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Ordnung mit dem Erbstatthalter zurückgekehrt. Inso kurzer Zeit unterdrückten, doch ohne zu beruhi-gen, die Truppen Friedrich Wilhelms einenParteienkampf, der schon seit IN Jahren die verei-nigten Staaten zerrüttet hatte. Der Erbstatthalterschloß hierauf 1788 mit Preußen und Großbritannienein Schutzbündnis), worin sich die verbündetenMächte gegenseitig alle ihre Besitzungen garantirten.— Weniger Aufsehen erregte, aber allgemeine Bil-ligung fand die Rückgabe der meklenburg-schwerin-schen Aemter (Plauen, Wredenhagen, Marnitz undEldina), welcke Preußen seit 1736 zur Entschädi-gung für aufgewandte Kosten bei der Reichsexecu-tion als völliges Eigenthum inne behalten hatte,durch Vertrag vom 13. Mai 1788 für die Summevon 172,000 Thlr., an den rechtmäßigen Landes-herrn. — Gleiche Mäßigung zeigte Friedrich Wil-helm bei der Ausgleichung der Unruhen in Lüttichgegen den Fürst-Bischof, welcher sein Volk, be-stehenden Gerechtsamen zuwider, willkürlich drückte,indem der König zwar als Herzog von Kleve, nach-dem das Reichskammergericht die Vollziehung seinesAusspruchs den Kreisdirektoren in Westfalen über-tragen hatte, das Land durch seine Truppen be-setzen ließ, sie aber wieder zurückzog, als der Fürst-Bischof, seinen Vorstellungen des Rechts und derBilligkeit kein Gehör gebend, nicht das Gemein-wohl wollte fördern als Landesvater, sondern Ge-walt üben als Selbstherrscher.
Ernster und schwieriger gestalteten sich um dieseZeit die politischen Verhältnisse im Osten und Nor-den Europas, und Friedrich Wilhelm hielt esdeßhalb für nöthig, darauf seine ganze Aufmerksam-keit zu richten, und gegen Rußland und Oestreich,welche im Kriege mit der Pforte deren Existenz be-drohten, Preußens militärische und politische Stel-lung zu behaupten. Schweden ward zum Kriegegegen das beschäftigte Rußland vermocht und Dä-nemark durch Preußens, Englands und HollandsDrohungen abgehalten, demselben gegen SchwedenHilfe zu leisten. Die Polen begeisterte die erregteHoffnung auf die Unabhängigkeit vom russischen Ein-flüsse. Durch einen Vertrag mit der Pforte sichertePreußen derselben den Besitz aller ihrer Länder,und in Verbindung mit England wollte es Oest-reich die Friedensbedingungen mit der Türkei vor-schreiben, was auch durch die Eonvention zu Rei-chenbach als Grundlage des künftigen Friedens zwi-schen Oestreich und der Pforte geschah. Noch ehedieß Alles zu Stande kam, sah sich bereits der pa-triotische und verdienstvolle Herzberg durch denGrasen Schulenburg-Kehnert und den Frei-herr« v. Alvensleben von den auswärtigen Ge-schäften entfernt. Unterdessen waren preußische Heerean die Gränzen Rußlands und Oestreichs vorgerückt,und es würde unstreitig mit diesen Mächten zu ei-nem Kriege gekommen sein, wenn nicht Frankreichsauf der einen, und Polens Zustand auf der an-dern Seite wiederum eine gegenseitige Annäherung,Aussöhnung und selbst Bündnisse bewirkt hätte.Zuerst veranlaßte das gemeinschaftliche Interesse,welches Oestreich und Preußen an den Fortschrittender französischen Revolution nahmen, die Zusam-menkunft Leopolds II. und Friedrich Wilhelmszu Pillnitz (17 — 27. August 1791), wo sie theilsihre Hausstreitigkeiten völlig schlichteten, theils sichdurch eine Eonvention zu Maßregeln gegen die fran-
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zösische Revolution vereinigten. Durch die Annahmeder neuen Konstitution Frankreichs von Seiten Lud-wigs XVI. verlor zwar die pillnitzer Conventionihre Kraft, und Leopold kündigte dieß selbst durchein Zirkular den Höfen an; allein der drohendeZustand bewirkte bald ein Defensiv-Bündniß zwi-schen Oestreich und Preußen (den 7. Februar 1792),und die am 20. April folgende KriegserklärungLudwigs XVI. an den König von Böhmen undUngarn nöthigte Preußen zur Theilnahme am Kriege.Mit einem Heere von 50,000 Mann, unter demOberbefehle des Herzogs Ferdinand von Vraun-schweig, rückte in der Mitte des Jahres der König,von den Prinzen seines Hauses begleitet, an denRhein nach Koblenz, dem Wassenplatz der ausge-wanderten Franzosen. Von diesem seinen Hauptla-ger aus erließ der Herzog jenes donnernde Mani-fest an die empörten Franzosen, welches der ehe-malige Kanzler des Herzogs von Orleans, Linon,jetzt im Gefolge der französischen Prinzen, verfaßthatte, welches aber, statt die Franzosen niederzu-schlagen, in Paris, wie in ganz Frankreich, nurUnwillen und Hohn erregte.
Anfangs ging der Krieg, dessen ausführlicheErzählung nicht hierher gehört, glücklich von Stat-ten; später wich aber das Glück ganz von den preu-ßischen, wie von den östreichischen Waffen, und dieerlittenen Verluste verursachten zuerst Mißverständ-nisse und Streitigkeiten unter den Feldherren, sodaß der Herzog von Braunschweig den Oberbefehl(den 31. Januar 1794) an den Feldmarschall vonMöllendorf abtrat, darauf gegenseitige Kälte undzwiespaltiges Operiren, weßhalb Preußen, ob esgleich den 19. April 1794 mit Großbritannien undHolland den Subsidien-Vertrag erneuert hatte, andem Feldzuge dieses Jahres, in welchem Oestreichseine Niederlande wieder erobern wollte, blos durchdie Eroberung der französischen Verschanzungen beiKaiserslautern (23. Mai) Theil nahm, und zuletzt,nachdem die Franzosen Holland erobert und derGroßherzog von Toscana, des Kaisers Bruder, schonmit der französischen Republik Frieden gemacht hatte,die vorlängst heimlich gepflogenen Unterhandlungenöffentlich betreibend, am 5. April 179.1 zu Basel ei-nen Separatfrieden schloß, in welchem es seine über-rheinischen Besitzungen, bis zum allgemeinen Frie-den, an Frankreich überließ, und die Vermittelungdes Friedens für die Fürsten und Stände desReichs übernahm, das ganze nördliche Deutschlanddurch eine am 17. Mai verabredete Demarkations-linie vom Kriegsschauplatze trennend. Hatte dieserFriedensschluß schon den wiener Hof dem berlinerentfremdet, so geschah dieß noch mebr durch den ge-heimen Vertrag vom 5. August 1796 mit Frank-reich, durch welchen Preußen in die Abtretung desganzen linken Rheinufers willigte, indem Frankreichdafür eine vortheilhafte Entschädigung im InnerenDeutschlands für Preußen und die ihm verwand-ten Häuser Hessen-Kassel und Oranien zusagte, wasübrigens auch später Oestreich in den. geheimen Ar-tikeln des Friedens zu Campoformio (den 17. Ok-tober 179?) that.
Noch vor demRevolutions-Kiiege vereinigte Fried -rich Wilhelm II. durch einen zu Bordeaux (den2. December 1791) mit dem letzten kinderlosenMarkgrafen Christian Friedlich Karl Alex-ander von Anspach-Baireuth abgeschlossenen Ver-