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3 (1842)
Entstehung
Seite
72
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insbesondere der Umstand, daß ihr die unerschöpf-lichen Kohlenlager Oberschlesiens, vielleicht für einhalbes Jahrtausend ausreichend, nur allein der un-genügenden Transportmittel wegen nicht viel zugäng-licher sind, als die von Nerocastle; und in der Thatsollen schlesische Fabriken, nach dem Urtheile Sach-verständiger, bei der bessern Qualität der englischenKohle, mit dieser sich nicht allein billiger, sondernauch sicherer, als mit der einheimischen, versorgenkönnen. Man begreift dieß in dem Thatbestande,daß der Scheffel Kohlen, der 20 Meilen von Bres-lau am Förderungsorte, ungeachtet der hohen könig-lichen Gefalle für den Abbauer, zu 1^ Sgr. ver-kauft wird, dort kaum für 8 Sgr. zu haben ist,zu welchem hohen Preise die Tianspoitvcrzögerungdas Material steigert.

Es forderten diese Um- und Uebelstände, so-wie die Rücksicht auf Schlesiens natürlichen Berufzur Handelsbedeutsamkeit, schon 1837 zur Anlegungeiner Eisenbahn von Breslau nach Oberschlesienauf; allein die hierauf zu gänzlicher Entmuihigungherabgestimmte Exaltation für Eisenbahnen im All-gemeinen ließ auch dieß Projekt wieder in den Hin-tergrund treten. Um so dringender erscheint jetzt, beidem wieder erwachten Interesse, die wirkliche Anlageder schon vermessenen oberschlesischen Bahn zumAnschluß an die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn beiNeu-Berun an der Weichsel und damit an dieWien-Warschauer Bahn, wenn nickt bei längeremZögern die Bahnen des Auslandes Schlesiens Grän-zen ganz umziehen, und dessen Verkehrsverhältnissenicht nur lahmen, sondern für alle Zeit ertödtensollen. Am 1. Juni d. I. fand deßhalb eine Ge-neralversammlung des Directoriums Statt, welcheüber ihre Verhandlungen öffentlich Bericht gab.Hiernach soll die Bahn zwischen der strehlenerund ohlauer Ehaussee bei Breslau beginnen, überOhlau, Brieg, Schurgast, Oppeln und Malapanegehen, Groß-Stanisch und Zandowitz berühren, nahebei Tarnowitz bei Gornike die Chaussee überschreiten,in der Nähe von Beuthen nach der Davidshüttesich hinziehen, ^ Meile von Königshütte über Kot-towitz, dicht bei Myslowitz, vorbeigehen, den dmie-liner Forst passiren, und dicht beim Zollhause inNeu-Berun an der Weichsel münden. Die An-lagekosten dieser 28 Meilen langen Bahnlinie hat manauf 2,837,312 Thaler, die Unterhaltungs- und Ver-waltungskosten jährlich auf 238,255 Thaler veran-schlagt. Dagegen ergeben die mäßigsten Ansätze ausdem sicher ermittelten Fracht- und Personenverkehrbis Oppeln einen Ueberschuß von 73MN Thalern,wodurch über 4 Procent des Anlagekapitals dieserBahnstrecke gedeckt sind. Obgleich es für den an-dern längein Theil der Bahn, von Oppeln bis Be-rlin, dessen vielverzweigten Verkehrsverhältnissen nachunmöglich ist, den daraus herzuleitenden Ertrag inZahlen genau anzugeben; so lehrt doch schon einBlick auf den Situationsplan und die Statistik je-nes Theils von Oberschlesien, daß die empirischenResultate sich nur höchst günstig erweisen können.

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Das eigenthümliche Leben dieses preußischen Land-strichs, wo in Höh- und Coupolöfen, Frisch- undPuddlingsfeuern und Hammerwerken aller Art Vul-can seine meisten Tempel hat, wird jedenfalls eineaußerordentliche Beweglichkeit durch die Eisenbahngewinnen, da neben dem inländischen und Zwischen«verkehr der Gruben und Hütten die Bahnen zweierKaiserreiche in sie ausmünden, und sie mit demOrient in Verbindung setzen.

In den großartigen Industriezuständen Ober-schlesiens bestehen übrigens fast dessen einzige Reize;denn seine Natur ist dürftig, wie der Geist seinerBewohner. Traurige Nadelwälder überziehen denmeist dürren Sandboden, welcher die reichen Koh-len-, Kalk- und Eisenerzlager birgt, aus denendem Lande mit der vergrößerten Betriebsamkeit vonJahr zu Jahr größere Reichthümer zuströmen. Hierbeginnt die ungeheuere nordische Ebene Polens undRußlands, und nur südwestlich bei Leschnitz erhebtsich das kleine Gebirge Chelm und mit diesem derAnnaberg (1330 F. über dem Meere), als Gesichts-unb bester Umsichtspunkt in Oberfchlesien. Esist ein berühmter Wallfahrtsort; denn das dortigeFranziskanerkloster enthält ein wunderthatiges Ma-rienbild. In dieser großen Sand- und Kiefern-wüste zeichnen sich die Niederungen der Oder durchvorzüglichern Boden aus, und das südliche Leob-schütz hat in seinem fruchtbaren Hügellande vielleichtdie schönste Natur in Preußisch-Oberschlesien. DieGegend bei Pleß ist der nahen Kaipaten wegengroßartig. Die nach der Natur gezeichnete beigege-bene Abbildung zeigt das nach Oestreich-Schlesienhineinreichende Vorgebirge derselben, die aus Grau-wacke bestehenden Beskiden, in welchen der Paßvon Iablunka Schlesien und Ungarn verbindet.

In der Stadt Pleß selbst ist 1779 HeinrichGottlob Mühler geboren, der geheime Staats- undIustizminister, der sich so würdig an die hochver-dienten Schöpfer und Verbessere! des preußischenRechts anschließt. Seine Laufbahn im höhern Staats-dienste begann zu Brieg, und in Breslau vergrö-ßerte er den schon in Halberstadt erlangten Ruhmseiner Wirksamkeit, aus deren höchster Sphäre jetztfortdauernd die edelsten Früchte herabfallen. DasKreisdorf Paprotzan ist der Geburtsort des jungenBildhauers Kiß, des genialen Schöpfers der bekann-ten Amazonengruppe, deren Ausstellungsertrag erden armen Schulkindern seines Heimathsdorfes, daser in dem glänzenden Berlin nicht vergaß, zu Schul-büchern überwies. Einen bekannten liebenswür-digen Dichter gebar noch das oberschlesische DorfLubowitz bei Ratibor; es ist v. Eichen borf, dessenLieder den Uebergang von der frommen romantischenSchule zur heine'schen bezeichnen; und JohannesW i t, genannt v. Dörring, der merkwürdige Schriftstellerund Tourist durch die Staatsgefängnisse von halb Eu-ropa, lebt seit 1829 auf seinem Landgute Urbanowitzbei Kosel. Julius Krebs.

Hierzu als Beilagen:1) Friedrich der Große. 2) Greifswald. 3) Das Vorgebirge der Kaipaten.

Verlag von Eduard Pietzsch u, Eomp, in Dresden, Druck von B, G, Teubner in Dresden.