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3 (1842)
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nothgediungen entschließen mußte, das so glücklichgedachte Pcedigtamt mit dem Schul- und Erzie-hungsfache zu vertauschen. Rousseaus Emil undTrepps Eollegium über Pädagogik, nebst seinerVorliebe für das dessauer Philantropin, befestigtenihn in seinem Entschlüsse. Nichts desto wenigerwollte er seine Predigten nicht umsonst ausgearbei-tet haben, und er trug sie daher, nachdem er sie mitstrenger Sorgfalt durchgelesen und verbessert hatte,auf einer Fußwanderung nach Leipzig, unter demTitel:Religions vo rträge" dem BuchhändlerWeygand, aber vergeblich, an, obgleich sie unstrei-tig des Druckes würdiger als viele andere waren.Und dieselben einem andern Buchhändler, Liebhabervon Erbauungsschriften, wie jener ihm rieth, noch-mals anzubieten, dazu hatte der empfindliche jungeVerfasser die Lust verloren. Mit seinem FreundeRosen selb reiste er in den Osterserien 1779 nachMagdeburg, und besuchte nicht nur seine Mutterund Anverwandten, sondern machte auch, einenKnaben aus einer Pension abholend, eine flüchtigeReise nach Potsdam und Berlin, wo er Ramm-lern und durch diesen den Historien-Maler Rodekennen lernte.

Bei der Wiederkehr der beiden Freunde nachHalle erwarb sich der berüchtigte Dr. Bahrdt, durchsein ausgezeichnetes Talent für Deklamation inVorlesungen über Rhetorik, den größten Beifall derakademischen Jugend, und Matthisson selbst be-kannte unverholen, als Vorleser viel von Bahrdtsrednerischem Feuer gelernt zu haben. Ein merk-würdiges Beispiel von seiner Geistesgegenwart er-zählte damals Bahrdt in einer zahlreichen Ge-sellschaft. Er predigte nämlich zum ersten Male in einerleipziger Kirche, als ein schweres Gewitter in derMitte der Predigt ausbrach und sein Gedächtnißihn, der ohne Handschrift war, beim Krachen ei-nes furchtbaren Donnerschlags, plötzlich verließ. Daschlug er mit Ruhe und Würde die Bibel zu, in-dem ei mit kraftvoller Betonung die Worte sprach:Wenn Gott redet, muß der Mensch schweigen."Der Hauptgewinn eines Ausflugs in den nächstenPsingstferien nach Aschersleben war die Bekannt-schaft mit dem ehrwürdigen Gleim, der eben beiseinem Freunde Sangerhausen zum Besuche dawar. Noch zu Weihnachten desselben Jahresmachten beide Freunde, bei tiefem Schnee undstrenger Kälte, eine Wanderung nach Erfurt, Wei-mar und Jena, wobei sie sich für alle Beschwerdendurch eine Predigt Herders, der sie nicht wenigerdurch die Salbung seiner Rede als durch seine un-bewegliche Deklamation begeisterte, reichlich entschä-digt hielten. Nach gewissenhafter Benutzungder Uniuersitätszeit verließen Matthisson und Ro-senfeld auch wieder gemeinschaftlich Halle, indemsich dieser zu seinem Vetter in die Gegend vonMagdeburg, jener zu seinem Oheim mütterlicherSeite, dem Amtmann Calezki, nach Coswig begab,wo er seine Muße zu einer ordnenden Durchsichtund Wiederholung seiner zahlreichen akademischenHefte sorgfältig benutzte. Außeroem förderte er,von Perschke aufgefordert, mit welchem er nochimmer in Briefwechsel stand, eine Anzahl Aufsätzetheologischen und philosophischen Inhalts, theils vonihm, theils von jenem Freunde, unter dem Titel:Reliquien eines Freidenkers" zum Druck,und diese Schrift (Berlin, 1781) erfuhr in den

verschiedenen Zeitblättern keine ungünstigen Urtheile.Gleichzeitig waren auch des Dichters poetische Ver-suche unter dem Titel:Lieder von FriedrichMatthisson", zu Breslau gedruckt worden.Bei seinem mehrmaligen Besuche des Philantropinslernte er den Schweizer Olivier aus dem Wandt»lande kennen, welcher ihn durch seine glückliche Ge-sichtsbildung bald so sehr einnahm, daß er sich umdessen Freundschaft bewarb und natürlich sehr leichtgewann. Durch denselben sah er auch seinen Wunsch,Lehrer am Philanthropin zu werden, in kurzer Zeit,aber schon unter Wolkes Direktion, in Erfüllunggehen. Zugleich mit dem akademischen FreundeSpazier trat er, im Frühlinge 1781, freudig seineStelle an, und war so glücklich, die unmittelbareAufsicht über 8 gutmüthige und wohlgezogene Kna-ben zu erhalten. Mit ganz besonderer L,ebe hingenan ihm 2 Brüder, die Söhne der Gräfinn Ju-liane Sievers aus Livland, Dieses schöne Ver-hältniß bewirkte zwischen derselben und Matthis-son einen regelmäßigen Briefwechsel, und auf ih-rer Durchreise nach Altona zum berühmten ArzieHensler, von dem sie Genesung von einer viel-jährigen Krankheit hoffte, lernte er diese würdigeFrau nicht nur persönlich kennen, sondern verabre-dete auch mit ihr eine Vesuchsreise, binnen Jahres-frist, in Gesellschaft ihrer Kinder, nach Altona. Soging wieder einer der Lieblingswünsche seiner Iüng-lingsjabre, die Bekanntschaft mit Klopstock, derGewährung entgegen.

Mit den 6 Professoren des Philantropins, vondenen Salz mann und Busse, der später inFreiberg Werners Gehilfe ward, und mit denübrigen Lehrern, von denen der Philolog und Ae-sthetiker Göze, der Geograph und Statistiker Ero-me, der Philosoph und Volksaufklärer Becker,der Sprachforscher und Kupferstecher Kolbe, undder Dichter und Literator Sander vorzugsweise ge-nannt werden, stand Matthisson in freundlichenVerhältnissen, doch mit keinem auf vertrauteremFuße, als mit Olivier, Spazier und Sander.

Der Wunsch Rosenfelds, mit seinem Freundewenigstens an einem Orte zu leben, zog auch Ihnnach Dessau. Nächst dieser Freude hatte Mat-thisson auch das große Vergnügen, bei der Ge-burtstagsfeier der Fürstinn von Dessau, den 24. Sep-tember 1782, Göthen im Gefolge des Herzogs vonWeimar daselbst zu sehen. Auch die Zöglingedes Philantropins pflegten den Geburtstag des Für-sten oder des Erbprinzen theatralisch zu feiern, undbei einer solchen Gelegenheit wagte Matthissonden ersten und letzten dramatischen Versuch mit demSchauspiele:Die glückliche Familie" (Des-sau, 1783), zugleich die Rolle des Hausvaters darinübernehmend. Für die römische Literatur wurdeMatthissons Eifer in Dessau durch den eben sosprachkundigen als geschmackvollen Verdeutscher desVitruu, August von Rode, fortwährend an-getrieben. Mitten in diesem glücklichen Leben trafihn, im Dez. 1782, der herbe Verlust seines Ro°senfeld, welcher durch einen unglücklichen Fall aufdem Eise als Schlittschuhläufer sein hoffnungsvollesLeben endete. Auch Rosen felds Braut führteder Gram über dessen Tod bald in's Grab, undmit beiden Liebenden wurden zugleich für Matthis-son die heitersten Zukunftbilder begraben. Nur seinGlaube an einstiges Wiedersehen, gestärkt durch M en-