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und ein Ausschuß niedergesetzt, um ihre weitere Ver-vollkommnung zu erforschen. Auch die Pferdezuchtwar, gleich nach Friedrichs Tode, ein Gegenstandvorzüglicher Sorge, und sie gewann sichtbar durchErrichtung neuer Gestüte und Verpflanzung aus-ländischer edler Arten. In Berlin erhielt die Thier-Arznei-Schule ihr Entstehen. In der Mark wur-den zur Holzersparniß Torfgräbereien angelegt. DenMennoniten in Preußen und Lithauen gab man1789 eine besondere kirchliche und bürgerliche Ver-fassung. Ein großes Verdienst erwarb sich der Kö-nig durch Anlegung von Landarmenhäusernin Brandenburg. Auch das Kriegswesen erhieltmancherlei Verbesserungen sowohl in den einzelnenTheilen seiner Organisation, als auch in den Mi-litärbildungs- und Wohlthätigkeits-Anstalten. Da-hin gehörte die Errichtung des Oberkriegs-Eol-legiums, der Ingenieurakademie zu Potsdam,der Artillerieakademie, nach TempelhoffsPlane, zu Berlin, des Kadettencorps zu Kalisch,der chirurgischen Akademie durch The denund Görke, der Invalidenkompaqnien inden Provinzialstädten, einer Offiziers-Wittwen-Kasse, mit der Bestimmung einer jährlichen Pen-sion von 50 bis 500 Thlr.; die Bekanntmachungeines neuen Kanton-Reglements und neuerKriegsartikel ic.; zu Berlin wurden die könig-lichen Pagen mit den Kadetten vereinigt. Mit derVergrößerung des Staates ward auch das stehendeHeer um 3 Regimenter Infanterie, 21 Füsilier-Bataillone, 1 Husaren-Bataillon und 1 Tataren-Pulk 1795 zu Augustowa vermehrt. Der Bau derFestung Graudenz, bereits seit einer Reihe von Jah-ren mit großem Aufwande betrieben, erreichte seineVollendung, und zur Sicherung von Neufahrwasserund Wesel erbauete man dort neue, hier stärkereWerke.
Je sehnlicher die Meisten die erste jener neuenFinanzmaßregeln gewünscht hatten, desto lauter undallgemeiner pries man die königliche Milde. Alleindas königliche Geschenk verlor bald beim Volk anWerth durch die Steuererhöhungen, welche der Aus-fall in den Staatseinkünften nöthig machte, undauf andere, minder entbehrliche Gegenstande, alsTaback, Zucker und Kaffee, gelegt wurden. Da-her erhob sich denn auch gleich anfangs eine gewich-tige Stimme, welche die Vorzüge der alten Ver-waltung gegen die Mängel der neuen geltend machte,und nicht geringes Aussehen erregte. Die Ralhge-ber des Königs, welche sich dadurch in dessen unddes Volkes Augen kompromittirt sahen, waren deß-halb darüber ergrimmt, sprachen sogleich von Auf-wiegelung und setzten sogar einen Preis auf dieEntdeckung des Verfassers. Zu ihrer nicht gerin-gen Verwunderung und Beschämung nannte sichder Erzieher des Königs, der allverehrte Graf Borke,demselben als Verfasser, und sein Bekenntniß warseine Lossprechung. Es blieb indessen bei dem kö-niglichen Beschlusse, für welchen auch die Förderungder Sittlichkeit durch Unterdrückung des mannichfal-tigen Betruges, des heillosen Schleichhandels undanderer Schlechtigkeiten sprach. Dieß war aber auch deß-halb einer der geringsten Mißgriffe, welche die neue Re-gierung gegen den Geist Fried richs that; es folg-ten bald ganz andre, welche den durch denselben ge-machten Fortschritten geradezu entgegen und all-gemein beunruhigend waren. So wurde zuerst, un-
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ter des Staatsministers von Wöllner Einflüsse,die bisherige Preßfreiheit beschränkt, das helleLicht der evangelischen Wahrheit durch das soge-nannte Religionsedikt (9. Juli 1788), die nie-dergesetzte Eraminationstommission (14. Mai
1791) und den neuen Katechismus (Juli 1792)verdunkelt, Frömmelei und Mysticismus an dieStelle einer freien Gottesverehrung im Geist undin der Wahrheit gesetzt, die Denkfreiheit unter-drückt und in Hinsicht der Finanzen nicht nur derreiche Schatz Friedrichs in wenigen Jahren (bis
1792) geleert, sondern auch noch, der fremdenHilfsgelder ungeachtet, das Land mit einer Schul-denlast von 28 Millionen Thlr. beschwert und zurAbhilfe der Finanznoth, schon nach IN Jahren,die Erneuerung des Tabacksmonopols, zumgroßen Schaden der Kaufleute und gegen des Kö-nigs Versprechen, 179? beschlossen und ausgeführt,während die Steuererhöhungen, als Folgen jenerAufhebung, auch beibehalten und noch andre Finanz-maßregeln ergriffen wurden. Alle Kaufleute, welchesich seitdem des freigegebenen Tabackhandels bemäch-tigt, Fabriken angelegt und Vorräthe aufgehäufthatten, erhoben dagegen gerechte Klagen, aber ver-gebens; man achtete ihrer nicht und nöthigte sie so-gar, ihre Waaren, um einen bestimmten Preis, indie königlichen Magazine abzuliefern.
(Beschluß folgt.)
August Hermann Francke,
Stifter des hallischen Waisenhauses.(Beschluß.)
Im Jahre 1698 wurde der Grundstein zu al-len den Gebäuden gelegt, die unter dem gemein-schaftlichen Namen des Waisenhauses (oder der fra ti-ck i sehen Stiftungen) bekannt sind, und die jetztgewissermaßen eine eigene kleine Stadt bilden. (DieBeschreibung derselben s. Bor. Bd. II. S. 155. f.)Fast schienen die Besorgnisse seiner Freunde in Er-füllung gehen zu wollen: denn mehr als einmalwährend des Baues erfuhr Francke den äußerstenMangel, da zur Bestreitung der bedeutenden Kostengar kein bestimmter Fonds vorhanden war und Al-les nur vom Einlaufen zufälliger Unterstützungen er-wartet werden mußte. Doch das Gottvertrauen desfrommen Mannes wurde nicht zu Schanden; von al-len Seiten her wurden ihm beträchtliche Geldsummenzugesendet, und in der That wunderbar sind dieErfahrungen der göttlichen Hilfe, die er oft geradedann, wenn kein Pfennig mehr in seinen Händenwar, gemacht hat. Nur ein Beispiel von denvielen! —
An einem Sonnabende kehrte Francke von ei-nem Spaziergange zurück, auf welchem er sich durchBetrachtung der Werke Gottes und durch Gebet imGlauben gestärkt hatte. Da trat der Aufseher, wel-chem die Löhnung der Arbeitsleute oblag, mit derFrage zu ihm, ob Geld angekommen wäre. —„Nein," erwiederte Francke, „aber ich habeGlauben an Gott." — In diesem Augenblickeließ sich ein Student bei ihm melden, um ihm39 Thlr. von einem ungenannten Wohlthäter zu über-reichen. Gerade soviel betrug die Summe, die zurBezahlung der Leute erforderlich war. — Der Kur-