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erregten Erwartungen von einem weisen Schuldirectornicht rechtfertigte, indem er einzelne Zöglinge mit partei-ischer Nachsicht, die meisten Lehrer mit schroffem Despo-tismus behandelte und dadurch den Abgang meh-rer wackrer Männer veranlaßte. Unter diesen warauch Friedrich Schmilz doch ward dessen Ver-lust, in manchem Betracht, mehr als doppelt, durchPerschke aus Insterburg ersetzt. Dieser, damalsnoch junge und durch vielseitige Kenntnisse, Ge-schmack und Phantasie ausgezeichnete Mann, derin Göttingen studirt, Heynes besondere Gunst undHöltys täglichen Umgang genossen hatte, wardunserem Matthisson besonders durch den letzte-ren Umstand lieb und theuer. Er suchte und ge-wann auch seine Freundschaft in einem solchenGrade, daß dieser seiner höheren Ausbildung diemeisten seiner Mußestunden widmete. Perschkelas namentlich mit ihm Addisons Zuschauerund Macphersons Ossi an; erwärmte seinen fürdas Hebräische etwas erkalteten Eifer dadurch, daßer ihn die von Herder in der ältesten Urkundedes Menschengeschlechts meisterhast verdeutsch-ten Bibelstellen mit dem Grundterte vergleichenließ; übte ihn im Deklamiren, zog sein Erkenntniß-vermögen und seine Urtheilskrast von einseitigerAnschauung ab, und empfahl ihm die höchst nützlicheGewohnheit, täglich nicht nur einige schöne Stellenauswendig zu lernen, sondern auch eigne Gedankenund Gefühle mit Sorgfalt niederzuschreiben, einevortreffliche Uebung den Styl zu bilden. — Auchbrachte damals, unter den sonst wilden Zöglingen,das Lesen der drei bekannten Romane: Werther,Siegwart und Sophiens Reise, eine höchstmerkwürdige Sittenverbesserung hervor. —
Schon längst hatten Matthisson und Ro-senfeld sehnlich gewünscht, Friedrich den Gro-ßen, welchen sie mit Stolz ihren Landesvater nann-ten, von Angesicht kennen zu leinen, und benutztendaher im Sommer 1777 die Gelegenheit, ihn beieiner Heerschau in der Gegend von Magdeburg zusehen. Auch da gab der große König, als Einigeaus seiner Begleitung den kürzesten Weg zu denversammelten Truppen durch die Kornfelder einschla-gen wollten, indem er ihnen die charakteristischenWorte zurief: „Meine Herren, wir müssen dieHoffnungen armer Leute respectiren! "und statt dessen lieber einen weiten Umweg machte,einen sprechenden Beweis seiner landesväterlichenGesinnung, welcher unserem Matthisson unver-geßlich blieb. — In diesem Jahre wurden auchdie beiden Freunde durch Perschke, welcher eineifriger Freimaurer war, Mitglieder der MagdeburgerLoge. Dankbar erkannten Beide während ihresakademischen Lebens, daß sie die Freimaurerei vormanchen Thorheiten bewahrte und mit vielen treff-lichen Männern in Berührung brachte, dere» Bei-spiel und Lehre auf ihre moralische und wissenschaft-liche Bildung den wohlthätigsten Einfluß äußerte. —So machten sie auch, auf Perschkes Einladung,im Frühjahre 1773, mit ihm einen angenehmenAusflug nach Dessau zu Basedow, auf dessenPhilanthrop,« damals die Blicke von ganz Deutsch-land gerichtet waren, und wohnten, gleich nach ih-rer Ankunft, im Veetsale, der mit Blumengewin-den und Tangelreis festlich ausgeschmückt war, ei-ner erhebenden Andachtsübung bei. Basedow hielteine kraftvolle Rede „über die Pflichten des
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kindlich gesinnten Zöglings gegen den vä»terlich gesinnten Lehrer." Im Garten desPhilanthropins machten sie die Bekanntschaft Ba-sedows, welcher ihnen dabei einen schönen Knabenvon 8Jahren mit den Worten vorstellte: „Dasist unser Erbprinz. Er lernt jetzt gehorchen, umeinst befehlen zu können." — Die ganze Anstalt, welcheeinen schneidenden Kontrast mit Kloster Berge bil-dete, gefiel Matthisson so sehr, daß sogleich in sei-ner Seele der Wunsch aufstieg, nach Beendigungseiner akademischen Laufbahn, dort als Lehrer einenPlatz zu finden. Belehrend und genußreich wurdediese Reise auch noch durch den Besuch der schö-nen Parkanlagen von Wörlitz.
Nach der Rückkehr näherte sich für Matthissondie Zeit seines Abganges von Kloster Berge, wo erübrigens, neben den Sprach-Studien und andernSchulwissenschasten, bei Lorenz, dem verdienstvol-len Uebersetzer Euklids, auch Elementarunterrichtin der Botanik erhalten hatte, dessen er sich nochauf seinen Alpenreisen dankbar erinnerte. Auf seineästhetische Bildung, besonders in Rücksicht der schö-nen Literatur der Engländer, Italiener und Fran-zosen, hatte von Köpken in Magdeburg, währendseiner Schuljahre einen wesentlichen Einfluß, indemer und Rosenseld seine Wohnung, wie die älter-liche, betrachten durften und an jenem edlen Mannestets einen väterlichen und belehrenden Freund fan-den. Bei ihrem Abgange nach Halle empfahl ersie noch angelegentlich an seinen nachmaligen Schwie-gersohn N iemeyer, welcher ihnen auch, durch seinenRath und seine Bibliothek, in Halle das wurde,was ihnen in Magdeburg von Köpken in dieserHinsicht gewesen war. -— Kurz vor der Abreisenach Halle war Matthisson noch so glücklich,seine geliebte Schwester zum Traualtare zu beglei-ten, und sie als Gattinn des Predigers Beust, derdem unvergeßlichen Großvater in der Pfarre zuKrakau gefolgt war, in der wohlbekannten Pfarr-wohnung zu sehen, wohin sich auch, auf dringendesVerlangen der Tochter, die nun ganz verlasseneMutter begab.
In Halle lebten Matthisson und Rosenseld,wie sie immer gewünscht hatten, stets beisammen;sie bewohnten dasselbe Zimmer und besuchten die-selben Hörsäle, Theologie und Philosophie beiSemmler, Nösselt, Knapp, Niemeyer undEberhard hörend, obgleich Rosenfeld sich im-mer entschiedener zur Dichtkunst und Musik hinneigteund in Bezug auf die letztere ein neues Freund-schaftsband mit Spazier knüpfte. Matthissonnahm indessen eben so an den wöchentlichen Uebungs-konzerten ihres musikalischen Vereins, als Rosen-feld an einer griechischen Gesellschaft Theil, in wel-cher Homers Werke und die griechischen Tragikerübersetzt und erklärt wurden. — Durch den Schwei-zer Veith, einen dankbaren Zögling Lavaters,ward Matthisson bewogen, des Letzteren „physio-gnomische Fragmente" zustudiren uno durch diesewieder veranlaßt, in Winckelmanns Werke tiefereinzudringen; denn es entstand dadurch in ihm einheißes Verlangen, die bildenden Künste und ihreWerke genauer kennen zu lernen. — Seinemtheologischen Berufe gemäß übte sich Matthissonauch im Predigen, empfand aber in der Brust, nach jederPredigt, einen stechenden und beklemmenden Schmerz,so daß er sich, auf den Rath eines geschickten Arztes,
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