Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
93
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Hans Joachim von Zieten,

kdnigl. preußischer General der Cavalerie.(Beschluß.)

Dagegen fand sich Zielen nach beendigter Re-vue im Schlosse ein, wo die ganze Generalität sich,wie gewöhnlich, zu versammeln pflegte, und erschienhier, mitten unter seinen geheimen Feinden, mit soruhiger, weiterer Miene, mit einem so stolzen undfesten Blicke, als sei nichts vorgefallen. Der Kö-nig sah ihn und sprach kein Wort, Zu diesen har-ten Prüfungen gesellten sich auch häusliche Leiden.Im Jahre 1751 starb sein einziger Sohn, undfünf Jahre später verlor er auch die zärtlich geliebteGattinn. Zielen ertrug sein Geschick mit christ-licher Ergebung; doch hatten diese vielen Seelenlei-den seine ohnehin schwächliche Gesundheit so ange-griffen, daß er den Wunsch um Entlassung äußerte.

Kaum war dieß zur Kunde des Königs gekom-men, als dieser plötzlich sein bisheriges Benehmengegen den wackeren Zielen mit anderen Augen be-trachtete, und ihm nun größere Aufmerksamkeitschenkte. Es mochte ihm ein Leichtes dünken, dengekränkten General zu versöhnen, ohne sich selbstdabei eine Blöse zu geben; aber darin hatteer sich geirrt, und je öfter Friedlich sich nach demBefinden des Kranken erkundigen ließ, desto mehrsprach dieser den Wunsch aus, aller Dienste ent-bunden zu werden. Der Krieg war seinem Aus-drucke nahe, und der König wollte einen so treuen, er-probten General nicht von sich lassen; er sendete deß-halb den General von Winterfeld zu Zielen,und als dieser nicht glücklicher in seinen Bemüh-ungen war, ging der König selbst zu ihm. AberZielen war nickt der Mann, durch eine blose Ar-tigkeit sich in seinem Vorsatze wankend machenzu lassen, und äußerte ganz unverhohlen, daß dieKräfte zu sehr erschlafft wären. Endlich sagte Fried-rich:ein so treuer General kann unmöglich seinenKönig und sein Vaterland beim nahen Ausbruche einesKrieges verlassen, und Beide haben auf ihn, alsden redlichsten Patrioten, ihr ganzes Vertrauen ge-setzt!" Diese Worte wirkten: überwältigt sank Zie-len zu des Königs Füßen und schwur ihm ewigeTreue. Nach einigen kurzen Erklärungen über diefrüheren Mißverhältnisse, durch welche der Generalgerechtfertigt erschien, schloß ihn der König gerübrtin seine Arme, und wenige Tage darauf, den 12.August 1756, erhielt er das Patent als General-lieutenant.

Mit jugendlicher Munterkeit rüstete sich Zie-len zum Kriege, und vergaß darüber alle körperlicheLeiden. Was er in diesem denkwürdigen Kampfeleistete, widerlegte auf die glänzendste Weise alledie Beschuldigungen und Behauptungen seiner gebei-men Gegner, und ist mit Flammenzügen auf denTafeln der Geschichte zu lesen, weßhalb einige kurzeAndeutungen hier genügen. In dem kurzen Feld-zuge 1756 befehligte Zielen die Avantgarde des Her-zogs Ferdinand von Braunschweig, und rückteüber Halle und Freiberg vor, deckte auch später dieWinterquartiere in Sachsen. Bei dem Einfalle desKönigs in Böhmen 175? wurde ihm die Führungder vereinigten Avantgarde der beiden Corps anver-traut, welche auf dem linken Eibufer gegen Pragvorgingen. Er verfuhr hier mit so großer Umsicht,

daß der Feind nirgends Stand hielt, und wurde deß-halb, noch vor der Schlacht bei Prag, mit dem Or-den des schwarzen Adlers belohnt. In dieser Schlachtüberwältigte er die feindliche Cavalerie des rechtenFlügels in einem Augenblicke, wo der Tod des Feld-marschalls Schwerin den Ausgang des mörderischenKampfes sehr zweifelhaft machte, und entschied da-durch den Sieg. Später mit dem Herzoge von Be-uern zur Beobachtung des Feldmarschalls Dann ent-sendet, theilte Zielen dem Könige zuverlässige Nach-richten über dessen Stärke mit, die aber keinen Glau-ben fanden, was zur Folge hatte, daß Friedrich ihmnicht genug Truppen entgegenführte. In der Schlachtbei Kollin war dem General von Zielen eine sehrglänzende Rolle zugedacht; er sollte nämlich mit 100Schwadronen den östreichischen rechten Flügel angrei-fen und aus dem Felde schlagen; dann aber sich ge-gen die Mitte wenden. Terrainhindernisse, Miß-verständnisse und Unfälle aller Art machten aberalle Bemühungen der Preußen in dieser blutigenSchlacht fruchtlos; Zielen erhielt in derselben eineSchußwunde und mußte sich schon früher zurück-bringen lassen, weßhalb die Sachen noch schlechterabliefen. In der Schlacht bei Breslau befehligte erden linken Flügel der Armee des Herzogs von Be-vern, und behauptete seine Stellung gegen alle An-griffe. Der Entmuthigung des Herzogs, der balddarauf in Gefangenschaft gerieih, und der Planlo-sigkeit der andern Generale arbeitete Zielen kräftigentgegen, ließ hier einmal alle Subordinationsver-hältnisse unbeachtet, und verfuhr ganz so, als sei er selbstder Oberbefehlshaber, wozu ihn der König bald auchwirklich ernannte. Nachdem er diesem die Trüm-mer der bevernschen Armee bei Parchwitz zugeführthatte, half er den Sieg bei Leuthen erringen, undverfolgte die geschlagenen Oestreicher mit solchemNachdrucke, daß der Herzog Karl von Lothringensich mit ungeheurem Verlust nach Böhmen zurück-ziehen mußte. Im Feldzuge 1758 folgte Zielendem Könige zur Belagerung von Olmütz; er solltedie Ankunft eines großen Wagcnzuges sichern, konnteihn aber nicht retten und kam dabei selbst in nichtgeringe Gefahr. Dieß war sein erster Unfall; dochdeckte er später den Rückzug des Königs, unter sehrschwierigen Umständen, mit Geschick und Glück. Ander Schlacht bei Zorndorf nahm Zielen nicht Theil;er stand damals unter Befehl des Markgrafen Karl,in Schlesien, dem General Laudon gegenüber, undsetzte dessen verderblichen Streifereien ein Ziel. DerUeberfall bei Hochkirch würde vermuthlich nicht ge-schehen sein, hätte der König Zielens Berichtenmehr Gehör gegeben und dessen Rathschläge besserbeachtet; er war nächst Sey blitz zuerst auf demPlatze und verhinderte wenigstens größeres Unheil.Den Feldzug 1759 machte General Zielen unterBefehl des Prinzen Heinrich, deckte das Landzwischen der Elbe und Oder gegen die Unternehmun-gen der Oestreicher, und befehligte spater die Trup-pen, welche zur Deckung der Winterquartiere desKönigs zwischen Meißen, Dresden und Freiberg be-stimmtwaren; er löste diese Aufgabe meisterhaft. Glän-zendere Thaten warteten seiner 1760. Als unzer-trennlicher Waffengefährte des Königs hatte er denrühmlichsten Antheil an dem Siege bei Liegnitz, nachwelchem er zum General der Cavalerie ernanntwurde. Die Schlacht bei Torgau aber wurde vonihm in dem Augenblicke gewonnen, als der König