Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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ren General und unterhielt sich lange mit ihm sehrliebreich, worauf er gerührt von ihm Abschied nahm.Der geniale Chodowiecki hat diese schöne Scene durcheinen vortrefflichen Kupferstick dargestellt. Nur we-nige Monate später, den 27. Januar 1786, entschliefder Held, und wurde nach eigenem Wunsche, ohne allesGepränge, in der Familiengruft zu Wustrau beigesetzt.Zielen war ein Mann von feinem Glieder-bau, klein und schwächlich; sein Gesicht konnte nichtschön genannt werden, aber der Ausdruck seines gro-ßen, blauen Auges gab ihm viel Anmuth, welche nochdurch eine feine Grazie in allen Bewegungen erhöhtwurde, die sich auch in Sprache und Mienen äußerte,und seinem Umgange einen eigenen Zauber verlieh.Er war sparsam in Worten, sagte aber mit wenigenviel, und sprach nie anders, als er dachte oder em-pfand. Im Anzüge liebte er die größte Sauber-keit, und selbst im höchsten Alter sah man ihn, vomMorgen bis zum Abend, in seiner Uniform. We-gen fortwährender Kränklichkeit, die jedoch auf Zie-lens Thätigkeit fast nie einen Einfluß übte, warseine Lebensweise sehr einfach: geistige Getränke ka-men nicht über seine Zunge, und er würde jedemmodernen Mäßigkeitsvereine zur Zierde gedient ha-ben. Gleichwohl sah er es gern, wenn seine Gästean der stets leichbesetzten Tafel sich gütlich thatenund der Flasche steißig zusprachen. Die Tugend deruneigennützigsten Wohlthätigkeit übte Zielen imhöchsten Grade, zum großen Vortheile seiner Husa-ren und Bauern, aber zum Nachtheile seiner Kasse,in welcher oft eine bedenkliche Ebbe eintrat; dennzu den großartigen Bauten in Wustrau mußte dasGeld geliehen werden, und ohne ein Geschenk von10,0(10 Thalern, welches der König der Wittwe Zie-lens machte, würde diese vielleicht in große Verle-genheit gekommen sein. Im Dienste war GeneralvonZieten, wie schon gesagt, ernst und streng. Da er ansich selbst die größten Forderungen machte, verlangteer auch von seinen Untergebenen die unermüdlichsteThätigkeit; doch gönnte er ihnen in den Tagen derRuhe gern jede Erleichterung im Dienste, sorgte vä-terlich für ihre Bedürfnisse und war die Freundlich-keit selbst. Das Verdienst ehrte er ohne Rücksichtauf Stand und Rang. So hatte er im ?jährigenKriege unter seinen Husaren Kurzhagen, den bra-ven Sohn eines schlichten märkischen Landmannes,bis zum Rittmeister befördert. Dieser nahm nachdem Kriege seine alterschwachen Aeltern zu sich undließ dieselben, auch wenn er Gäste hatte, an seinerTafel mit sitzen. Darüber äußerten sich Einige heim-lich beleidigend für den Rittmeister. Dieß kam zu denOhren des alten Generals.Dem will ich bald ein Endemachen!" sprach er und eilte zu seinem lieben Kurz-hagen, der auf seinen Wunsch alle Offiziere derGarnison und einige andre vornehme Leute einla-den mußte.Warum sind Ihre alten Aeltern nichtan der Tafel i" fragte er den Wirth, als es zurTafel ging.Ich will nicht hoffen, daß sie mei-netwegen fehlen, lieber Rittmeister. Wo der Sohn undseine Gaste sind, da dürfen vor allen die Aeltern nichtfehlen." Darauf ging der General selbst zu demwürdigen Ehepaare, holte es und setzte sick in seineMitte. Er unterhielt sich angelegentlich mit den al-ten Leuten, ließ sich dieß und jenes aus ihrem Le-ben erzählen, und erzählte ihnen wiederum einigeGlanzpunkte aus dem Kriegsleben ihres Sohnes.Gegen das Ende der Tafel stand er aus, nahm das

gefüllte Glas und sprach:Meine Herren, auf dasWohl der braven Aeltern eines braven und ehren-werthen Sohnes!" Dann ergriff er die Händedes guten Ehepaares, das bis zu Thränen gerührtwar, drückte sie herzlich, und unterhielt sich mit dem-selben auf das Freundlichste bis zur Aufhebung derTafel. Dieses herablassende Benehmen Zielensthat die gehoffie Wirkung. Später fand der Ge-neral Gelegenheit, dem Könige von des Rittmeisterskindlicher Liebe zu erzählen, und dieser freute sich sehrdarüber. Als Kurzhagen einst nach Berlin kam,wurde er zur königlichen Tafel gezogen.Hör' er,Rittmeister," fragte der König, um seine Gesinnungzu erforschen, aus welchem Hause stammt er denneigentlich? Wer sind seine Aeltern?"Ew. Ma-jestät," antwortete Kurzhagen ohne Verlegenheit,ich stamme aus einer Bauernhütte, und meine Ael-tern sind Bauersleute, mit denen ich das Glücktheile, welches ich Ew. Majestät verdanke,"-Soist's recht", sagte der König erfreut;wer seine Ael-tern achtet, der ist ein ehrenwerther Mann; wersie geringschätzt, verdient nicht geboren zu sein."Aber bei aller Humanität der Gesinnung leuchteteaus Zielens Betragen ein edler Stolz hervor, undnie würde er seinem Range etwas vergeben haben,selbst nicht gegen die Ersten des Königreiches. Alser nach dem sieben>ährigen Kriege sein Regimentnach Berlin zurückführte, und dem Prinzen Hein-rich, als ältestem General, sein Eintreffen meldenließ, machte der abgeschickte Offizier aus unbekann-ten Gründen diese Meldung dem Kronprinzen, wel-cher nur den Rang eines Generalmajors hatte. Beidessen Ankunft auf dem Platze, wo das Regiment zumEmpfange des Prinzen Heinrich aufmarschirt war,ließ Zielen, sobald er den Kronprinzen erkannte,den Säbel einstecken, und ritt erst nachher zu demselben,um ihm seine persönliche Ehrerbietung zu bezeigen.Dagegen unterwarf der General sich willig jeder dienst-lichen Formalität, wovon sein Rang ihn allenfallsentbinden konnte. Nach Einführung der General-Inspectionen hielt er es nicht unter seiner Würde,bei der Musterung seines Regiments, den General-Inspecteur an der Spitze desselben zu empfangen, unddie ihm gebührenden Ehren zu erweisen, obgleich dieserein jüngerer General war, setzte jedoch hinzu:dasthue ich nicht Ihretwegen, Herr General, aber Siesind im Namen des Königs hier."

Was Zielen dem Feinde gegenüber leistete, istbereits angedeutet worden, doch hat man seinem Ansüh-rertalent nicht genug Gerechtigkeit widerfahren lassen.Er sorgte auf Märschen und in Lagern für die Sicher-heit der Armeen, verschaffte dem Könige die zuverlässig-sten Nachrichten, beseitigte die wesentlichsten Hinder-nisse und verrichtete viele Dienste, die gegenwärtig demChef des Generalstabes zufallen würden. In derSchlacht führte er die Truppen mit Geschick und Ent-schlossenheit gegen den Feind, war fast immer Sieger,wendete manches Unheil ab, das Andere durch Unvor-sichtigkeit angerichtet hatten, und wurde mehr als ein-mal der Retter der Armee, Friedrich erkannte dieß rechtgut, und wenn er auch Zielen in seinen Schriften nurselten lobt, so hat er ihn noch seltner getadelt. SeineThaten waren weniger glänzend als die des GeneralsSeyd litz, aber im Allgemeinen von durchgreifendererWichtigkeit. Noch ist die große Bescheidenheit zu er-wähnen, mit welcher Zielen von seinen Thaten sprach,was selten geschah; er verschwieg säst immer die Namen

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