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3 (1842)
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der Orte und Personen, um Anderen nicht wehe zu thun,selbst wenn man seinen Ruhm zu verkleinern gesuchthatte, und mit »ollem Rechte kann Zielender Rit-ter ohne Furcht und Tadel" genannt werden,Prinz He i n ri ch ließ ihm 1796 zuRheinsberq ein Denk-mal setzen, undFriedrich Wilhelm II. 1797 durchSchadow zu Berlin ein marmornes Standbild errich-ten. Sein ältester Sohn folgte der Laufbahn des Va-ters nur kurze Zeit, trat als Major in's Privatleben, aber1813 in den Militärdienst zurück, und zeichnete sich imKriege von 1813-1815 gegen die Franzosen rühmlichstaus. Nach dem 2. par. Frieden ward er Befehlshaberdes preuß. Okkupationskontingents in Frankreich, undhatte als solcher sein Hauptquartier in Sedan, Nach sei-ner Rückkehr in's Vaterland ernannte ihn der Königzum Militärgouverneur von Schlesien. Diese Stellevertauschte er, im vorgerückteren Alter, mit dem Land-rathamte zu Wustrau, wo er noch gegenwärtig lebt unddas Andenken an seinen Vater verherrlicht, wiewohl sichdieser dort selbst durch seine Wohlthätigkeit das schönsteDenkmal gesetzt hat.

St. Goar und die Beste Nheinfels.

An einem der schönsten Rheinamphitheater breitetsich, 1 St. unter Oberwesel, wo die Gegend durch hoheFelsenwände ein wild romantisches Ansehen gewinnt, amlinken Ufer St. Goar prächtig aus und über demselbenragen auf machtigen Felsen die ehrwürdigen Ruinen deralten, einst gewalligen Veste Rheinfels empor, wäh-rend gegenüber in dem weiten Becken des Stromes sichdas nassauische St. Goarshausen spiegelt und dar-überauseiner Felsenspitze diealteBurg, Katze genannt,oder das Schloß Katzenelnbogen gleichsam in denLüften hängt. Napoleon ließ es 1806 sprengen, weilseine Pferde, bei der Vorüberfahrt, durch das Begrüßender Kanonen scheu geworden waren. Oberhalb derStadt, zwischen derselben und dem Lurleifelsen (s.Bor. Bd.Il, S.176)als schöneZauberinn Loreleivon El. Brentano besungen macht der Strom eineKrümmung, indem sich seine Ufer zugleich verengen undseine Wellen an eine Gruppe theils hervorstehender, theilsverborgener Klippen anprallen, und bildet einen furcht-baren Strudel, die St. Goarsbank, welche denSchif-fen, vornehmlich den Flößen, oft Verderben brachte.Gleich unter der Bank ist ein Wirbel, das S a n d g e-wirr oder Gewirr genannt, weil der Wirbel häufigeinen Sandregen an das Ufer wirft. Der sonderbareWisperwind ist ein aus dem Wisperthale webenderNcrdost, der westlich bis Riedesheim weht, und denHinabschissendcn eine gute Fahrt andeutet.

St. Goar, einst Hauptort der niedern GrafschaftKatzenelnbogen, jetzt Kreisstadt, mit einem Kreis-amteund Friedensgerichte, im RegierungsbezirkKoblenz,ist ein lebhaftes, freundliches Städtchen, rings vonWeinbergen umgeben, dessen Einwohnerzahl sich auf1600 in ungefähr 200 Häusern beläuft, Ihre Nahrungs-quellen sind Baumwollenspinnerei, Weinbau, Schiff-fabrt, Lachsfang, Gerberei und Handel mit Wein undLeder. Das Städtchen hat 2 Kirchen. Die jetzige evange-lische Kirche, groß und schön, 1464 erbauet, umschließt

die Kapelle des h. G o a r, und enthält mehrere Grabmä-ler hessischer Fürsten, namentlich des Landgrafen Phi-lipp des Großmüthigen und seiner Gemahlinn, sowieeinige schöne Glasmalereien. Die katholische Kirche,aus der I.Hälfte des 15. Jahrh., worin sich das stei-nerne Bildniß des h. Goar befindet, besitzt einige guteGemälde der altdeutschen Schule. St. Goar ist derGeburtsort des ausgezeichneten Staatsmannes und kur-mainzischen Ministers Albini (^ 1816), dessen man-nichfache Verdienste eine biographische Skizze in denZeitgenossen" (Bd. III. St. 2.) würdig schildert.St. Goar, wie St. Goarshausen, verdanktseinen Ursprung dem frommen Einsiedler Goar, wel-cher 575 aus Aquitanien hierher kam und in dieser da-mals noch schauerlichen Wildniß sich eine Hütte bauete,um den armen Fischern das Wort Gottes zu verkün-den und unglücklichen Schiffern Beistand zu leisten.Zu gleicher Zeit übte er auch in vollem Maße diealtdeutsche Gastfreundschaft und erlangte bald denRuf eines Wunderthäteis, so daß ihn der eifersüch-tige Erzbischof Rusticus von Trier in einerSynode zur Verantwortung ziehen wollte, aber durchden frommen Goar nur beschämt wurde. KönigSiegbert I. von Austrasien rief ihn auch deßhalban seinen Hos und ward so sehr von ihm eingenom-men, daß er ihn zum Erzbischof von Trier machenwollte. Allein der fromme Goar zog seine geräusch-lose Zurückgezogenheit vor. Da erreichte er ein ho-hes Alter und beschloß erst 611 sein wohlthätigesLeben. Nach seiner feierlichen Bestattung errichteteman daselbst ein Bethaus, welches hieraus von zahl-reichen Pilgern besucht und reichlich beschenkt wurde.Die Vorsteher desselben hatten auch die Verpflichtungder Gastfreundschaft, und daraus entstand später derscherzhafte Hansbandorden von St. Goar. AmRheinthore war beim Zollhause ein messingenes Hals-band befestigt. Zu demselben führte man jeden Frem-den, welcher zum ersten Male nach St. Goar kam,legte ihm, nachdem er sich aus seiner Begleitung ei-nen Pathen gewählt hatte, das Halsband um den Hals,und fragte ihn hierauf, ob er mit Wasser oder mitWein getauft sein wolle. Wählte er, wie gewöhnlich,das Letztere, so zog man mit ihm, nachdem er eineArmensteuer bezahlt hatte, in den nahen Gasthof zurweißen Lilie", wo er, mit einer messingenen Kronegeschmückt, auf die Gesundheit des Kaisers, des Lan-desherrn und der Ordensgesellschast, aus dem großenHansbecher trinken mußte. Nachdem der Pathe dieGesundheit erwiedert hatte, gab man ihm die Fi-scherei auf dem Lurlei und die Jagd auf derBank zu Leben, und schrieb die Namen unter Tagund Jahr in das Hans- oder Hänsel buch. Werdie Wassertaufe wählte, ward mit einem Eimer Was-ser" überschüttet. Dieser Gebrauch war so üblich ge-worden, daß sich selbst Könige, Fürsten, Grafen, Herrenund Ritter obne Umstände demselben unterwarfen.Am Grabe des h. Goar fanden die Pilger Rettungin jederNoth: Karls des Großen Gemahlinn ge-nas von einer schweren Krankheit; seine beiden SöhnePipin und Karl versöhnten sich daselbst und lie-ßen zum Andenken 'das erwähnte Halsband zurück.(Beschluß folgt.)

Hierzu als Beilagen:

1) Paderborn. 2) Friedrich der Große, während der Schlacht bei Torgau.

3) St. Goar und die Ruinen der Veste Rhein fels.

Verlag von Eduard Pietzsch u, Lomv. in Dresden.

Druck von B, G, Teubner in Dresden,

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