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lichen Umgegend gemacht und alle Tage durchNatur-und Kunstgenuß verschönert. Matthissonward dadurch mit neuer Dichterkraft erfüllt, welchean den Ufern der Aar das „Elysium" und einigeWochen später den „Genfeisee" in's Daseinrief. Seinen glücklichen Aufenthalt auf dem Schlossevon Nyon benutzte er vorzüglich zum fortgesetztenStudium der alten Literatur und einiger Zweige derNaturwissenschaft, im Umgange mit Vonnet beiGenf. Zwei Jahre waren in dieser sorgenfreienUnabhängigkeit dem glücklichen Matthisson nurallzuschnell vergangen, als sich in ihm der Wunschwieder regte, einem bestimmten Berufskccise seineKräfte und Kenntnisse zu widmen. Fast zu glei-cher Zeit eröffneten sich ihm zwei gleich angenehmeAussichten. In Lausanne wünschte ihn Gibbonzum Hausgenossen, um von ihm die deutsche Sprachezu lernen, in Lyon der Banquier Scherer alsErzieher feines kaum 7jährigen Sohnes. Er ent-schied sich für Lyon und reiste im Herbst 1789 vonGenf dahin. Ungeachtet in Paris die Revolutionbereits ausgebrochen war, kam er doch ohne ein er-hebliches Abenteuer nach Lyon, und kehrte mit derFamilie Scherer in der schönen Jahreszeit auf de-ren Landsitz in die Schweiz zurück. Von Lyon ausbesorgte er ein Vändchen lyrischer Gedichte, dessenDruck und Vorrede H, H. Füßli in Zürich über-nommen hatte. Während dieser Jahre bildete sichsein Freundschaftsverhältniß mit dem Dichter vonSalis und mit Friedcrike Brun aus Kopen-hagen. Des Ersteren Gedichte, wie auch einigeSchriften von Bonstetten, gib Matthisson1793, die der Letzteren 179) und 1/96 zu Zürichheraus. Von ihm selbst erschienen damals 2 Bände„Briefe" (2. Aufl. 1802). Höchst empfindlich fürihn war, bei der Eroberung Lyons durch die Kon-ventstruppen, der Verlust aller seiner Papiere, wor-unter sich auch eine sorgfältig geordnete, werthvolleVriefsammlung befand.
Im Jahre 1794 riefen unseren MatthissonFamilienpflichten in's Vaterland zurück. Nachdemer zuvor eine Reise nach Kopenhagen gemacht hatte,verlebte er einige glückliche Monate bei seiner Mut-ter und Schwester in Krakau. Nicht lange nachseiner Rückkehr in die Heimath verlieh ihm derLandgraf von Hessen-Homburg den Hofcaths-Cha-rakter und die Naturforscher-Gesellschaft in Jena dasDiplom eines Ehrenmitgliedes. Auch ward er da-mals Mitarbeiter an der jenaer Literatur-Zeitungim schönwissenschaftlichen Fache. Im Jahre 179)trat er, als Vorleser und Reise-Geschäftsführer, indie Dienste der regierenden Fürstinn von Anhalt-Dessau, begleitete sie in dieser Eigenschaft auf ihrenReisen nach Italien, der Schweiz und in Deutsch-land, stets und überall durch den Umgang mit aus-gezeichneten Männern, durch Natur und Kunst sichergötzend.— In Tübingen erschienen 1799: „AlinsAbenteuer" und „Basrelief am Sarkophag des Jahr-hunderts" von Friedrich Matthisson. — EinigeMale wählte die Fürstinn auch Stuttgart für denGebrauch der Trauben, und hier war es, wo ihrBegleiter dem Herzog Friedrich II. zuerst bekanntwurde. Dieser wünschte von ihm einen Prolog mitEhören zur Feier der bevorstehenden Kurfürsten-würde, undMa tthisso n entledigte sich dieses Auftra-ges zu dessen besonderer Zufriedenheit. Auch machteer von Stuttgart aus zwei der genußreichsten Rei-
sen: die eine im Frühjahr 1803 nach Insbruck,um den Grafen von Wolken stein zu besuchen, dieandere im Herbst desselben Jahres nach Paris, woer Kotzebues persönliche Bekanntschaft machte.Im Jahre 1803 begann er seine lyrische Antholo-gie, welche bis 1807 in 20 Theilen zu Zürich er-schien. — Im Jahre 1804 widmete er wenigstensdie Zeit von 8 Tagen einem Besuche der „Alpen",und mannichfachen Genuß bot ihm 1805 eine Reisenach Dresden und 1808 nach Berlin, wo er Jo-hannes Müller wiedersah und Alexander vonHumbo ldt kennen lernte. Während der Unheils-periode von 1806 befand sich Matthisson inWörlitz und wendete manche Gefahr von denfürstlichen Gebäuden ab. — Die letzte Reise mitder nunmehrigen Herzoginn nach der Schweizmachte er 1807 und von da aus weiter nachMailand, Turin und Grenoble, über den Sim-plon und Eenisberg. Auf der Heimkehr nachDessau ertheilte ihm der König von Würtembergnicht nur das Adelsdiplom, zum Wappen eine ge-flügelte, goldne Harfe im blauen Felde und ein ge-flügeltes weißes Roß auf dem Helme bestimmend,sondern beehrte ihn auch mit dem Ritterkreuze desCiuil-Verdienst-Ordens. Zu diesen Ehrenbezeugun-gen des Königs fügte Matthisson selbst die Freu-den des hauslichen Glücks, indem er sich 1810 mitLuise Schoch, der ältesten Tochter des Oberhof-gärtners in Wörlitz, verheirathete, welche er seit ih-rer Kindheit gekannt und nicht ohne Gegenliebe ge-liebt hatte. Er war jetzt um so glücklicher, alsseine erste Ehe im Jahre 1794 unglücklich gewesenwar. Von 1810 bis 1816 gab Matthissonseine „Erinnerungen" in 3 und 5 Bänden zuZürich heraus, welche zum Theil seine in die „Zeit-genossen" 1816 gelieferte Selbstbiographie Bd. I. er-gänzen. Im Jahre 1813 erschienen von ihm „dasDianenfest bei Bebenhausen" in Zürich mit Kup-fern. Bald nach dem Tode seiner fürstlichen Wohl-thäterinn, im Dez. 1811, ernannte ihn der Königvon Würtemberg, mit dem Charakter eines gehei-men Legationsrathes, zum Mitgliede der Oberin-tendanz des Hoftheaters, und einige Wochen späterzum Oberbibliochekar, mit der ausdrücklichen Erklä-rung, daß er, in Hinsicht seiner Amtsverhältnisse,unmittelbar unter ihm stehe.
Einige Monate nach seiner Ankunft in Stutt-gart, im Frühjahr 1812, ward Matthisson durchdie Geburt einer Tochter erfreut; allein dieses Kindentriß ihm leider ein früher Tod bald wieder, under machte daher, um sich und seine Gattinn zuzerstreuen, eine zweimonatliche Reise nach der Schweiz.Sein Aufenthalt in Stuttgart, welcher mit Reisenin Deutschland, nach der Schweiz und Italien auf di«angenehmste Weise abwechselte, bUeb in jeder Beziehung,auch unter dem König Wilhelm, höchst erfreulich. Mit-ten in dieser öffentlichen und.häuslichen Glückseligkeit trafihn aber der harte Schlag, daß er seine innig geliebteund allgemein verehrte Luise, an den Folgen ein/sNervensiebers, am 13. Nov. 1824, im 33. Lebews-jahre, plötzlich verlor. Groß und allgemein war dieTheilnahme an seinem unersetzlichen Verluste. Zuseiner Aufheiterung machte er im Frühjahre 1825einen Ausflug in die Schweiz zu Salis und Bon-stetten. Nach seiner Rückkehr ertheilte ihm derKönig das Ritterkreuz des Ordens der würtemder-gischen Krone. Von 1825 bis 1829 besorgte er