L
91
den Tod desselben meldete, wandte er sich zu dessenBruder, dem Major und Flügeladjutanten, mit denWorten: „Heute geht Alles unglücklich! MeineFreunde verlassen mich. So eben erhalte ich dieNachricht, daß sein Bruder geblieben ist,"-— DieseWorte, mitten im Getümmel einer noch unglückli-chen Schlacht und unter dem furchtbarsten Kanonen-donner ausgesprochen, zeugen von einer Erhabenheitder Seele, welche mit Güte und Wohlwollen verbun-den war und durch kein Unglück erschüttert werdenkonnte. — Der Anfang des Feldzugs vom Jahre 1761schien dem König eben so wenig günstig zu sein,als der des vorigen Jahres: Kolberg war von denRussen durch Kapitulation, Schweidnitz von denOestreichern mit stürmender Hand erobert worden;aber das größte Unglück drohte der Person des Kö-nigs. Der Baron von Warkotsch auf Schönbrunn,bei Strehlen in Schlesien, trachtete den Monarchen denOestreichern zu überliefern, was um so leichter mög-lich war, als der König in der Vorstadt von Streh-len nur durch wenige Grenadiere bewacht ward.Die Verrätherei dieses Mannes, den der Königmit Gunstbezeugungen beehrt hatte, ward indeßdurch den Jäger des Barons, Namens Kappel,welcher oftmals Briefe des Letztern an den katboli-schen Pfarrer Schmidt, der mit dem östreichischenObristen von Wallis in Verbindung stand, über-bringen mußte, angezeigt, indem er einen der Briefedes Barons an den gedachten General gerichtet,dem Könige überlieferte. Durch Ungeschicklichkeit desOffiziers, der den Baron Warkotsch verhaftensollte, gelang es dem Letztern zu entfliehen. DerEntflohene ward für einen Hochverrarher erklärt, seineGüter eingezogen, und das Urtheil, daß der Schul-dige im Bilde geviertheilt werden sollte, von demKönige mit dem Beifügen genehmigt, „daß das Por-trait wohl so wenig, wie das Original taugen würde."
Am 5. Januar 1762 war die Kaiserinn Eli-sabeth von Rußland gestorben. Peter III. wargegen Preußen ganz anders gesinnt, als seine, bisan ihren Tod gegen Friedrich unversöhnliche Ver-wandte: es ward mit den Russen Friede geschlossen,und ob wohl man, nach Peters frühem Tode,einen neuen Friedensbruch fürchtete, so bliebdennoch seine Nachfolgerinn Katharina den Ver-trägen treu. — Der König führte nun den Kriegin Schlesien mit Glück fort: er nahm Schweidnitzwieder ein, und Prinz Heinrich schlug die Oest-reicher bei Freiberg in Sachsen. England machteinzwischen mit Frankreich einen Frieden, in welchemPreußen nicht mit Inbegriffen war. Deutschlandwar indeß durch einen Krieg, welcher nun schonsieben Jahre gedauert hatte, dergestalt verwüstet wor-den, daß jetzt von allen Seiten Friedensrufe er-schollen, Auf dem Schlosse Huberts bürg kamendlich zwischen Friedlich, Oestreich und Sachsenein Friede zu Stande, welchem die breslauer unddresdener Friedensschlüsse zum Grunde lagen; erward am 15. Februar 1763 unterzeichnet.
Der langwierige Krieg hatte den König bisherverhindert, seinen großen Zweck, das Land so glück-lich zu machen, als er nur konnte, mit der Energie,die ihm eigen war, zu verfolgen; jetzt ging er mitaller Kraft an's Werk. Der Landbau lag an denmeisten Orten darnieder, es fehlte an Saatgetreide,selbst die Bevölkerung hatte um 500,000 Menschenabgenommen. Um die verheerten Gegenden wieder
in Flor zu bringen, erließ der König in den Pro-vinzen, die durch den Krieg gelitten hatten, die Steuerauf 2 Jahre; an baarem Gelde gab er über zweiMillionen.
Die Emporbringung des Fabrikwesens wargleichfalls ein Geschäft, das sich der König sehr an-gelegen sein ließ. Er kaufte für 225,000 Thlr. diezuerst von dem Negotianten Wegli 1751 ange-legte berliner Porzellanfabrik. Die Kunst, achtesPorzellan zu verfertigen, galt damals für ein gro-ßes Geheimniß, und der König, darin eine neueGoldgrube für den Staat erblickend, schonte keineKosten, um das Unternehmen bis zur Vollkommen-heit zu treiben. Aber auch in den verschiedenstenund entferntesten Gegenden des Staates nahm dasManufakiurwesen einen neuen Aufschwung, und zwardergestalt, daß die neuen, seit dem Kriege begrün-deten Fabriken sich im Jahre 1773 schon auf 264beliefen. Die Fabrikstadt Greifenberg in Schlesienward auf königliche Kosten ganz neu aufgebaut. ImJahre 1766 führte der König die Regie, wie siedamals in Frankreich bestand, in seinen Staatenein. Helvetius soll, bei seiner Anwesenheit zuBerlin, dem Monarchen diese Einrichtung als höchstvollkommen angerühmt haben. Man war indeß inden Staaten des Letztern mit dem Regiewesen we-nig zufrieden, indem eine Menge kleiner Uebelständedamit verbunden waren, welche Verationen verschie-dener Art im Gefolge hatten. — Es mußte nundem Könige daran liegen, dem Auslande darzulegen,daß der so blutige und kostspielige Krieg seine Hilfsmit-tel bei weitem nicht erschöpft habe; aus diesem Grundeunternahm er mehrere Bauten, die er vielleicht sonstunterlassen hätte. So bauete er z. B. das „neuePalais" zu Potsdam, welches bedeutende Summenin Anspruch nahm; auch erschien der Hof nach demsiebenjährigen Kriege in einem Glänze, wie er frü-her und später, bei Lebenszeiten des Königs, nie-mals Statt gefunden hatte. —
Im Jahre 1769 hatte der König mit demKaiser Joseph eine Unterredung zu Neiße, im fol-genden Jahre eine zweite in dem Lager zu Neu-stadt. Hier wurde die erste Theilung Polensverabredet und im Jahre 1772 ausgeführt. Der An-theil, welchen Preußen bekam, erhielt den Namen„Westpreußen."
Durch den Tod des Kurfürsten MarimilianJoseph von Vaiern hatte Karl Theodor im Jahre1777 nicht nur die Kurwürde, sondern auch,da jener Fürst keine Kinder hinterließ, den größtenTheil von dessen Staaten geerbt; als er in Mün-chen ankam, fand er bereits östreichische Truppenin Niederbaiern. Obwohl er im Jahre 1778 einenidm von Oestreich vorgelegten Traktat, wodurch erLetzterem, gegen Aufgebung behaupteter Ansprüche,die Hälfte der Erbschaft abtrat, unterzeichnete; sowandten sich dock der Herzog von Zweibrücken alsnächster Erbe, Sachsen wegen Allodialgüter, undMeklenburg wegen seiner Anrechte auf die Landgraf-schaft Leuchtenberg, an den König von Preußen, und ba-ten ihn, ihre Sache mitRath und That zu unterstützen.Friedrich ergriff mit Freuden eine Gelegenheit,um zu zeigen, daß er zur Unterstützung des Schwä-cheren und zu Bewahrung der Rechte des deutschenReiches bereit sei, und ließ Truppen gegen Oestreichmarschiren. Friedrich, treu seiner alten Weise, denKrieg, wo nur immer möglich, in das Land des