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3 (1842)
Entstehung
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belhäusern die geschmackvolle Einrichtung und großeReinlichkeit im Innern. Selbst der gemeine Mannzeichnet sich hier durch einen gewissen Schönheits-sinn aus; der Handwerker versagt sich gern mate-rielle Genüsse, um des Sonntags mit Frau undKindern in reinlichen, schmucken Kleidern zu erschei-nen. Für geselliges Vergnügen bestehen die Res-source, die Harmonie und einige kleinere Ver-eine, in denen theils Vorlesungen aus unseren klas-sischen Dichtern gehalten, theils musikalische Unter-haltungen geboten werden; auch die Freimaurer öff-nen hier ihre Hallen, selbst Uneingeweihten, für Mu-sik, Gesang und Tanz. Im Frühling, Sommerund Herbst folgt Alles der unwiderstehlichen Einla-dung der reizenden Umgegend, und Landpartien nachder Grille, der schattigen Klus, der Masch,der Brunswikslust, der Dankelmanns- undKlostermühle, dem freundlichen Hausberge (1 St.)an der westfälischen Pforte, der Residenz Bücke-burg (2 St.) x,, sowie nach den Heilquellen Ei l-sen (3 St.). Fistol und Vlotho (34 St.), Stadt-hagen (5 St.), Nenndorf (? St.), Rehburg(8 St.) und Pyrmont (12 St.) wechseln häu-sig ab.

(Beschluß folgt.)

Friedrich von Matthisson.

(Beschluß.)

Der verdienstvolle Abt F rommann zu Klo-ster Berge hatte dem Großvater, noch bei Lebzei-ten, eine Freistelle im Pädagogium für seinen En-kel versprochen, und diese fand sich auch bald nachdessen Tode. Dem gemäß kam Friedrich injene damals berühmte Anstalt, deren ansehnlicheGebäude, hart an den südlichen Festungswerken vonMagdeburg gelegen, mit ihrem hohen Rüstergange,keinen unangenehmen Eindruck auf ihn machten.Desto mehr siel ihm aber der innere Zustand, Tonund Betragen der meist adligen Zöglinge auf. EinFederhut, ein Tressenkleid und eine reichlicher be-setzte Tafel unterschied hier noch den Edelmann vomBürgerlichen; die Zöglinge wollten schon die Rollenvon Offizieren und Studenten spielen und sich dernöthigen Disciplin nicht unterwerfen. Sie standendaher in steter Opposition gegen ihre Lehrer, undnur wenige derselben vermochten durch überwie-gende Talente, feine Weltsitte und männliche Hal-tung sich bei dem großen Haufen Achtung und Ge-horsam zu verschaffen. Glücklicher Weise gab esunter ihnen noch eine Anzahl besserer Schüler, wel-che den rechten Gebrauch der Schulzeit erkannt hat-ten und deßhalb, unter sich gleichsam eine stilleGemeinde bildend, durch die Neckereien und Pagen-streiche der luftigen Wildfänge, die in ihren Fe-derhüten und Tressenkleidern einherstolzirten, sichnicht irre machen ließen. Eines der achtungswer-thesten Mitglieder dieser stillen Gemeinde war einBerliner, Namens Coppius, ein junger Menschvon 18 Jahren, aber von männlichen Grundsätzen,welcher es sich zum heiligen Gesetz gemacht hatte,jeden unverdorbenen Ankömmling vor physischer undmoralischer Verführung zu bewahren. Da Matthis-son ihm als ein solcher erschien, so nahm er sich

seiner sogleich freundlich an und verlor ihn als seinSchutzgeist nie aus den Augen. Zugleich empfahlihm Eoppius dasTagebuch eines Beobachtersseiner selbst von Lavater" angelegentlich, undwenn diese Schrift seine Gewissenhaftigkeit auch fastüber die Maßen bedenklich machte, so trug sie dochviel dazu bei, seine physische und moralische Rein-heit zu erhalten.

Bei einem Ferienbesuche in Hohenodelebenmachte Matthisson die Bekanntschaft des jungenRosenfeld, dessen Vater gleichfalls vor mehrern Iah»ren als Prediger im nahen Dorfe Hohenwarslebengestorben war, und welcher sich im Liebftauenklosterzu Magdeburg auf die Universität vorbereitete. BeideJünglinge fühlten sich sogleich beim eisten Zusam-mentreffen zu einander hingezogen, und kamen ei-nige Tage nachher überein, künftig alle ihre Gedan-ken und Gefühle durch Rede oder Schrift stetsbrüderlich auszutauschen. Und so geschah es auchbis zu Rosenfelds Tode. In Matthis-sons Seele ward jetzt zunächst durch seinen LehrerFriedrich Schmit das heilige Feuer der Dicht-kunst entzündet und durch Höltys liebliche Gesängeverstärkt und genährt. Der einzige lyrische Versuchaus jener Zeit, welchen Matthisson unverändertin allen Ausgaben seiner Dichtungen beibehielt, istdas, auch von mehrern Tonkünstlern komponirteLied:Die Betende" überschrieben. Er hatte fürdieses Iugendlied, wegen des seinem Herzen theurenGegenstandes, der es veranlaßte, stets eine besondereVorliebe. Auch metrische Uebelsetzungen ausHoraz und Anatreon sing er an zu machen,und diese letzteren gelangen ihm so sehr, daß siesein griechischer Sprachlehrer Borheck in den kloster-bergischen Vorlesungen über Anakreons Lieder ab-drucken ließ. Gotters Uebersetzung vonGraysKirchhofs-Elegie und die Biographie Tasfos vonHeinse trieben ihn mächtig an, die englischeund italienische Sprache zu lernen. Dusch undMeinhard vermehrten durch ihre Verdeutschungenaus beiden Sprachen seinen Eifer für dieselben.Das herrliche Gemälde, welches Heinse vom Le-ben und Leiden des großen Tasso entwarf, zogihn mit solcher Gewalt an, daß er, trotz der Ge-fahr, im Ertappungsfalle dafür mit 3tägigem Stu-benarrest zu büßen, sich eines Abends, nach derBetstunde, noch in den Garten schlich, um unterden Laubgewölben des hohen Rüsternganges mitden schönen Leonoren sich zu unterhalten und inden paradiesischen Gefilden Sorrentos von ideali-schen Welten zu träumen. Auch machte Heinseihn, der bisher nur vom Erzengel Raphael ge-hört hatte, zuerst mit dem Maler Raphael bekannt,und er las daher mit desto größerem Interesse imdeutschen Merkur von 1776, eine Zergliederung derSchönheiten eines Hauptbildes von dem großen Mei-ster in der düsseldorfer Galerie.

Mit seinem treuen Rosenfeld unterhieltMatthisson einen wöchentlichen Briefwechsel, undtheilte ihm Alles, was er in Prosa oder Versenschrieb, zur strengen Beurtheilung mit. Nichtohne wichtige Folgen für seine Bildung blieb derTod des von vielen Redlichen betrauerten AbtesF rommann; denn an seine Stelle rief man denals Kanzelredner in Kopenhagen beliebten und alsVerfasser des Buchsvon der Erziehung des Bür-gers" berühmten Reseritz, welcher aber die dadurch