten Freundschafts-Tempel zierten.Im April 1784 reiste Matthisson mit sei-nen Zöglingen nach Altona ab, nachdem er zuvorin KrnFau noch den mütterlichen Segen und in Magde-burg von Kopien eine poetische Epistel an Klo pstockempfangen hatte. In Altona trafen unsre Reisendendie kranke Gräfinn schon in einem sehr leidendenZustande an. Da ihren Gemahl Familien-Ange-legenheiten noch in Livland zurückhielten, so ver-trat ihr ältester Bruder, Graf Gottbard vonManteuffel, als Reisegefährte und Sachwalterdessen Stelle. Für Matthisson war der Umgangmit diesem talentvollen, gebildeten und feinen Welt-manne höchst wichtig und angenehm. — In Ham-burg besuchte er zuerst Klop stock, dessen Umgangseiner ästhetischen Fortbildung nicht minder als dieBekanntschaft mit Claudius, Hensler und denSchauspielern Schröder und Brockmann, förder-lich war. Nach dem Tode der Gräfinn, im Früh-ling 1785, machte Matthisson, um den Schmerzder trostlosen Knaben zu mildern, eine Fußreisedurch einen Theil von Schleswig und Holstein, woer in Eutin mit Gerstenberg und Voß, zu des-sen Musenalmanach er damals beizusteuern ansing, in
2.
141
Kiel mit Ehlers, Fabricius und K, F. Cra-
mer, und in Lübeck mit Overbeck bekanntwurde.Nach der Rückkebr übernahm der Graf die Ober-aufsicht über die Erziehung seiner Neffen, und ver-legte ihren Aufenthalt, im Sommer 1?8>i, von Al-tona nach dem reizenden Heidelberg. Nickt nurdes Oheims väterliche Fürsorge, sondern auch desLehrers redliches Bemühen belohnten reichlich diehoffnungsvollen Knaben durch eifrigen Fleiß undmusterhaftes Betragen. Zur Aufmunterung undBelehrung wurden Spaziergange nach Mannheimgemacht und daselbst auch das Theater, dessen Zier'den damals Bock, Beil, Iffland, Beck undWithöft waren, gewöhnlich besucht. In Heidel-berg ward Jung, genannt Stilling, Matthis-sons Freund. In seinem Hause sah er zuerstSophie Laroche, August Hartmann vonStuttgart, und den blinden, lebensfrohen Fnbeldich«ter Pfeffel. Eine kleine Reise mit Jung nachKarlsruhe, um die Wundererscheinungen des Mag-netismus unter Vöckmanns Vorsitz zu prüfen,ward dadurch am interessantesten für Matthis-son, daß er den trefflichen Markgrafen,nachmaligen Kur-fürsten und Großherzog von Baden, Karl Fried rich(1746—1811) persönlich kennen lernte. — Um dieseZeit geschah es auch, daß ihm die „Elegie, inden Ruinen eines alten Bergschlosses geschrieben"die folgenreiche Bekanntschaft mit Karl Victorvon Bon stellen verschaffte, aus welcher bald eininniges Freundschaftverhältniß entstand. — ImFrühjahre 1786 vertauschte der Graf Heidelberg mitMannheim, wo damals Künste und Wissenschaf-ten sich der besonderen Gunst des Kurfürsten Theo-dor erfreuten. Vom Grafen Manteuffel aufge-fordert, gab Matthisson 1787 zu Mannheim einBandcken lyrischer Gedichte heraus, über welche be-sonders die „allgemeine deutsche Bibliothek"ein aufmunterndes Urtheil sprach. — Sein genußrei-ches Leben in Mannheim unterbrach, im Herbste1787, eine nicht weniger genußreiche Rheinrcise vonMainz nach Düsseldorf, deren anziehende Schilde-rung er im 3. Bande seiner „Erinnerungen" gegebenbat. Nach seiner Rückkebr warf ihn ein hartnäcki-ges Fieber auf's Krankenlager, und da seine Gene-sung mit seinem Verhältniß des Erziehers unverein-bar schien; so gab er dieses, von seinem zärtlich be-sorgten Bonstetten dringend eingeladen, nothge-drungen auf, und der Graf Manteuffel bot dazuum so williger die Hand, als die Privaterziehungseiner Neffen vollendet war. — Matthissontrat seine Reise im Sommer 1787 über Stuttgartan, wo ihn seines Freundes Hartmann Aelternwie einen Verwandten aufnahmen, und die Be-kanntschaften Haugs, Hubers, Schubarrs,Weissers, Eonzes, Petersens, Stäudlinsund Zumsteegs seinen Ausenthalt verschönerten.Von Stuttgart reiste er über Ulm, Lindau, Kon-stanz und Schaffhausen dem Rheinfalle entgegen,und machte unterwegs wieder manche interessanteBekanntschaft. Nicht weniger interessant als er-götzlich war sein zweimaliger Besuch bei Lavater,wo er zuerst mit dem Magnetiseur Mesmer zu-sammentraf. — Als Matthisson bei seinem FreundBonstetten in Bern anlangte, stand dieser ebenim Begriff, als Landvogt nach Nyon am Genfer-see abzugehen. Mitten unter den nöthigen Vorbe-reitungen wurden aber doch noch Ausflüge in der Herr-