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3 (1842)
Entstehung
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begann mit dem Anfalle Sachsens an die Markgra-fen von Meißen, wiewohl der Hussiten- und Bru-derkrieg eine Erhöhung der Abgaben erheischte; denndie Heerfahrten nach Böhmen und die Befestigungder Stadt kosteten viel Geld. Friedrich I. derStreitbare erließ der Stadt seit 1424, wegenihrer guten Dienste, nicht nur die 23 Schock, welchesie jahrlich in die herzogliche Küche hatte entrichtenmüssen, sondern schenkte ihr auch 3 Dörfer mitGerichten, Zinsen«,, und Friedrich II. der Sanft-müthige (142864) verkaufte der Stadt 1441die Gerichtsbarkeit für 1000 rheinische Gulden, be-stimmte 1449 durch einen Veitrag zwischen demRath und der Bürgerschaft des ersteren Obliegen-heiten, und bauete die erste Elbbrücke, durch welcheder Verkehr bedeutend erleichtert und befördert wurde.Das Rathscollegium erweiterte sich und bestand seit1449 aus einem dreifachen Rathe, der jährlich wech-selte, und 3 Bürgermeister und 18 Rathmänner,ohne den Stadtrichter, zählte. Schon auf denLandtagen in Torgau gab Wittenberg seine Zustim-mung zu den allgemeinen Landbeden, wodurch esdas Recht der Landstandschaft erwarb, und daherspäter als schriftsässige Haupt- und Residenzstadtauf den Landtagen durch 2 Bürgermeister vertretenerschien, mit dem Vorsitze unter den Städten desKurkreises auch die Stelle im Ausschusse behauptend.Unsterbliche Verdienste erwarb sich um die StadtFriedrich III. der Weise (14861525), welcherauch die meiste Zeit seiner Regierung hier residirte,durch den Bau einer neuen Elbbrücke von Eichen-holz, welche 19,999 Gulden (damals eine ungeheureSumme) kostete, durch die schon erwähnten kostba-ren Bauten, besonders aber durch die Stiftung derUniversität 1502. Die Stadt erlangte durch sie den höch-sten Grad ihres Wohlstandes, und durch die vonihr durch Luther und Melanchthon ausge-hende Kirchenverbesserung eine weltgeschichtliche Be-rühmtheit, welche ihren Bierruhm durch den Guck-guck, wie man das hiesige Bier nannte, bei wei-tem überstrahlte. Nichts desto weniger war Witten-berg damals, die wenigen öffentlichen Gebäude aus-genommen, nicht viel besser als ein Dorf. Me-lanchthon, welcher die Stadt I^ueore» nennt,giebt in einem Briefe an Camerarius eine Schil-derung von ihr als von einem elenden Neste mitLehm- und Strohhütten. Der erste RectorDr. Pollich aus Mellerstadt in Franken sagt:esliege an der äußersten Gränze der Civilität, von daman gleich in die Barbarei komme"; und Lutherkonnte nicht begreifen, wie in solcher Barbareieine Universität habe entstehen können.

Die nächste Veranlassung zur'Stiftung derUniversität gab Kaiser Maximilian I. auf demReichstage zu Worms 1495 durch seine Aufforde-rung, daß jeder Kurfürst in seinen Landen eine hoheSchule errichten möchte; dann der Ruhm der al-bertinischen Linie durch die Universität zu Leipzig;ferner die eigne Wissensckaftsliebe und FrömmigkeitFriedrichs des Weisen und endlich der Rath vie-ler Gelehrten, namentlich seines Leibarztes Pollich,Staupitzens und Anderer, besonders aber despapstlichen Gesandten, des Kardinals von Gurk,der freilich nicht ahnen konnte, wie verderblich dieseUniversität bald der Hierarchie werden würde. Nach-dem man, dem Geiste des Zeitalters gemäß, erst dieSterne um Rath gefragt hatte, wurden die Besta-

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tigungsurkunden des. Papstes am 2. Februar, des Kur-fürsten am 6. Juli 1592 ausgefertigt und ihr darin glei-cher Rang, gleiche Rechte und Freiheiten mit ihrenältern Schwestern Paris, Pavia, Siena undLeipzig ertheilet. So ward sie den 18. Oktober1592 feierlich eröffnet, nachdem man sie Gott undder heiligen Jungfrau gewidmet, besonders aberdem heiligen Augustin empfohlen hatte. Die neueUniversität, gleich der leipziger, in die 4 Fakultätender Theologie, Jurisprudenz, Medicin und Philo-sophie zerfallend, erlangte früher, als jede anderevor und nach ihr, einen ausgebreiteten Ruf nichtnur in Deutschland, sondern in ganz Europa,durch Luthern, der 1598, und durch Melanchthon,der 1518 an dieselbe berufen wurde, so wie durchandere berühmte Männer (Bruno deNola, Holl-mann), welche die Religion reinigten, die Wissen-schaft erweiterten, cmf's Leben anwendeten und syste-matisch betrieben. So können Dogmatik undtheologische Moral Wittenberg ihre Wiege unddas 17. Jahrhundert ihr Geburtsjahr nennen. Pe-trus Ravennas lehrte.1593 die Rechte mit so gro-ßem Beifall, daß selbst Friedrich der Weise und Jo-hann der Bestandige seine Vorlesungen besuch-ten. Jener Ruf selbst zog viele Gelehrte von Be-deutung und zugleich auch viele Studenten nach Wit-tenberg, deren Anzahl im Reformations-Zeitalter nichtselten auf 2999 stieg, so daß Viele in Pratau wohnenmußten. Spater zäblte sie durchschnittlich nur 359.Von 1592 bis 1655 studirten 67,858, von 1656bis 1772 nur 28,216 Studenten, und von 1772bis 1813 noch weniger. Sie waren anfangs einerstrengen, fast schulmäßigen Aufsicht unterworfen. Des-senungeachtet waren die Sitten derselben, beson-ders der Theologen, vor und noch lange nach derReformation, roh und ungeschliffen, wie das Zeit-alter: Raufen, Duellicen, Lärmen, Trinken, Schwär-men, kurz, alle Gräuel des Pennalismus an derTagesordnung. Seit 159? gab man gedruckteLektions-Verzeichnisse. Für die Geschichte, welcheman damals als eine nur Fürsten nöthige Lektürebetrachtete, ward erst 1579 ein Lehrstuhl errichtet.Dagegen gab es schon seit der Gründung der Uni-versität einen Fechtmeister, und bis 1536 aucheinen Professor der Pädagogik.

Nach ihrer innern Einrichtung war die Uni-versität vor der Reformation hierarchisch, nachderselben monarchisch und zuletzt republikanisch.Der Rector m»ßmtic>i3, welcher unuerheirathet seinmußte, selten und nur im höchsten Glänze öffentlich er-scheinen durfte, hatte in den eisten Zeiten die höchsteGewalt, in jeder Hinsicht, welche zuerst durch Chri-stian I. (1.5861591) beschränkt wurde. Ueber-haupt aber standen die Professoren in hohem Rangebei Hofe, wurden von demselben häufig beschenkt,und nicht selten zu Festen, ja zu Gevattern gebeten.Theologie und Jurisprudenz standen vor der Refor-mation in gleichem Range, weßhalb ein Jurist auchProbst an der Schloßkirche sein konnte. ProfessorGiden (-j-1521), welcher zuerst in DeutschlandVorlesungen über deutsches Staatsrecht hielt,und deßhalb monarcl,» j»rl« hieß, war der letzte.Die juristische Doctorwürde kostete 42 Gülden 2Groschen, die theologische 41 Gülden 7 Groschen, diemedicinische 3? Gülden 1 Groschen 2 Pfennige, unddie philosophische oder der Magistertitel nur 8 Gül-den 3 Groschen. Die Inscriptionsgebühren betrugen

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