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3 (1842)
Entstehung
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Gegners zu spielen, ging durch die Grafschaft Glatz,nahm Nachod und die dortigen feindlichen Maga-zine in Besitz, und stand plötzlich dem Kaiser, un-weit Königinngräz, wo dieser ein Lager geschlagen,gegenüber. Krankheiten, welche während der fruchtlosgeführten Unterhandlungen in dem Heere ausbrachen,nöthigten indeß den König zu einem Rückzüge durchdie Gebirge, der jedoch glücklich und ohne Verlustbewerkstelligt wurde. Das folgende Jahr ward, durchVermittelung Frankreichs und Rußlands, ein Friedegeschloffen, in welchem der von Oestreich mit demKurfürsten von der Pfalz gemachte Vertrag fürnichtig erklärt ward, und das Erstere dafür denburghauser Kreis als Entschädigung erhielt. DieScheu Kaiser Josephs vor dem KriegsruhmeFriedrichs, so wie die Sorge des Letztern, denselbenin seinem Alter nicht noch einmal auf's Spiel zusetzen, hatte den Frieden so schnell herbeigeführt.

Obwohl jetzt das Alter des Königs bereits weitvorgerückt war, hatte sich seine Thätigkeit in Regie-rungsangelegenheiten nicht gemindert. Nicht nur,daß er seine gewöhnlichen Reisen, um die verschie-denen Armeecorps zu besichtigen, bis zu dem Jahre,das seinem Tode voranging, nicht aussetzte, sonderner eilte selbst nach jenen Punkten seines Landes, diedurch irgend ein Naturereigniß gelitten hatten,um die Größe des Schadens zu untersuchen, unddie Unterstützung derer, die dabei gelitten hatten,abzumessen. So z. V. reiste er nach den Gegendendes Oderbruches, die durch eine Ueberschwemmungbeschädigt worden, und machte, als er zurückkehrte,den Ministern Vorwürfe, da er glaubte, daß mandie Verheerungen als zu bedeutend geschildert habe.In seinem höheren Alter war er gegen die Staats-beamten im Allgemeinen etwas mißtrauischer, alsin früheren Zeiten. Viel davon möchte auch ausRechnung erfahrener Täuschungen und des Undanks,mit dem seine Wohlthaten oft belohnt wurden, zusetzen sein. Dieß erklärt auch, weßhalb er in derSache des Müllers Arnold bei Pommerzig, dieihm aus einem falschen Gesichtspunkte dargestellt wor-den, und wo er glaubte, daß ein Armer zu Gunsteneines Höheren ungerecht behandelt worden sei, denGroßkanzler von Fürst, und den Präsidenten derneumärkschen Regierung, Grafen Finkenstein, sowie einige unschuldige Räthe kassicte, und ein Jahrauf die Festung sendete. Seinem Nachfolger wares vorbehalten, das Unrecht wieder gut zu machen.

In dem Jahre 1785 der König war nun73 Jahr alt sing Friedrich an, bedeutend zukränkeln. Heftige Anfälle von Podagra stellten sichein. So krank indeß sein Körper war, so frei bliebsein Geist. Er war unermüdet in seinen Arbeitenund Geschäften. Im Juni des folgenden Jahresvermehrten sich die Krankheitszufälle dergestalt, daßsie sein Leben bedrohten. Der König ließ sich oftin'sSreie, vorzüglich auf Punkte bringen, wohindie Sonne ihre Strahlen warf.Dieß ist," pflegteer dann zu sagen,die einzige Freundinn, die mirnoch zulächelt!" Gerührt sah er dann in ihr wohl-thätiges Licht, und rief einst aus:Bald werdeich Dir näher kommen!" Am 17. August frühum 2 Uhr unterlag Friedrich seiner Krankheit;der Minister von Herzberg drückte ihm die Au-gen zu. Schon 1744 hatte sich Friedrich inSanssouci vor dem Fenster seines Studierzimmerseine Gruft bauen lassen, wo er ruhen wollte, allein

sein Nachfolger hielt es für angemessener, ihn inder Garnisonkirche zu Potsdam, zur Seite seinesVaters, beisetzen zu lassen, was am 9. Sept. mitgroßer Feierlichkeit geschah.

Wir fügen noch einige Worte über die Per-sönlichkeit des großen Königs, dessen Preußen aufewig eingedenk sein wird, da es ihm vorzüglich sei-nen Ruhm und seine Wohlfahrt verdankt, hinzu.

Die Gestalt des Königs war unter Mittelgröße,seine Bewegungen und Sprachweise schnell, fast hastig.Sein Haar war in der Jugend hellbraun, seineZüge regelmäßig, sein Auge groß, blau und strah-lend. Richtete er es mit Aufmerksamkeit auf Je-mand, der ihm zum ersten Male zu Gesicht kam,so schien er ihm auf den Grund der Seele blickenzu wollen; war er zornig, so hatte der Blick desblauen Auges etwas, das den Schuldigen erbebenmachte. Die Kleidung des Königs war höchst ein-fach, oft nachlassig, wovon seine abgeschabten Uni-formen ein Zeugniß gaben. Er ritt gern raschbesonders in jüngeren Jahren aber seine Pferdemußten wohl dressirt sein, da er sie oft mit demKrückenstock, den er fast immer in der Hand hatte,zu strafen pflegte. In seinen jüngern Jahren pflegte eroft ein Paar Stunden hinter einander sich mit Flöten-blasen zu unterhalten, wobei er aus einem Zimmer in'sandere ging, da er viele Musikstücke auswendigwußte. Er blies übrigens die Flöte sehr gut, undkomponirte mehrere hundert Solos für dieselbe; fastalle sind Aoagios. Sehr häusig pflegte er, wenner allein war, laut aus einem Buche zu lesen. BeiTafel war er fast stets aufgeräumt und scherzhast.Er sprach bei Tische blos französisch. Wer dieserSprache unkundig war, mußte sich mit Zuhören be-gnügen. Gab einer der Gäste Anlaß zu Scherzoder Spott, so benutzte der König gern die Gele-genheit, seiner Neigung sür beide freien Lauf zulassen; manchmal waren selbst die Einladungen derGaste hiernach berechnet. War Witz in beißendenRepliken, so vertrug er sie, auch wenn sie gegen ihnselbst gerichtet waren; nur ging er dann gewöhn-lich zu einem andern Thema über. Dann undwann brachte er auch einen Ausspruch lateinischerKlassiker in der Ursprache an besonders gegenfremde Gelehrte, welche vom Respekt gehindert wa-ren, dergleichen klassische Unterhaltungen fortzusetzendoch merkte man wohl, daß solche nur zur Aus-schmückung der Rede dienten. In den Kaffee, den erziemlich gern trank, pflegte er einen Theelöffel weißenSenf zu thun, weil er die Meinung hatte, daß dießein Präservativ gegen Schlagflüffe sei. Der Königschnupfte stark; der Taback, den er nahm, warSpaniol. Das Rauchen war ihm ungemein zuwi-der, doch versicherte er manchmal am Bivouac-Feuer,daß er den Tabacksgeruch liebe, indem er die Sol-daten nickt an dem Vergnügen des Tabackrauchenshindern wollte, sondern sie vielmehr dazu aufmun-terte. Im Zimmer pflegte er, außer bei Tische,und wenn er höhere Personen empfing, stets denHut auf dem Kopfe zu haben. Der Pantoffelnoder eines Schlafrocks bediente er sich nie. Erstarb völlig angezogen, und in einem Lehnstuhle sitzend,welcher noch heut in Sanssouci dem Beschauer,der mit heiliger Scheu das Sterbezimmer des gro-ßen Königs betritt, gezeigt wird.

E. v. Wachsmann.

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