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bessere Richtung zu geben. Nur zu den jährlichenMusterungen der Truppen, so wie 1769 zur Zu»sammenkunft mit dem Kaiser Joseph II. in Neiße,nahm ihn der König mit, und ließ ihn auch sonstnicht unbewacht und ««berathen. Aber dieses Al-les vermochte jetzt nicht mehr, jene überwiegende Sinn-lichkeit zu unterdrücken. Allgemeines Aufsehen er-regte zu jener Zeit seine Zuneigung zur nachmali-gen Gräfinn Lichte «au.— So blieb denn auchder Kronprinz von dem näheren Umgange Friedrichsund den Staatsgeschäften bis zu dessen Tode aus-geschlossen und seine beiden ältesten Prinzen wurden,fern von ihm, unter den Augen des Großvatersund ihrer Mutter erzogen.
Nock gab der baierische Erbfolgekrieg (1778 bis1779) dem Kronprinzen Gelegenheit, Muth und Ge-schicklichkeit im Felde zu beweisen, und er zeichnetesich nicht nur bei verschiedenen Vorfällen aus, son-dern rechtfertigte auch das Vertrauen des Königs,welcher ihm beim schwierigen Rückzüge aus Böh-men, im Herbste 1778, die Führung eines Heerhau-fens übertrug, in einem solchen Grade, daß er mitdemselben, wiewohl stets vom stärkeren Feinde be-unruhigt, ohne Verlust beim Heere anlangte, undFriedrich, darüber höchst erfreut, ihn mit denWorten umarmte: „Sie sind nun nicht mehr meinNeffe, sondern mein Sohn; Sie haben Alles ge-than, was ich an ihrer Stelle würde gethan haben."Unstreitig hoffte der König jetzt, daß mit seinemNeffen, wie er sich selbst einst ganz verwandelt,wie der Kaiser Titus sich auf dem Throne gebes-sert und seine Iugendverirrungen durch seine Re-gententugenden habe vergessen lassen, wenn er künf-tig zur Regierung käme, ein Gleiches geschehen würde.—Zwei Jahre nach jenem Kriege schickte er ihn, inBegleitung des Grafen Görtz, nach Petersburg andie Kaiserinn Katharina, und er nahm diese ebenso sehr, als den Großfürsten Paul, durch seineLiebenswürdigkeit ein.
Als sein großer Oheim 1786 immer bedenkli-cher erkrankte, hielt sich Friedrich Wilhelm aufseinem Weinberge bei Potsdam auf, und kam am 17.Aug. Nachmittags, auf die Nachricht von dessenTode, nach Sanssouci, wo er, beim Anblickeder sterblichen Ueberreste Friedrichs, eine innigeRührung, und bei dem Leichenbegängniß eben sohohe Achtung für den Verewigten, als Gefühl fürWürde bewies. So waren auch seine ersten Re-genten-Handlungen von guter Vorbedeutung: dempatriotischen Herzberg hing er, gleich nach sei-ner Rückkehr aus dem Sterbezimmer, den Ordendes schwarzen Adlers mit eigner Hand um, vertrauteihm bald darauf die Aufsicht über die Akademie,erhob ihn auch in den Grafenstand und fuhr in sei-ner Begleitung zur Huldigung nach Preußen undSchlesien, während er ihm die Annahme derselbenin Pommern und der Neumark, so wie die fernereLeitung der auswärtigen Geschäfte übertrug. Seinerster Befehl an das Kammergericht, auch den Pro-vinzial-Ständen den Entwurf des neuen Gesetzbu-ches vorzulegen und ihre Bemerkungen nicht unbe-nutzt zu lassen, war Friedrichs nicht unwerth.Dem damaligen Kommandanten des ersten Garde-Bataillons gab er die Versicherung: „Es soll Allesbeim Alten bleiben; nur will ich mich der Erzie-hung der Soldaten-Kinder mehr angelegen sein las-sen." — So zeigte sich anfangs keine Spur von
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Neuerungssucht, oder, was bei neuen Fürsten leiderso oft vorkommt, eine auffallende Abweichung vondes Vorgängers Handlungsweise. Alles verkündeteWohlwollen und eine landesväterliche Regierung.Mit verschwenderischer Hand ertheilte der neue Kö-nig, bei der Huldigungsfeier, Auszeichnungen undWürden; gab in Westpreußen, bei dessen Besitznahmeentrissene Starosteien oder andre Güter den Bethei-ligten zurück, oder an deren Stelle angemesseneEntschädigungen. Seinem Lehrer Beguelin kaufteer ein Landgut für 25,060 Thlr., und kündigte esihm mit folgenden Zeilen an: „Ich möchte gernIhnen so ganz zeigen, wie werth Sie mir sind,und Ihnen Beweise von dem geben, was ich Ih-nen als Schüler versprochen habe. Leider erfüllenLetztere sehr selten ihre Versprechungen, die sie denLehrern thun. Dieß sollte aber nicht sein; denndas Amt eines rechtschaffnen Lehrers ist voller Ver-druß und Mühe. Ich habe für Sie das Gut ge-kauft. Sie haben dadurch einen Zufluchtsort, wennIhnen das Städtische nicht mehr behagt." ... Auchward im Laufe des Jahres 1786 noch Manchesvorbereitet, was im folgenden zur großen Freudedes Volkes zur Ausführung kam.
Friebrich Wilhelm II. fand bei seiner Thron-besteigung einen Staat von ungefähr 3600 Geviert-meilen, mit einer Bevölkerung von beinahe 6 Mil-lionen und 22 Millionen Thlr. jährlicher Einkünfte, ei-nen Staatsschatz von mindestens 72 Millionen Thlr.und eine Armee von 200,000 Mann. AllgemeinerFriede herrschte durch ganz Europa, und der neue Königkonnte daher seine ganze Aufmerksamkeit zunächstseinem Staate zuwenden. Es geschah daher auchmanches Gute: die drückende Finanzeinrichtung hörteauf, namentlich ward die Entfernung der Franzo-sen bei der Regie, die Aufhebung der General-Tabacks-Administration, des Zuckermono-pols, der Kaffee-Brennerei bewerkstelligt, einebesondere Behörde für die Verwaltung der Zölle unddie Aufsicht über Gewerbe und Handel, das Ober-schul-Eollegium, unter dem Freiherr« von Zed-litz, für die bessere Organisation des gesammtenUnterrichtswesens errichtet, der Verein der bilden-den Künste, durch seinen Vorsteher, den Freiherrnvon Heinitz, seinem Ziele der allgemeinen Verbrei-tung des guten Geschmacks näher gebracht, einePflanzschule für junge Manner, die sich demgelehrten Unterricht widmen, durch Gedicke gegrün-det, Handel und Gewerbfleiß aufgemuntert und be-fördert, ein neuer Kanal zwischen der Havel unddem ruppiner See angelegt, die Immediat-Sei-denbau-Kommission, unter Herzbergs Direk-tion, eingesetzt, für Westpreußen ein Kreditsystemmit einem Fonds von 200,000 Thlr. zu Standegebracht, der Straßenbau überall, wo es nöthigwar, mit Sorgfalt betrieben, namentlich in Bran-denburg, Schlesien, Westfalen, und besonders inden polnischen Besitzungen; die vorher verpachteteLotterie zum Beßten der Invaliden, Wittwen, Wai-sen, Schulen und Armenhäuser verwaltet; das all-gemeine Landrecht 1791 bekannt gemacht, undseit dem I. Juni 1794 eingeführt; die Akademieder Wissenschaften mit deutschen Mitgliedern be-setzt u. Es wurden überall durch des Königs Freige-bigkeit bedeutende Summen auf die Pflege desBodens, Anlegung von Kunststraßen, und Unter-stützung der Handwerker und Gewerbe verwendet