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3 (1842)
Entstehung
Seite
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nach preußischen Ministern, Generalen und eini-gen Kriegsräthen benannt, z. B. Heinrichsfelde,Podewils, Sacken, Seidlitz, Tauenzinow, Zedlitz,Carmerau u. s. w. Dieses Kolonialsystem war übri-gens nicht neu; denn schon im 13. Jahrhundertesuchten die oberschlesischen Herzoge durch deutsche An-siedler die Landeskultur zu heben, und wegen einerHungersnoth ausgewanderte Sachsen gründeten dasnoch heute rein deutsche Weberdorf Schönwald imgleirvitzer Kreise.

Freilich ist der metallreiche sandige Boden Ober-schlesiens dem Ackerbau wenig günstig, und bei derAufnahme des Steuerkatasters, nach der preußischenEroberung, wurden hier, das fruchtbare Leobschütz aus-genommen, nur drei Scheffel Korn von einem Schef-fel Aussaat und 3 Thaler Nutzung für eine Kuh ge-rechnet. Indeß hat mit dem allgemeinen Aufschwüngeder Intelligenz auch die Landwirthschaft Oberschle-siens, wie die der ganzen Provinz, in allen Zwei-gen, namentlich in der Schafzucht, soviel gewon-nen, als man vor 30 Jahren kaum für möglich hal-ten konnte, und die moderne Kultur ringt dem stör-rischen Boden bessere Früchte ab, als dem Men-schen, der ihn bebaut. Mit der Aufhebung derErbunterthänigkeit ist freilich auch hier die Basisaller Verhältnisse wohlthatig verändert; doch wirdwohl noch mehr als ein Menschenalter unter dengünstigsten Umstanden nöthig sein, ehe ein höherermoralischer Standpunkt des Volkes, wie in Nieder-schlesien, daraus sichtbar wird.

Auf den größeren Grundherrschaften werden,wie schon bemerkt, geeignete Industriezweige nebender Landwirthschaft betrieben. Es sind dieß Runkel-rübenzucker-Fabriken, baierische Bierbrauereien, ame-rikanische Mahlmühlen u. dgl. Am bedeutendstenist freilich der Grubenbetrieb auf Eisen, Galmeiund Kohlen, und dabei das Hüttenwesen aller Art,welches von Jahr zu Jahr an technischer Vollkom-menheit, wie an Zahl der Werke zunimmt. So-wohl in den königlichen Musteranstalten, wie in denPrivat-Etablissements ist Oberschlesien jetzt das Haupt-theater des preußischen Bergbaues und Hüttenwe-sens, und gilt für das Ausland als eine große prak-tische Akademie desselben, weßhalb es seine Zög-linge in diesen Fächern zahlreich hierher schickt.

Erst gegen das Ende des vorigen Jahrhundertsentfaltete diese industriöse Richtung Oberschlesiens,welche schon aus den ältesten Zeiten bekannt ist, all-mälig ihren heutigen, großartigen Charakter, nach-dem sie durch die Kriege des Mittelalters gestört,und endlich ganz bedeutungslos geworden war. Ein-zelne Versuche der östreichischen Regierung zur Wie-dererhebung des Bergbaues mißglückten; nach derpreußischen Besitznahme aber wurde die erste, aufSteinkohlenbau gerichtete Thätigkeit (1750) in Ober-,wie in Mittelschlesien von besserem Erfolge begleitet.Es war die Einleitung jener glänzenden Periodedes schlesischen Bergbaues und Hüttenwesens, welchemit dem Direktorate des Ministers Grafen Reden1778 überhaupt in ganz Preußen begann. Vonihm aus ging der großartigere Betrieb auf Blei,Kohlen und Eisen; während namentlich das letzterebisher so verrufen war, daß es nicht einmal in denübrigen Provinzen des Staats eingeführt werdendürfte, und jährlich gegen 200,000 Thaler für schwe-disches Stabeisen nach Stettin gingen. Dieses wardimmer entbehrlicher, nachdem als erste Probe einer

verbesserten Bereitung 177? eine Quantität ober«schlesisches Stabeisen nach Berlin geliefert worden war,und mit den königlichen Hüttenwerken zu Malapaneund kreuzburger Hütte unter der Verwaltung desOberbergamts durchgreifende Verbesserungen gescha-hen, welche nicht ohne Einfluß auf die Privatwerkeblieben.

Im Jahre 1794 wurde die königliche Eisen-gießerei bei Gleiwitz, als eine eigene Kolonie, an-gelegt. Sie ist wohl die größte Deutschlands, undwetteifert in den großartigsten Werken, wie in denfeinsten Galanterie-Arbeiten mit den englischen Gie-ßereien. Wie sehr überhaupt, seit etwa 20 Jahren,allein der Betrieb auf Eisen in Oberschlesien zuge-nommen hat, ersieht man am beßten aus der amt-lichen Zahlenangabe, daß 1815 erst 78,000 Etr.gefördert, producirt und fabricirt wurden, 1837dagegen bereits 1,126,700 Etr. Der Geldwerthder Produkte und Fabrikate am Ursprungsorte wardabei 1815: 1,020,000 Thaler und 1837: 5,400,000Thaler. Somit hat Schlesien in der Eisenfabrika-tion den übrigen Provinzen des Staates und selbstRheinpreußen den Rang abgewonnen.

Ein wichtiges Moment für den oberschlesischenBergbau und das Hüttenwesen war die 1813 ein-tretende größere Galmeiförderung und Zinkbereitung.Die letztere wird allein im beuthener Kreise, nachdem königlichen Musterwerke Lydognia zu Königs-hütte, in Priuatwerken betrieben, und ist ein Quelldes Reichthums. Früher ging der Galmei selbstin's Ausland, und man förderte um 1783 erst10,000 Ctr.; 1815 wurden bereits 58,400 Ctr. ge-fördert, producirt und fabricirt, und 1837 endlich952,000 Ctr. Von Zink wurden, mit Ausschluß der zuBlechen verarbeiteten 8500 Ctr., nur 195,000 Ctr.fabricirt, und es wird dieses Quantum bei derjetzt schwächeren Ausbeute der Galmeigruben unddes niederen Galmeigehalts sich noch fortdauerndvermindern.

Mit dieser industriösen Wichtigkeit des Land-strichs standen die Kommunikationswege mit Vres-lau, dem Herzen der Provinz, bisher im entschie-densten Widersprüche. Der Klodnitzkanal, der eineMeile oberhalb der Stadt Gleiwitz als fahrbarerStolln in einem Kohlenbergwerke anfängt, dann imFreien und im Ganzen über sechs deutsche Meilenfortgeht, bildet die Verbindung der Gruben undHüttenwerke mit dem natürlichen Transportwegeder Oder, in welche er bei Kosel ausmündet. Schonzur Zeit seiner Anlegung, von 17901806, woder Handel und die Fabrikation Oberschlesiens nochin der Kindheit waren, reichte dieser Kanal für dasBedürfniß nicht aus; wie viel weniger bei dem seit-dem gewonnenen Aufschwünge der oberschlesischenIndustrie, zumal da er, theils wegen des niedrigenWasserstandes der Oder, theils wegen alljährlicherlangwieriger Ausbesserungen, oft nur 34 Monateim Jahre fahrbar ist. Die Oder selbst wird immertreuloser in ihren Diensten; sie versandet, trotz al-ler hydrotechnischen Bemühungen der Regierung,jährlich mehr, und die natürliche Folge hiervonist eine große Unzuverlässigkeit für den Handel mitOberschlesiens Produkten, da große Schiffsladungenin Kosel und Gleiwitz oft übersommern und über-wintern müssen. Drückend ist bei dem zunehmen-den Holzmangel des übrigen Theiles der Provinz