Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Muleum tür preutzitche Vaterlandskunde.

Band m

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Lief. KO.

Friedrich Wilhelm II.,

König von Preußen.(Beschluß.)

Vergebens war es, daß rechtlicheMänner dem Ko-nige dieses Unrecht vorstellen wollten; die Günstlinge,welche der Staatskasse, zur ersten Einrichtung, andert-halb Millionen Thaler, auf Zinsen zu sechs vom Hun-dert, vorgeschossen hatten, ließen dieß nicht geschehen.Und gerade war diese Verwaltungsmaßregel die letzte,wie früher die erste, in Friedrich WilhelmsRegierung.

Die Hauptrathgeber des Königs, welche ihnzu jenen Fehltritten in der Staatsverwaltung ver-leiteten, die alten, treuen Minister Friedrichs,von Herzbe<g und von Zedlitz, verdrängten, undspäter ihr Spiel mit Ordensgeheimnissen, Geisterer-scheinungen :c. trieben, waren die Günstlinge von Bi-schoffswerder und von Wöllner. Der Erstere,aus einer armen adligen Familie Thüringens stam-mend, trat während des dänischen Erbsolgekriegesin den preußischen Militärdienst, und warb nach dem-selben der unzertrennliche Gefährte des Kronprinzen.Er gehörte dem Illuminatenorden an und hielt sichfür einen Geisterseher. Bei diesem Verkehre mitGeistern war er, dem Irdischen nicht abgeneigt,ein höchst feiner, kluger nnd versteckter Weltmann,welcher durch die Huld des Monarchen reich ohneVorwurf und der Erste im Staate ohne Verant-wortlichkeit ward. Gleiche Natur und Tendenzhatte Wöllner, der Sohn eines Landgeistlichen inder Mark und später selbst wieder Landgeistlicher,doch mit mehr Neigung für die Oekonomie, welcheer trieb und über welche er schrieb, war Mitglieddes Rosenkreuzerordens und gleichfalls Geisterseher,ward 1786 vom Könige, dem er schon 1782 Un-terricht in der Staatswirthschaft ic. gegeben hatte,in den Adelstand erhoben und zum geheimen Ober-sinanzrath und Intendanten des königl. Bauwesensernannt. Durch seinen steigenden Einfluß auf die Per-son des Königs gelang es ihm, schon 1788 denverdienstvollen, aber frei denkenden Zedlitz zu ver-drängen und an dessen Stelle Staats-und Iustizmini-ster und Ehef des Departements der geistlichen An-gelegenheiten zu werden. Darauf bildete er ausden geistesverwandten Konsistorial-Räthen Hermes,Woltersdorf, Hillmer und Silberschlagdie geistliche Eraminations - Kommission inBerlin, welcher 1793 noch besondere Provinzial-Examinations-Kommissionen folgten. Theolo-gische Bücher, ohne allen Werth und von Niemandengeachtet, mußten von den Kirchen, auf königlichenBefehl, gekauft werden. Neben Beiden stand dergeheime Kämmerer Nietz, ein Mann, der eben sogemein als unwissend, eben so stolz als kriechend un-terwürfig, eben so verschwenderisch als habsüchtig war,derselbe, dessen Namen die späten Gräfinn Lichte-

nau eine Zeit lang führte. Durch seine Händegingen nicht nur Adelsbriefe und Orden, sondernsie wurden selbst von ihm vergeben. Von ge-ringem und unschädlichem Einflüsse war die gleich-falls bekannte Gräfinn Ingenheim. AmHofe bildeten sich Parteien, es herrschten Kabalenund Inlriken, und der König, in solchen Verhält-nissen lebend, vielfach umstrickt und durch Andregeleitet, wähnte immer, er sei frei von fremdem Ein-flüsse, erwäge, wähle und beschließe Alles selbst zumBeßten seines Volkes und Staates.

Wie im Innern des Staates, ungeachtet diebisherigen Verwaltungsformen im Allgemeinen bei-behalten wurden, die Einheit des politischen Lebens,welche Friedrich durch seinen Alles durchdringen-den Geist hervorgebracht hatte, sehr bald verschwun-den war; so trat auch eine große Veränderung despolitischen Systems in den auswärtigen Angelegen-heiten ein und wirkte nachtheilig auf die Behaup-tung des großen Ansehens, in welchem der preußi-sche Staat durch Friedrichs Persönlichkeit gestan-den hatte. Friedrich Wilhelm II. wollte zwar,durch Friedrichs Heer und Schatz ermächtigt, des-sen Schiedsrichteramt in Europas Angelegenheitenfortführen und die darauf gegründeten Ansprüche gel-tend machen; es entstanden aber daraus unange-nehme Verwickelungen, kostspielige, nutzlose An-strengungen und diesen folgte zuletzt der Verlust desfrüheren Rufes und des ehemaligen Ansehens. Schonim Jahre 1787 fanden sich zwei Anlässe, von de-nen der eine den König als deutschen Reichsstand,der andere ihn nur als Bruder anging. Nach demTode (178?) des Grafen Philipp Ernst II. vonLippe-Bückeburg, der aber noch einen Sohn undBruder hinterließ, nahm der Landgraf WilhelmIX. von Hessen-Kassel die Grafschaft, als erledigtesLehen, ohne Weiteres mit gewaffneter Hand in Be-sitz, die Ebenbürtigkeit und Erbfähigkeit der Nachkom-men nicht anerkennend. Friedrich Wilhelm war,als westfälischer Kreisfürst u. Haupt des Fürstenbundes,verpflichtet, diese Verletzung der Reichsverfassung nichtzu dulden, stand aber mit dem Landgrafen in so freund-schaftlichen Verhältnissen, daß er ihn lieber durchgütliche Vermittelung, als durch Waffengewalt zurRäumung des fremden Landes bewegen wollte, und esgelang ihm endlich dieses Mittlergeschäft durch freundli-ches Zureden nach Wunsche. Noch schneller, aber durchTruppen, und glänzender, aber mit großen Kosten,stillte Friedrich Wilhelm die Unruhen in Hol-land, wo die Patrioten sich gegen seinen Schwager,den Erbstatthalter Wilhelm V., empört unddessen Gemahlinn, des Königs Schwester, beleidigthatten. Nachdem er die Eintracht wieber herzustel-len und Genugthuung zu erhalten, alle Mittel ohneErfolg versucht hatte, ließ er 24,000 Mann unterdem Herzog Ferdinand von Braunschweig in Hol-land einrücken, und nach 4 Wochen war die alte

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