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schanztes, aber nicht mit den nöthigen Lebensmittelnversehenes Lager, unweit der Festung König-stein, wohin sich König August geflüchtethatte; hier wurden sie sogleich von 32MU Preu-ßen eingeschlossen. Da dem König unendlich vieldaran liegen mußte, die Originale der Papiere, de-ren Abschriften ihm durch Menzel zugekommenwaren, in Handen zu haben, um seinen plötzlichenEinfall in Sachsen rechtfertigen zu können; so for-derte er zu Dresden von der dort befindlichen Kö-niginn von Polen die Auslieferung derselben. Diesewurde von der Monarchinn so lange verweigert,bis der zum Empfang abgeschickte Major von Wan-genheim zu verstehen gab, daß er im äußerstenFall Befehl habe, Gewalt zu brauchen; erst jetztward der Schlüssel zu dem Zimmer, wo die Do-kumente verwahrt wurden, herbeigebracht, und letz-tere dem preußischen Geheimiath von Herzbergausgeliefert. Da zu erwarten war, daß die Oest-reich« Alles aufbieten würden, die durch das Corpsdes Markgrafen Karl blokirten Sachsen zu befreien;so ging der König dem feindlichen General Brownentgegen, und es kam bei dem böhmischen StädtchenLo besitz zu einer Schlacht, in welcher die, beson-ders an Infanterie, weit überlegenen Feinde, vonden Preußen, die mit Bajonett und Kolben die Geg-ner angriffen, geschlagen wurden. Friedrich schrieban den Feldmarschall Schwerin: „daß, so langeer die Ehre habe, seine Truppen zu kommandiren,er noch nie solche Wunder von Tapferkeit gesehen." —In Wien ward zum Andenken der Gefallenen eineneuntägige Andacht angestellt, wahrscheinlich, wieein Witzbold behauptete, weil Brown einen schö-nen Rückzug gemacht, und es der Armee noch soziemlich erträglich ergangen sei." — Die sächsischeArmee streckte jetzt im Angesicht des Königs August,der sich noch auf dem Königstein befand, aus Mangelan Lebensmitteln, die Waffen. Die Offiziere wur-den entlassen, zwei und zwanzig sächsische Batailloneaber in zehn preußische Regimenter umgeschmol-zen. Auf die Bitte König Augusts, ihm die Gre-nadiere seiner Leibwache wieder zu geben, erwiederteFriedrich: „Nein, ich will mir die Mühesparen, sie zum zweiten Male wegzunehmen." — Diemit Gewalt und wider Kricgsgebrauch einregimen-tirten Gefangenen desertirten in der Folge fast sämmt-lich. — Während der König sich über Winter inDresden aufhielt, versuchte sein Kammerdiener,Glasau, gedungen— von wem, blieb unbekannt —ihn zu vergiften. Seine Bestürzung verrieth dasVorhaben, und er ward in Ketten nach Spandauabgeführt, wo er in einsamen Gefängnisse nach kur-zer Zeit sein Leben endigte. —
Die Besetzung Sachsens ward von den Geg-nern des Königs zu einer Reichsangelegenheit ge-macht; man ging damit um, den König in dieReichsacht zu erklären; doch hatte die Sache weiterkeine Folgen, als der kurbrandenburgische Gesandte,Baron Plotho, den kaiserlichen Notarius, V.April,der ihm die Citation überbrachte, nöthigte, diese zu-rückzunehmen, und den Ueberbringer zur Thürehinauswerfen ließ. Zu den Armeen, die gegen Fried-rich im Felde standen, kam nun auch die Reichs-armee, ein Gemisch von Truppen, welche sich aufdem Schlachtfelde nicht sonderlich bewährten. DerKönig eröffnete den Feldzug des Jahres 175? miteinem Marsche i-n's Herz von Böhmen. Am 6. Mai
kam es bei Prag zu einer Schlacht, welche höchstmörderisch war. Hier siel der heldenmüthige Mar-schall Schwerin, indem er, die Fahne seines Re-giments in der Hand, die Seinen zu Fuß zumKampfe führte, von vier Kartätschenkugeln zugleichdurchbohrt. Der Sieg blieb dem Könige; er warfür den momentanen Besitz von Böhmen entschei-dend, jedoch theuer erkauft: der Verlust belief sichauf 15,000 Mann, der des Feindes auf das Dop-pelte. Friedrich betrauerte Schwerin sehr. „Erwürde ein vollkommener Feldherr gewesen sein, wenner nur Jemand neben sich hätte leiden können,"sagte er. — Prag ward jetzt von den Preußen bela-gert, doch sah sich der König genöthigt, dem Feld-marschall Daun entgegen zu gehen, der sich aufden Bergen von Kollin gelagert hatte. Dort kames den 18. Juni zu einer Schlacht, der eisten, dieFriedrich verlor. Schon waren die Feinde durcheinen siebenmaligen Angriff der Preußen gewor-fen worden, als die kriegerische Hitze des PrinzenMoritz von Anhalt Alles verdarb. Sein unzeiti-ger Angriff auf einem unvortheilhaften Punkte hatteUnordnung unter die Truppen gebracht. „Ich weißnicht," schrieb der König an seinen Freund, LordMarshal, „ob es mir eine Schande sein wird,zu unterliegen; aber das weiß ich, daß es keine Ehresein wird, mich zu überwinden." Er hatte näm-lich dem Lord vorher eine Beschreibung der furcht-baren Streitkräfte gemacht, mit denen ihm fast ganzEuropa in Waffen gegenüber stand. — Der Prinzvon Soubise, welcher sich vorgenommen hatte, diePreußen aus Sachsen zu vertreiben, ging mit einerArmee von Franzosen und Reichstruppen im Spät-herbst über die Saale und näherte sich Leipzig. Beidem Dorfe Roßbach, 3 Meilen von Merseburg, lie-ferte ihm der König eine der bedeutendsten Schlach-ten des ganzen Krieges. Die Feinde waren drei-mal stärker als die Preußen, indem die Letzterennur 22,000 Mann, ihre Gegner aber 60,000 zähl-ten. Die Zuversicht der Franzosen vir der Schlachtwar so groß gewesen, daß sie das preußische Heernur „die berliner Wachparade" genannt hatten.Der Sieg war einer der am leichtesten erkauften.General Sey blitz stürzte sich mit der preußischenCavalerie in den Feind, und dessen Linien warengesprengt, ehe nur die preußische Infanterie heran-kommen konnte. Binnen anderthalb Stunden wardie Schlacht entschieden; nur sieben Bataillone Preu-ßen waren zum Feuern gekommen. Die französischeArtillerie, unter der Anführung des berühmten Gra-fen Anmale, hatte nickt das Mindeste geleistet.Die Franzosen verloren 10,000 Mann, von denen7000 zu Gefangenen gemacht wurden. — InSchlesien stand indeß die Sache des Königs in gro-ßer Gefahr. Der östreichische General Nadasdyhatte am 12. Novbr. Schweidnitz erobert, in wel-cher Festung gegen 6000 Mann nebst 4 Generalen,und eine bedeutende Kriegskasse, in seine Hand ge-fallen war. Der Herzog von Beuern, der in ei-nem verschanzten Lager mit nur 25,000 Preußen, demöstreichischen Heere unter dem Prinzen von Lothrin-gen und dem Feldmarschall Daun gegenüber stand,war zu einem, zwar unentschieden gebliebenen, Ge-fecht gezwungen, zwei Tage später aber bei einerRecognoscirung gefangen worden; auch Breslau war inFeindes Hand gefallen. Es handelte sich darum, wieder König in einer am 4, Dezbr. bei dem Dorfe