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3 (1842)
Entstehung
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füist Friedrich III. als König I. schenkte zumBaue des Hauses 100,000 Mauersteine und 30,000Dachziegel, gab zweimal 1000 Thaler, überwies demWaisenhause einen Theil der Strafgelder im Mag-deburgischen und Halberstädtischen und begnadigte diefranckischen Stiftungen mit mancherlei Privilegien.Auch seine Nachfolger nahmen sich dieser wohlthäti-gen Anstalten huldreich an.

Schon 1698 war in den franckischen Stif-tungen, zu welchen nun auch eine lateinischeSchule gehörte, die Zahl der Zöglinge bis auf 500angewachsen. Ueberdieß erhielten gegen 70 armeStudenten, die sich unter Franckes Leitung zuLehrern ausbildeten, einen Freitisch. Bald wur-den eine Buchhandlung, eine Buchdruckerei, eineApotheke, eine eigne Vierbrauerei und Bäckerei mitder umfangreichen Anstalt verbunden und an sieschloß sich seit dem Jahre 1712 (nicht 1750 wieVor. Bd. II. S. 156 durch Versehen steht) die vomFreiherrn Karl Hildebrand von Canstein ge-stiftete Bibelanstalt. Dieser Freund Spenersvermachte überdieß, bei seinem 1719 erfolgten Tode,dem Waisenhause seine Bibliothek und einen Theilseines Vermögens. Auch eine Missionsschulewurde, auf Dänemarks Betrieb, von Franckeerrichtet.

Der glückliche Fortgang des großen Werkes,weit entfernt, in Franckes Herzen auch nur eineRegung von Stolz hervorzurufen, erhöhete vielmehrsein Gottvertrauen und seinen Eifer für die guteSache. Er blieb demüthig, betrachtete sich nur alsein geringes Werkzeug in der Hand Gottes, undpflegte zu sagen:Ich habe nur zugesehn, wasGott gethan hat." Nichts desto wenigerwurde dieses schöne Werk seiner christlichen Liebe undseines Gottvertrauens von seinen Gegnern eben soarg als seine sonstige fromme Thätigkeit, in derFerne, wie in der Nähe, vom Anfang der Grün-dung bis an seinen Tod, verschrien und angefeindet;jedoch ohne dem glücklichen Gedeihen desselben zuschaden.

Man glaube indessen ja nicht, daß der frommeMann bei seiner gemeinnützigen Thätigkeit blos seineStiftungen vor Augen hatte; er erfüllte mit dergrößten Treue alle Pflichten seines Predigtamtes,(aus der Vorstadt Glaucha war er unterdessen an dieUlrichskirche der Stadt Halle versetzt worden)und begnügte sich nicht damit, öffentliche Kanzelvor-träge zu halten, sondern versammelte auch, wie schonerwähnt, die seiner Seelsorge anvertrauten Gemein-deglieder in seinem Hause zu Privat-Erbauungsstun-den. Als Lehrer der Universität war er nicht min-der thätig: seine akademischen Vorlesungen hielt ermit Gewissenhaftigkeit und in dem frommen Geiste,der seinem ganzen Wirken eigenthümlich war.Wie sehr auch durch seine Umtsgeschäfte, durch dieSorge für seine Stiftungen, durch seinen ausge-dehnten Briefwechsel, durch sein Wirken für Bibel-verbreitung und Missionswesen, und durch die Mengeder Besuche, welche aufrichtige Hochachtung eben sosehr als müßige Neugierde ihm zuführte, sowie durchkleinere und größere Reisen, welche er zum Theil imInteresse des großen Zwecks seines Lebens machte, seineZeit in Anspruch genommen wurde: doch behielt erimmer noch, bei seiner außerordentlichen Thätig-keit, Mußestunden zu schriftstellerischen Arbeiten übrig.Die meisten seiner deutschen Schriften sind erbauli-

chen Inhalts. Ihr Ertrag war nicht immer fürseine Stiftungen, oft auch für andere wohlthätigeZwecke bestimmt. Denn auch die Armen außerhalbseiner Anstalt lagen ihm am Herzen. Eine neue,sehr zweckmäßige Almosenordnung für Halle undGlaucha wurde von ihm entworfen, und überdießnahmen oft genug auswärtige Arme in leiblichenNöthen ihre Zuflucht zu ihm. Er half stets, woer wußte und konnte.

Einst wendete sich ein frommer Mann ausMagdeburg schriftlich an Francke, und bat auf'sDringendste, ihn aus der kummervollsten Lage her-auszureißen. Das mitleidige Herz Franckes wurdedurch diesen Brief innig gerührt; denn eben ersthatte er sich mit Betrachtung eines biblischen Aus-spruches (2 Kor. 9, 8.) beschäftigt und dabei, nachseinem eignen Geständnisse, zweifelnd gefragt:Wiekann Gott machen, daß wir reich sind zu allen gu-ten Werken? Ich wollte gern manchem ArmenGutes thun, wenn ich Vermögen dazu hätte. Nunaber muß ich Manchen leer und ohne Hilfe vonmir gehen lassen." Bekümmert sann er nach,auf welche Weise jenem Armen zu helfen wäre. End-lich machte er einen Weg ausfindig: er schrieb eineMonatsschrift ( OK^ei-vatione« biblicae"), arbeitetean derselben bis in die spate Nacht, ließ sie aufseine Kosten drucken, und gewann damit gegen 150Thaler, welche hinreichend waren, die unglücklicheFamilie zu retten. Dadurch lernte er verstehen,wie Gott machen könne, daß man reich sei zu allenguten Werken.

Selbst bis in das eisige Sibirien reichte seinehelfende Hand. Dort lebten damals viele gefangeneSchweden. Einige Offiziere schrieben an ihn, daßihrer viele durch die Noth zur Erkenntniß gekommenund zur Anlegung von Schulen entschlossen wären,wozu sie seinen Rath und Beistand erbaten. Franckesendete ihnen Bibeln, Gesangbücher und andereErbauungsschriften, richtete sie durch trostreiche Briefeauf und vermochte edle Wohlthäter zu einer Unter-stützung der Gefangenen, die sick über 1000 Thlr.belief. Doch es ist unmöglich, alle menschensreund-liche Handlungen dieses christlichen Mannes aufzu-zählen. Viele derselben sind ohnedieß nur Gottbekannt.

Durch unermüdete Thätigkeit und Kraftanstren-gung war seine Gesundheit erschüttert worden. ZurHerstellung derselben machte er im I. 1717 eineReise durch einen großen Theil Deutschlands; überallkam ihm die aufrichtigste Hochachtung entgegen.Als der Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz zur ka-tholischen Kirche übergetreten war, reiste Francke,auf eine Einladung der Herzoginn 1718 zu ihm,und bewirkte sogleich, durch eine Unterredung mitihm, seinen Rücktritt zum evangelischen Glauben.In der letzten Zeit seines Lebens vermochte er nichtmehr, seine Geschäfte mit gewohnter Thätigkeit zuverrichten; doch fand er im Briefwechsel mit abwe-senden und im Umgange mit anwesenden Freundenfortwährend Erheiterung und Trost. Oft versam-melte er seine Hausgenossen um sich und erzählteihnen mit David:wie er Gnade gehabt, ein-herzugehen in der Kraft des Herrn, und wie derHerr ihn von Jugend auf gelehret; darum ver-kündige er feine Wunder, die er doch nicht alle zäh-len könne." In Franckes Hause herrschte einstilles, sanftmüthiges und frommes Wesen: es