Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
117
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wurde weder Geschrei, noch Zorn, noch Bitterkeitgehört, vielmehr wurden alle häusliche Tugenden geübt.Seine Frau und Kinder waren von seinem gottseli-gen Geiste beseelt. Im Jahre 1694 hatte sich Franckemit Anna Magdalena von Wurm verheirathetund in ihr 38 Jahre hindurch, bis an seinen Tod,eine treue Gefährtinn und Gehilfinn gefunden. Vonihren 3 Kindern, 2 Söhnen und 1 Tochter, starbder Erstgeborne, August Gottlieb, schon inder Kindheit, der zweite Sohn, Go tthilf August,ward Doctor und Professor der Theologie in Halle,Archidiaconus an der Marienkirche und Direclorder vaterlichen Stiftungen; die Tochter verheirathetesich 1715 mit Freylinghausen, und Franckehatte die Freude, 1 Enkel und 2 Enkelinnen zu erleben.

Seit 172.1 sing seine gewöhnliche nachtlicheTransspiration an auszubleiben und das peinliche Uebeldes Harnzwanges stellte sich ein. Diese Krankheitquälte ihn 7 Vierteljahre und wich erst im Nov.1726, als ein Schlag seine linke Hand gelähmt hatte.

An einem heitern Frühlingstage (d. 24. Mai172?) wandelte er zum letzten Male durch die Gärtendes Waisenhauses. Freunde und Schüler waren umihn versammelt und feierten mit ihm, unter Gottesblauem Himmel, eine seltene Andachtsstunde. Nocheinmal führte er sie in die Geschichte seines Lebens,und bekannte mit gerührtem Herzen, der Herr habeGroßes an ihm gethan. Er verschwieg ihnen nicht,daß er manchmal gestrauchelt, aber durch GottesGnade bald wieder aufgestanden sei. Er bezeugte,wie die Empfindung der göttlichen Liebe oft so starkin seinem Herzen gewesen sei, daß er vor Freudenhatte vergehen mögen. Er habe (dieß waren seineWorte) unter freiem Himmel oft mit Gott den Bundgemacht:So du willst mein Gott sein, so willich dein Knecht sein!" Er habe sehnlichst gewünscht,recht Vielen zu den Freuden der Gottseligkeit zuverhelfen, bei welchen ihm selbst so wohl gewesen,und deßhalb oft gebetet, Gott möge seine Kindermachen zahllos, wie den Morgenthau und wie dieSterne am Himmel.

Dieß Gebet sah er nun in Erfüllung gegangen;er hob seine Hände dankend zu Gott auf und schloßmit dem Wunsche: «Einst müsse ich sie Allewiedersehen und sagen können: Hier binich, Herr, und die Kinder, die du mirgegeben hast!" Hierauf kehrte er nach sei-ner Wohnung zurück; seine Freunde folgten ihm mittrüben Ahnungen. Schon am andern Tage warfihn die letzte Krankheit nieder; er sollte nicht wie-der aufstehen. Vierzehn Tage kämpfte er mit denheftigsten Schmerzen des zurückgekehrten Harnzwangs;er unterlag ihnen am 8. Juni 1727, nachdem er einAlter von 64 Jahren 2 Monaten und 3 Wochen er-reicht hatte. Die ganze Stadt drängte sich, die sterblicheHülle des Entschlafenen noch einmal zu sehen undbegleitete sie am 17. Juni zu ihrer Ruhestatte.

Die Direktion seiner Stiftungen ging in dieHände seines, ohne Nachkommen verstorbenen Soh-nes, Gotthilf August (geb. 1696, gest. 1769)und seines Schwiegersohnes Frevlinghausen (^1785) über. Waren auch seine nächsten Nachfol-ger nicht gerade Erben seines Geistes, so arbeitetensie doch nach gleichen Grundsätzen und mit rühmli-chem Eifer, so daß sich die Stiftungen unter ihnenerweiterten und die Zahl der darin Lehrenden undLernenden von Jahr zu Jahr zunahm.

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Sehen wir von den gemeinnützigen AnstaltenFrancke« ab, welchedauernder als Erz" daste-hen und für Jahrhunderte noch segensreich seinwerden: so besteht sein größtes Verdienst unstreitigdarin, der Erziehung seiner Zeit einen neuen Geist,den der Religiosität eingehaucht zu haben. Dennder Grundsatz,daß bei aller Erziehung einelebendige Erkenntniß Gottes und einrechtschaffenes Christenthum der letzteZweck sein müsse," machte er nicht blos in seinenSchriften, namentlich in demUnterrichte, Kinderzur Gottseligkeit und zur Klugheit anzuleiten," gel-tend, sondern er trug denselben auch auf die Ein-richtung aller seiner Anstalten über. Die zahlreichenjungen Leute, die sich unter Franckes Äugen undin seinen Instituten zu Lehrern gebildet hatten,wirkten im Geiste ihres Meisters, wenn auch nichtdurchgängig mit demselben reinen Sinne; und überallan den Erziehungsanstalten Deutschlands wurdenvorzugsweise Zöglinge aus Franckes Schule be-schäftigt. Somit gebührt ihm der Ruhm, demUnterrichtswesen seiner Zeit eine religiöse Richtunggegeben und zugleich auf die Pädagogik des folgen-den Jahrhunderts eingewirkt zu haben. Und wennauch das großartige Denkmal, das sein frommerSinn gestiftet hat, je durch die gewaltige Zeit zer-trümmert würde, das Andenken des Ge-rechten bleibet dennoch in Segen!

Viel, sehr viel ist über Franckes Leben undWirken geschrieben worden, und noch 182? hat esein Urenkel desselben, der Privatdocent Guerikein Halle zur Säkularfeier seines Todes in einerDenkschrift nach allen Umständen und Verhaltnissentreulich gewürdigt. Unser dankbares Zeitalterhat auch diesem wahrhaft frommen und unermüdlichthätigen Manne ein würdiges Denkmal, nach demtrefflichen Gypsmodelle von Rauch, in Bronze errich-tet. Es stellt den frommen Stifter im Predigerge-wande vor, indem neben ihm 2 Kinder ungleichenAlters stehen, deren eines er mit ehrwürdig freund-lichem Blicke ansieht und die linke Hand segnendauf seinem Haupte ruhen läßt, während das andrebedeutungsvoll die Bibel in den Händen hält. DenDank beider Kinder lehnt Francke von sich ab, in-dem seine Rechte nach oben zeigt, woher die Hilfegekommen ist. Die Gruppe ist in Lebensgröße,6 F. hoch, ausgeführt, und ruht auf einem marmor-nen Fußgestell. Die Inschrift auf dem Marmor,mit goldenen Buchstaben, lautet auf der Vorder-seite:August Hermann Francke: Er vertrauteGott." Auf der Hinterseite liest man die Worte: Dem Gründer dieser Anstalten die dankbare Nach-welt 1829." Es hat 7460 Thlr. gekostet, welchedurch Beiträge zusammengebracht worden sind, undsteht im innern oder Mittelhofe des Waisenhauses,dicht vor dem Pädagogium auf einem erhöhet««Platze, zu welchem eine Treppe führt.

K-sch.

T o r g a u.

(Beschluß.)

Noch ist aus des Schlosses und der StadtGlanzperiode eine Reihe geschichtlicher Merkwürdig-keiten zu erwähnen: hier hielt schon 1431 Kurfürst