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3 (1842)
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sie bereits verloren gab, und Dann schon Kurieremit der Siegesbotschaft nach Wien abfertigte. Fried-rich selbst war verwundet worden, und brachte dieschaurige Nacht nach der Schlacht, unter sehr trübenGedanken, in der Kirche eines nahen Dorfes zu,wo er sich verbinden ließ und auf der unterstenStufe des Altars, beim Scheine einer düstern Lampe,die Befehle zu einem neuen Angriffe ausfertigte.Gegen Morgen trat Zielen in die Kirche, um demKönige die Siegesnachricht zu bringen. Ehe er aberseinen Bericht anfangen konnte, überhäufte ihnFriee-rich mit Vorwürfen über seinen verspäteten Angriff.Der General schwieg ehrerbietig, bis der König aus-gescholten hatte. Hierauf rechtfertigte er sick und en-dete mit den überraschenden Worten:Ew. Ma-jestät, der Feind ist geschlagen! Er zieht sich zurück."Voll Freuden fiel der König seinem braven Gene-ral um den Hals und einige Minuten konnten Beidevor Rührung kein Wort hervorbringen. Hieraufeilte Zielen wieder zu seinen Soldaten zurück undrief diesen, die Linie hinunter reitend, voll Jubelzu: »Unser König hat die Schlacht gewonnen, undder Feind ist völlig geschlagen. Es lebe unser gro-ßer König!" Als Friedrich im Winter 1761 mitder Armee bei Leipzig in Kantonirung stand, ginger täglich mit dem General Zielen in dem Gartenspazieren, der an seine Wohnung stieß, und unter-hielt sich mit ihm über Krieg und Frieden. ImFrühjahre 1761. ward Zielen den Russen entgegen-gestellt, und hinderte diese an jeder entscheidendenBewegung. Im festen Lager von Bunzelwitz fürch-tete Friedrich fortwahrend einen feindlichen Angriff,und wurde einmal so mißmuthig, daß er gegen Zie-len in laute Klagen ausbrach, Zielen suchte ihnzu trösten; allein Friedrich verlachte seine Hoffnun-gen und fragte ihn scherzend, ob er etwa einen neuenAlliirten bekommen.Nein!"antwortete Zielen, aberder Alte dort oben verläßt uns nicht."Doch der,"fuhr Friedrich fort,thut keine Wunder mehr."Als sich der König später gerettet sah, sagte er zuZielen:Er hat doch Recht gehabt, sein Alliirterhält Wort!" Im Feldzuge 1762 befand sich Zie-len wieder bei der Armee des Königs, und leistetediesem durch Rath und That die wichtigsten Dienste;manche Nacht brachten beide Helden auf hartemStrohlager neben einander liegend zu, und wennFriedrich zuweilen von dem Gedanken überwältigtwurde, daß er seinen zahlreichen Feinden am Endedoch unterliegen müsse, verstand es Niemandbester ihn zu beruhigen, als der alte Zielen,dessen Leben ja selbst eine fast ununterbrocheneReihe der härtesten Prüfungen gewesen war, aus de-nen er dennoch siegreich hervorging.Alle Dingesind möglich," pflegte er dann oft zu sagennurist das Eine schwerer, als das Andere."

Die treuen und wichtigen Dienste, welche derGeneral von Zielen dem Könige und seinem Va-terland« geleistet hatte, blieben nicht unbelohnt; dochwaren es weder neue Orden, noch Titel, die ihmFriedrich verlieh, sondern etwas Höheres: er be-glückte den Helden mit einer wahrhaft zärtlichen, un-wandelbaren Freundschaft, und erwies ihm bei jederGelegenheit die höchsten Auszeichnungen. Auch die Kai-serinn von Rußland und die Königinn von Schwedensendeten ihm ihre reichverzierten Bildnisse, und ba-ten dafür um das seinige, welches bald die Reisedurch ganz Europa machte, und mit mancherlei in-

teressanten Kriegsscenen in Verbindung gebracht wurde.Das Schicksal, welches Zielen lange so grausambehandelt hatte, erkor ihn jetzt zu seinem Liebling,und verschönerte die sechs und zwanzig Jahre, welcheer noch lebte, auf jede Art und Weise. Sobaldder Friede abgeschlossen, die wichtigsten Angelegen-heiten geordnet waren, begab er sich zur Wiederher-stellung seiner Gesundheit nach Karlsbad, wo Feld-marschall Land on und viele andere östreichische Ge-nerale ihm den Aufenthalt so angenehm als möglichzu machen suchten. In seinem 65, Jahre verheirathetesichZieten nochmals mit einem Fräulein von P l a t e n,welche ihm noch 2 Söhne und 2 Töchter gebar, undden Abend seines Lebens vielfach verschönerte. Alsihm der erste Sohn geboren ward, kam der Königvon Potsdam nach Berlin, hob ihn selbst aus derTaufe, und ernannte ihn schon in der Wiege zumEornet; auch erhielt er von seiner Geburt an denGehalt aus der königlichen Chatoulle. Von demPatente machte jedoch der alte Zielen durchauskeinen Gebrauch z er ließ den Knaben sorgfältig er-ziehen, brachte ihn im zwölften Jahre in die könig-liche Militärakademie, und gestattete dessen Aufrückenzum Secondlieutenant nicht eher, als bis er 17 Jahralt war. Ein solches Beispiel von Uneigennützigkeilmöchte zu den Seltenheiten gehören.

Im Uebrigen war und blieb Zielen der Va-ter und Wohlthäter aller seiner Untergebenen, under suchte Jedermann zu beglücken, der in seinerNähe weilte. Die innere Zufriedenheit und fast ju-gendliche Heiterkeit der Seele machte seine Umge-bung eben so glücklich, als er sich selbst fühlte; nurim Dienste war er ernst und streng; auch legte ernie eine gewisse Zurückhaltung gegen Personen ab,zu denen er kein volles Vertrauen fassen konnte.Seine Religiosität war der reinste Erguß des Her-zens, und dem göttlichen Troste allein verdankte er, infrüheren Zeiten, die Erhebung über sein hartes Geschick.

Den Musterungen wohnte Zielen regelmäßigbei, und führte sein Regiment dem Könige noch imhöchsten Alter selbst vor, wobei er die feurigstenPferde ritt und sich als kunstgerechten Reiter zeigte.Nur einmal trübte sich der Himmel seines Seelen-lebens; dieß war beim Ausbruch des bairischen Erb-solgekrieges, welchem beizuwohnen der König ihm,aus Schonung für sein Alter, nicht gestattete. Mitden rührendsten Worten nahm Zielen Abschied vonseinem Regiment, und erlangte erst nach dessen Rück-kehr aus dem eben so kurzen als thatenlosen Feld-zuge seine vorige Heiterkeit wieder. Oft besuchte der76jährige König seinen 86jährigen General; auchdie Prinzen thaten fleißig dasselbe, und an den Cour-tagen ward ihm stets eine herzliche Umarmung desKönigs zum Lobne des nimmer müden Diensteifers,der sich auch in Beobachtung dieser persönlichen Hul-digungen bethätigte. Als der König ihn einst über-sehen hatte, und die Anwesenden schon entlassenwollte, entdeckte er zufällig seinen alten Husarenge-neral, der etwas entfernt gestanden hatte, eilte aufihn zu, erkundigte sich theilnehmend nach seinemBefinden, und alsZieten über Abnahme der Kräfteklagte, mußte ihm schnell ein Lehnstuhl gebracht wer-den. Er weigerte sick anfangs davon Gebrauch zumachen, doch sagte Friedrich wiederholt zu ihm:Setze Er sich nur, alter Vater, sonst gehe ich weg;denn ich will ihm durchaus nicht zur Last fallen."Und so stand der alte König vor seinem noch älte-