Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
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L

kirche und auch diese reichte später, obgleichnoch die Klosterkirchen der Franziskaner (Minori-ten) und Dominikaner (der grauen und schwar-zen Mönche) dazu gekommen waren, für die im-mer steigende Einwohnerzahl nicht aus, und manführte noch, mit Unterstützung des Herzogs War-tislavIV., bis zum Ansang des 14. Jahrhundertsdas große und schöne Gebäude der Nikolaikircheim gothischen Style auf. Diese Kirche hatte späterihren besonderen Oberpfarrer, und zeichnete sich auchdurch die Feier des Gottesdienstes so aus, daß mansie deßhalb 1456, bei Errichtung der Universität,zu einer Dom- oder Kollegiatkirche mit20 Dom-herren erhob. Außerdem wurden auch noch mehreKapellen errichtet, und 3 Ka landsbrüd erschaf-ten traten gleichfalls zusammen, von denen nochdie sogenannten Konvente als Armenanstalten inGreifswald herrühren.

Mit der Vergrößerung der Gemeinde und Stadtbildete sich auch nach und nach das Magistratscolle-gium immer mehr aus, und es bestand aus 3 Sek-tionen, dem Vorsitzenden, eintretenden und austre-tenden Rath unter 3 Bürgermeistern mit 20 bis 30Rathmännern. Die Wahl der Rathmänner ausden vornehmsten Bürgern und der Bürgermeisteraus der Mitte des Collegiums stand allein bei demMagistrate, und das Regiment desselben war in deneisten Zeiten rein aristokratisch, wie überall, und mitgleichem Mißbrauche der Gewalt. Seine Verord-nungen für die Handwerker hießen Rollen, diePolizeiordnungen dagegen Bauer- und Wurzel-sprachen. Er verwaltete selbstständig und alleinalle Einkünfte und Aemter der Stadt, und legte denBürgern willkürlich Abgaben (Schosse) auf, ohnevon Einnahme und Ausgabe Rechenschaft abzulegen.Darüber kam es 1525 zum Aufruhr der Bürgergegen den Stadtrath, aber selbst durch das Einschrei-ten des Herzogs Georg I. nicht zur gründlichen Hei-lung des Uebels; daher erneuerten sich denn auchvon Zeit zu Zeit die Klagen der Bürger und bra-chen besonders in den Jahren 1556, 1604, 1616,wo die fixe Besoldung der Bürgermeister und Rath-männer eingeführt wurde, 1623 und 1760 aber-mals in Tumult aus. Die Folge davon war end-lich, daß die ursprüngliche Gewalt des Magistratsso, wie sie noch jetzt besteht, von der schwedischenRegierung beschränkt und 170? ein königlicher Bür-germeister unter dem Namen eines Burggrafen er-nannt wurde. Nichts desto weniger erfolgten noch1794 Bürgerunruhen gegen den Stadtrath. Beider Errichtung der Universität schloß der Rath mitden Domherren und Professoren eine förmliche Unionzu wechselseitiger Unterstützung; die Reformation löstediese zwar auf, aber sie ward doch später wiedererneuert. Im Jahre 1531 sprach die Bürgerschaftzuerst den Wunsch aus, daß Luthers Kirchenver-besserung, wie in Stralsund schon geschehen war, ein-geführt werden möchte. Johann Knipstrow,Superintendent in Stralsund, wurde zur Erfüllungdieses Wunsches nach Greifswald gerufen und pre-digte daselbst einige Jahre. Ihm folgten andre An-hänger Luthers, und 1534 gab der treptowscheLandtagsbeschluß der Reformation hier, wie inganz Pommern, gesetzliche Existenz, wiewohl nichtohne einige Reklamationen und Prolestationen. Spä-ter erfuhr auch die Universität die nöthige Umbildung,sowie das Schulwesen, aber erst 1558. Man be-

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schloß die Vereinigung der bisherigen Sckulen beiden einzelnen Kirchen, jede mit einem Oberlehrer,zu einer allgemeinen Stadtschule im Franziskaner-kloster (was aber erst 1561 zu Stande kam), unddaraus ist das heutige Gymnasium hervorgegangen.Waren auch gleich die Jahrhunderte des Mit-telalters nicht ohne Fehden und Unruhen sür Greifs-wald vorübergegangen, so hatten sie doch nicht soverderbliche Folgen gehabt, als die Kriege der neuernZeit, besonders der 30jährige (161848), inwelchem sie durch den kaiserlichen Obersten Peru-sius, seit 1627 durch Wälle und Außenwerke nochmehr befestigt wurde, der brandenburgische (1658bis 60 und 167879), wo die Stadt zweimalbom^ardirt wurde, und der nordische Krieg (1700bis 1720) seit 1711, wo es, nach vielen und schwe-ren Bedrückungen und unerschwinglichen Kriegssteuernden 1. März 1713 nur durch den Edelmuth des dä-nischen Admirals Karlson, welcher mit Löschgeräthund seiner ganzen Schiffsmannschaft der brennendenStadt zu Hilfe kam, vom Untergange durch eineFeuersbrunst, welche durch die Knechte der sächsischenKommissariatspferde entstanden war, und bald nachher,wie Anklam (s. Bor. B.Il. S.184) und Demmin, vonder militärischen Einäscherung durch die Russen gerettetwurde. Denn der russische General Baron von Staff,welcher die Einäscherung der pommerschen Städte aus-führen lassen sollte, stand eben im Begriff, deßhalb nachAnklam abzureisen, als er mit Karlson in ei-nem Weinhause zu Greifswald zusammen kam. Die-ser bat ihn, mit der Vollziehung dieses Befehlesnicht zu eilen, denn er wisse, daß der Widerrufdesselben im Werke sei. Staff aber wollte nichteinwilligen, und Karlson nannte nun, im hitzigenWortwechsel, das russische Verfahren eine Mordbren-nerei, worauf Staff Genugthuung von ihm durchden Degen forderte. Es kam augenblicklich zumZweikampfe auf dem großen Markte, und Karl-son ward auf der Stelle erstochen. Allein der Ge-neral Staff ward, auf Befehl des sachsischen Kom-mandanten von Greifswald, des Generals von Sai-sa n, deßhalb sogleich verhaftet, und dadurch die An-zündung von Anklam so lange verzögert, bis derKurier aus Holstein den Widerruf jenes Befehls zurEinäscherung der pommerschen Städte nach Greifs-wald überbrachte. Bei dem Brande war auchdas Ralhhaus fast ganz in Flammen aufgegangen,und es mußten später, da die Stadt durch den Kriegund andre Unglücksfälle so viel gelitten hatte, zumWiederaufbau desselben milde Beiträge in der Näheund Ferne (auch in Sachsen 1725, wo 863 Thlr.einkamen) gesammelt werden. Neck ein großes Brand-unglück traf die Stadt den 26. Juli 1736. Beidegroße Vranderinnerungen weiden durch ein jähr-liches Brandfest in frischem Andenken erhalten.Während des Krieges waren die Festungswerke vonden Russen ziemlich wieder hergestellt worden; alleinunter der darauf folgenden dänischen Regierung wardnichts dafür gethan, und nach dem Frieden von 1720hörte Greifswald auf, Festung zu sein. Wennauch nicht so verheerend, aber nicht minder verderb-lich für den Wohlstand der Stadt waren die Kriegs-und selbst die Friedensjahre von 18061814. Erstseit der Wiedervereinigung des schwedischen mit demübrigen Pommern unter dem preußischen Zepter kehr-ten auch für Greifswald glücklichere Zeiten zurück.