Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
83
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dens. General von Zielen durste jetzt, im Gefühl dergeleisteten und rühmlich anerkannten Dienste, einerheitern Zukunft entgegen sehen; aber das Schicksal wurdenicht müde, ihn auf's Neue und fast noch harter zuprüfen. Die bitteren Erfahrungen im Umgange mitMenschen hatten zur Folge gehabt, daß er sich vondem geselligen Verkebr allmälig zurückzog, und seinGlück nur im Kreise der Seinigen und in treuerErfüllung seiner Berufsgeschäfte suchte; nachstdemwar er auf Verschönerung seines Stammgutes Wu-sirau eifrigst bedacht, und ordnete kostbare Bautenan, wozu er die nöthigen Gelder leihen mußte. Zie-len erschien daher nur selten in den Hofzirkeln, undhatte noch seltener Gesellschaft bei sich, obschon er beivorkommenden Gelegenheiten den liebenswürdigenWirth zu machen verstand. Diese Theilnahmlosig-keit benutzten die Neider seines Ruhmes, ihn demKönige allmälig zu entfremden, und es arbeitete einMann an seinem Sturze, der mit allen Eigenschaf-ten ausgerüstet war, sich in das unbegränzte Ver-trauen des Monarchen zu setzen, das er aber mit Nie-mand theilen mochte. In seiner Arglosigkeit hatteZielen keine Ahnung von den Intriken, mit wel-chen er allmälig umsponnen wurde, und als sich dieersten Wirkungen äußerten, ertrug er sie mit stoi-schem Gleichmuthe, ohne sich die Mühe zu geben,die Ursachen kennen zu lernen. Anfangs sprach derKönig nur einigen leisen Tadel über angebliche Un-ordnungen aus, die er in Zielens Regiment wahr-genommen haben wollte. Bald kam es aber zu bit-teren Bemerkungen, und endlich wurde Alles geta-delt, was der General that, und ihm geradezu Nach-lässigkeit im Dienste zum Vorwurfe gemacht. DerGeneral Zielen hörte anfangs diese auf dem Muster-platze ihm gemachten Vorwürfe mit Gelassenheit an;als aber der König immer zorniger sprach, steckte je-ner den Säbel ein und sagte:Wenn wir dennjetzt nichts mehr taugen, so haben wir doch vormalsunsere Schuldigkeit gethan, und als man uns brauchte,waren wir gut genug." Friedrich antwortete in dem-selben Sinne, und ließ es dabei bewenden; aber dergekränkte Zielen verhielt sich während der folgen-den Uebungen ganz unthätig, und gab nur einenmüssigen Zuschauer ab. Zu einer anderen Zeit ver-gaß sich der König so sehr, daß er zu ihm sagte:er wolle nichts weiter von seinem Regimente sehen,er solle ihm aus den Augen gehen." Zielen wardamals schon so fest entschlossen, sein stolzesHaupt nicht zu beugen, daß er augenblicklich mitdem Regiment in die Garnison zurückmarschine, undalle ihm nacheilende Adjutanten mit den lakonischenWorten abfertigte: der König habe ihm selbst denBefehl zum Rückmarsch ertheilt.

(Beschluß folgt.)

Friedrich der Zweite, der Große,

König von Preußen.(Fortsetzung.)

ZuEmden errichtete er eine Handlungskompagnie,unterstützte die Fabriken und Manufakturen, vor Al-lem aber verschönerte er Berlin und Potsdam durchbedeutende Bauten. Zu Sanssouci, dessen Bau imJahre 1746 vollendet war, vereinigte er wieder eineMenge geistreicher Männer, besonders Ausländer.

Unter ihnen zeichnete sich Voltaire besonders aus.Seine Laune, sein scharfer Witz machte ihn dem Königeum so weither, als beide dem seinigen ähnelten;doch dauerte die Einigkeit zwischen Voltaire undseinem königlichen Freunde nicht allzu lange, weilLetzterer die beißende Satyre des Philosophen, dermit dieser Niemanden verschonte, nicht vertragen konnte.Gelegenheit zum Bruche gab die von Voltaireauf den Präsidenten der Akademie, den berühmtenMaupertuis, geschriebene Satyre:Akakia",welche der König, auf eine Beschwerde des Letztern,verbrennen ließ. Unter dem Vorwande, die Bädervon Plombieres zu gebrauchen/ entfernte Voltairesich aus den Staaten des Königs; doch ließ ihn derLetztere zu Frankfurt anhalten, weil er gewisse Pa-piere mitgenommen hatte; auch mußte er den Kam-meiheirnschlüssel, das Kreuz des Verdienstordens,und den Kontrakt über die ihm verliehene Pen-sion abliefern. Später versöhnte sich indeß Fried-rich wieder mit ihm, und unterhielt, so lange erlebte, mit ihm einen Briefwechsel. Am längstenfast dreißig Jahre lebte der Marquis d'Argensin der Nähe Friedrichs. Ihm vergönnte derKönig, wegen seiner treuen Ergebenheit, manche Frei-heiten, die ihn von allen übrigen Gesellschaftern un-terschieden, z. B.: daß er mit seiner Gemahlinnim Schlosse wohnen, und den Monarchen Abends imSchlafrocke besuchen dürfte. Endlich ging auch d'Ar-gens nach Frankreich zurück. Darget, la Met-trie und Algarotti blieben nicht lange in Fried-richs Nähe, weil sie eine ungebundenere Lebens-weise dieser, ihrer Meinung nach zu sehr beschränk-ten, vorzogen.

Die edle Ruhe, die der König zu Sanssoucigenoß, sollte indeß im Jahre 1756 ein Ende finden.Schlesien war ein zu großer Verlust für Oestreich,als daß es nicht hätte auf Mittel denken sollen, sich eineProvinz wieder zu verschaffen, deren vollen Werth es erstdann erkannte, als sie verloren war. Maria The-resia schloß deßhalb einen Bund mit August, Kö-nig von Polen, der, beherrscht von seinem Mini-ster, dem Grafen Brühl, einem Todfeinde Fried-richs, gern die Hand dazu bot. Rußland warleicht für das Bündniß zu gewinnen, da des-sen Monarchinn, die Kaiserinn Elisabeth, sichdurch einige Aeußerungen des Königs, die ihre Per-son betrafen, beleidigt gefunden hatte. Ludwig XV.durch Versprechungen großer Eroberungen in Deutsch-land vom östreichischen Hofe aufgereizt, trat um solieber in den Bund, da auch Schweden hierzu hilf-reiche Hand bot. Der gegen Friedrich entworfenePlan ging indeß nicht allein dahin, ihm Schlesienwieder abzunehmen, sondern ihn, wo möglich, gänz-lich zu vernichten. Durch den Verrath des sächsi-schen Kanzlisten Menzel wurden jedoch dem preu-ßischen Gesandten von Malzahn zu Dresden dieOriginale der auf dieses Bündniß bezüglichen De-peschen, zur Abschriftnahme, überliefert, und Fried-rich entschloß sich zu dem einzigen Mittel, das ihmübrig blieb, wenn er dem vernichtenden Schlage zu-vorkommen wollte, nämlich ohne Weiteres in dieLänder seiner Gegner einzurücken. Am 29. August 1756marschirte der König mit einem Heere von 6N,VWMann über die sächsische Gränze. Nirgends fanddie in drei Kolonnen getheilte Armee Widerstand,Die, in der Eile zusammengezogenen, sächsischenTruppen, 17MN Mann stark, bezogen ein ver-