Muteum lür preulzilche Vaterlandskunde.
Band m
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Lief. R5.
Friedrich Wilhelm II.,
König von Preußen.
Gewiß war es schon an sich eine schwere Aus-gabe, ein würdiger Nachfolger des großen, gefeier-ten Friedrich zu sein, und in seinem Geiste zu re-gieren; denn er übersah Alles und leitete Allesselbst, weil er äußerst arbeitsam war, sogar noch in derletzten Zeit seines Lebens, wo schon Altersschwächeseinen Körper drückte, und befolgte stets, wiewohlei ein unumschränkter Monarch war, die Grundsätzeeines weisen und wohlwollenden Regenten, indemer mehrmals erklärte: er sei nur der ersteDiener des Staats, und sehe die Kroneals ein Amt, nicht als eine Pfründe an. —„Deßhalb," fügte er hinzu, „nehme ich auch vonden Einkünften des Landes nicht mehr,als ich verdiene, und genieße nur alsKönig einen Gehalt." — Aber noch vielschwerer war es, dem preußischen Staate seinen frü-heren Ruf und sein politisches Ansehen zu erhalten,da bald nachher die politische Lage der Staaten soschwierig, so verwickelt ward, und eine neue Ord-nung der Dinge im Staatsleben und Kriegswesenihren Anfang nahm. Mehr als jemals war esnöthig, ein weiser und thätiger Selbstherrscher zusein und das verderbliche Beispiel des französischenHofes zu vermeiden, wo die Könige, ohne alleSelbstbeherrschung, nur ihrem Hange zur Sinnlich-keit folgend, sich und die Regierung Günstlingenüberließen und selbst vom weiblichen Einflüsse nichtfrei blieben.
Friedrich Wilhelm II. war der Sohn desPrinzen Wilhelm August von Preußen undder Prinzessinn Luise Amaliavon Vraunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel, geboren zu Berlin den 25.Sept. 1744, also zu Anfange des zweiten schlesischenKrieges. Als derselbe der ersten Wartung und Pflegeentwachsen war, trug man alle Sorgfalt, seinenKörper und Geist zweckmäßig zu bilden. Der edleOberst Graf Borke und der treffliche Professor Be-guelin, Mitglied der Akademie, wurden die Füh-rer seiner Jugend. Der Letztere suchte eben so sehrdurch schöne Eharakterzüge des königlichen ZöglingsHerz zu veredeln, als dessen Geist mit mannichfal-tigen Kenntnissen zu bereichern. Zum Behufe dergeistigen Anregung hatte Beguelin die Wändeseines Zimmers mit Kupfern und Schriften austa-pezirt, welche auf geographische, historische, genea-logische und mechanische Gegenstände, so wie aufdie Civil- und Militär-Baukunst Bezug hatten.Und der Prinz, welcher mit guten Naturanlagenausgestattet war, zeigte sich gelehrig, lernte mehreSprachen, und erwarb sich manche andre nützlicheKenntnisse und Fertigkeiten; selbst im Lateinischenmachte er solche Fortschritte, daß er schon vor sei-nem 14. Jahre Virgils Aeneide lesen konnte, und
zur großen Freude seines Lehrers Beguelin demv. Krünitz aus Frankfurt a. d. O., während ersich zugleich mit französischen Offizieren unterhielt,folgende Stelle aus der Aeneide (I. XII. 439 f.)
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den 16. Mai 1758 in's Stammbuch schrieb. —Auch die Musik liebte der Prinz, und brachte esauf dem Sckello so weit, daß er in Konzerten sei-ner kleinen Kapelle mitspielen konnte. — In derReligion gab ihm der ehrwürdige Hofprediger SackUnterricht, und dieser war so beschaffen, daß er,ohne alle Menschensatzungen und Kirchenmeinungen,nur das reine Wort Gottes enthielt, und den Geisteben so sehr erleuchtete, als das Herz erwärmte.In seinem ganzen Wesen äußerte der Prinz ein sanftes,wohlwollendes und dankbares Gemüth. Indessenwollte man doch schon früh eine gewisse Scheu vorernster Anstrengung und einen starken Hang zumAngenehmen und Sinnlichen an ihm bemerken. —Gewöhnlich speiste der Prinz mit seinem Hofmei-ster allein, oder mit einigen jungen Personen vonStande, auf seinem Zimmer; doch erschien er täglichauf dem Schlossein der königlichen Familie, mit wel-cher er 1757 nach Magdeburg ging und daselbst3 Jahre blieb. Nachdem sein Vater, der ältesteBruder und bestimmte Nachfolger Friedrichs, am12. Juni 1758 zu Oranienburg in der Blütheder Jahre gestorben war, ernannte ihn sein Oheim,am 11. Dez. desselben Jahres, zum Prinzen vonPreußen oder künftigen Thronerben, und wies ihndamit auf seine hohe Bestimmung für die Zukunfthin. Den 28. Jan. 1762 ward er, vor seinerAbreise zur Armee, von seinem bisherigen Reli-gionslehrer feierlich konfirmirt. — Seinem natürli-chen Hange zufolge gab sich der Prinz, von einemstarken und kraftvollen Körper getrieben und vonleichtfertigen Jugendfreunden verleitet, heimlich baldeiner Lebensweise hin, welche ihn, sobald sie ruch-bar ward, aus der Nähe seines Oheims entfernte.Zwar vermählte ihn dieser, am 14. Juli 1765,mit der Prinzessinn Elisabeth, Tochter des Her-zogs Karl von Braunschweig-Lüneburg, aber nichtmit Glück, da die Prinzessinn, launenhaft und un-fügsam, wie sie war, den Prinzen eher abstieß, alsanzog. Ob sie daher gleich am 7. Mai 1767 Mut-ter der Prinzessinn Friederike ward, hielt es derKönig, unter diesen Umständen, dennoch für rath-sam, diese Ehe schon 1769 wieder zu trennen undeine neue zu stiften. Er verband den Neffen aneben dem Tage, an welchem er vor 4 Jahren seineerste Hochzeit gefeiert hatte, mit der Prinzessinn Frie-derike Luise, Tochter des Landgrafen Ludwig IX.von Hessen-Dcirmstadt. Zu den Regierungsgeschäf-ten ward der Prinz auch jetzt noch nicht gezogen,so nöthig es auch gewesen wäre, demselben durcheine bestimmte und anstrengende Thätigkeit eine
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