Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
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Leuthen bei Breslau an seine versammelten Ge-nerale gehaltenen, so energischen, als rührenden An-rede sagt:wer Herr von Schlesien sein sollte,"Als man dem Könige meldete, daß das ihm gegenüberstehende östreichische Heer mindestens 90,000 Mannstark sei, während das seinige nur 33,000 Mann be-trug, erwiederte er:Ich weiß es, aber mir bleibtnichts übrig, als Sieg oder Tod!" Am 5. Dezbr.kam es zu einer mörderischen Schlacht, Von bei-den Theilen wurde wüthend gekämpft; endlich ent-schied sich der Sieg für Friedrich. Die Preußenmachten 21,500 Gefangene, worunter 30? Offiziere,und nahmen 135 Kanonen und 59 Fahnen. Aufdem blutigen Schlachtfelde umherwandelnd, riefFriedlich mit zum Himmel erhobenen Augen:wann werden meine Leiden einmal endigen?"Nach gewonnener Schlacht benutzte der König dieBestürzung der Gegner; er rückte rasch vor Bres-lau, und drohte mit einem Sturme. Der feindlicheKommandant ließ sich einschüchtern, kapitulirte, und13 Generale mit 18,000 Mann sielen auf's Neue indes Königs Gewalt. Die Anzahl dieser Gefangenen,hinzugerechnet die von der Schlacht bei Leuthen,betrug mehr als das ganze Heer Friedrichs.

Schlesien war jetzt vom Feinde befreit, undder König zögerte nicht, den Krieg in das Herzdes feindlichen Landes zu versetzen. Er ging mitdem Heere auf die, von den Oestreichern wohl be-wehrte, Festung Olmütz los. Es war dieß der Tak-tik jener Zeit ganz angemessen. Ein Feldherr,wie Friedrich, würde in der unsern vielleicht einenkühnen Marsch auf die Hauptstadt seiner Gegnerinnvorgezogen haben. Wirklich zitterte man in Wienvor der Möglichkeit eines Anrückens der Preußen.Die Belagerung von Olmütz zog sich sehr in dieLange, und als endlich die Lebensmittel mangelten,und die Zufuhr von den Oestreichern fast gänzlichverhindert wuide, sah sich der König genöthigt, dieBelagerung aufzuheben. Der Rückzug aus Mäh-ren ward musterhaft, aber dennoch eilig bewerkstel-ligt, indem der König Nachricht erhielt, daß einrussisches Heer, unter dem General Feim or, Mienemache, in Pommern und die Mark einzudringen.Letzteres war bald der Fall, und die Feinde standen,ehe man sich's versah, vor Küstrin, die ganze Um-gegend durch Brand und Plünderung verwüstend,und die Stadt durch Wurfgeschütz fast in einenSchutthaufen verwandelnd. Während sich aber derKommandant, Obrist Schock, tapfer vertheidigte,rückte der König aus Schlesien heran und stand am20. August 1758 mit dem kleinen, aus Schlesien mitge-brachten, Heere zu Frankfurt an der Oder. DieRussen sahen sich jetzt gezwungen, die Belagerungaufzuheben, sie stellten sich bei dem Dorfe Zorn-dorf in Schlachtordnung auf, und am Morgendes 25. August entbrannte zwischen ihnen unddem Heere des Königs ein hartnäckiger Kamps.Nicht ohne die ungeheuersten Anstrengungen er-kämpften die Preußen einen sehr blutigen Sieg.Sie hatten ihn vorzüglich ihrer Artillerie, unterdem tapfern Obersten Müller, dessen Zwölfpfün-der oft mit einem Schusse, in den dichten Kolon-nen des Feindes, 30 bis 40 Mann kampfunfähigmachten, zu danken. Die Russen verloren in die-ser Schlacht über 21,000 Mann, welche an manchenPunkten, gliederweise von dem Geschütz niederge-streckt, am Boden lagen.

Nach der gewonnenen Schlacht dachte der Kö-nig darauf, die unter Dann in der Lausitz stehen-den Oestreicher, nach Böhmen zurückzudrängen. BeiHochkirch, unweit Vautzen, bezog er ein Lager.Der Feind stand in der Nähe einer festen Ver-schanzung. Die Stellung Friedrichs war gefähr-lich gewählt, die Oestreicher hatten mehrere vorlie-gende befestigte Höhen inne. Feldmarschall Keithmachte die Bemerkung:Wenn uns die Oestreicherin diesem Lager ruhig lassen, so verdienen sie ge-henkt zu werden!" worauf Friedrich erwiederte:Wir müssen hoffen, daß sie sich mehr vor uns,als vor dem Galgen fürchten!" Dieß war je-doch eben nicht der Fall. Am 14. Oct. - einTag, der auch in der spätern preußischen Kriegsge-schichte sich als einen unglücklichen gezeigt hatfrüh um 4 Uhr, überfiel der Feind mit großer Ue-bermacht das Lager der Preußen. Trotz einer hel-denmüthigen Gegenwehr wurden Letztere geschlagen.Die Oestreicher erbeuteten über 100 Kanonen und30 Fahnen. Der Verlust der Preußen an Mann-schaft betrug nahe an 10,000. Der größte Verlustaber war der Tod des tapfern Keith, eines Lieblingsdes Königs. Auch Prinz Friedrich von Braun-schweig war unter den Todten.

Am 12. Juni 1758 starb zu Oranienburg derpräsumptive Thronerbe, Prinz August Wilhelm,Bruder des Königs, im 36. Lebensjahre. Die Un-zufriedenheit des Monarchen, daß der Prinz denPaß von Gabel nicht hatte retten können, .hatteLetztern so tief erschüttert, daß er 1757 die Armeeverlassen hatte, und krank nach Hause gereist war.Er war ein Fürst von ausgezeichneten Eigenschaf-ten, und Friedrich erkannte diese an, indem erihm in der Zueignungsschrift seiner»lemoire« <!«llrÄNlIelinurß" eine große Lobrede hält. Auch dieLieblingsschwester des Königs, die Markgräsinn vonBaireuth, starb in diesem Jahre. Der Rest desJahres verging größtentheils mit Hin- und Hcrzü-gen der feindlichen, wie der preußischen Heere, ohnedaß es, außer bei Krefeld, wo der Herzog vonBraunschweig die Franzosen schlug, zu einem be-deutenden Gefecht gekommen wäre. Das Jahr 1759sollte für die Kriegsgeschichte Preußens bedeutenderwerden. Außer dem Gefechte bei Kai, war dieSchlacht bei Kunersdorf unweit Frankfurt ander Oder die bedeutendste Waffenthat. Hier fochtenam 12. August 40,000 Preußen gegen 70,000 Rus-sen und Oestreicher. Schon hatten die Ersteren diedritte Linie der russischen Verschanzungen stürmenderobert, als sie, ermattet von den Anstrengungendes Tages, Abends um 6 Uhr auf einem coupir-ten Terrain nickt in der gewohnten Ordnung vor-rückten. Dieß sowohl, als die mit großer Anstren-gung versuchte Erstürmung des Spitzbergen, wodie feindliche Artillerie eine ungeheure Verbeerungin ihren Reihen anrichtete, obne daß die Preußenbis auf die vom Feinde besetzte Höhe gelangen konn-ten, ließ die Schlacht für Friedrich verloren gehen.Keine der bisher gelieferten Schlachten war so blu-tig, wie diese, gewesen. Die Preußen verloren8000 Mann an Todten und 12,000 an Gefange-nen. Wie man behauptet, soll Friedrich auf ei-nen kleinen Zettel mit Bleistift an die Königinngeschrieben haben:Alles verloren sogar derHut." Zwei Pferde waren unter ihm getödtetworden, und er selbst hatte eine Kontusion durch