Druckschrift 
3 (1842)
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machte, welche bei dem Volke noch großes Ansehen genie-ßen, und von welchen in der Kirche des nahen DorfesLomnitz dieOriginalbilder aufbewahrt werden sollen. Essind auch verschiedene Druckschriften über sie vorhanden.Dieser Risch mann war ein Weber aus der Gegend,und entweder Einer jener Unterleibskranken, denenunverständiges Vibellesen die angeblichen göttlichenErleuchtungen zuzog, oder geradehin ein schlauerBetrieger, wie so Viele seines Gleichen, welche erklär-ten, der Geist sei über sie gekommen, weil sie bei ihrerArbeitsscheu es bequem fanden, sich von den mildenGaben des leichtgläubigen Volkes ernähren zu lassen,

Fischbach und Erdmannsdorf (s. Bd. II.S. 32 und Bd. III. S. 8), die beiden königlichenLandsitze, bringen seit einer Reihe von Jahren durchdie hier in der schönen Jahreszeit zum Naturgenusseversammelten hohen Kreise ein vielbewegtes glänzen-des Leben in das Thal. In der Nähe von Erd-mannsdorf bis Seidorf hin, wo die Annakapelleauf dem Gräberberge eine herrliche Aussicht gewährt,liegen die 83 netten und gleichmäßig eigenthümlichenHäuser der Kolonie Zillerthal zerstreut. Je-des derselben ist im untern Stock zur Hälfte derLänge von Mauerwerk, sonst aber von Holz auf-geführt, immer mit einer Galerie und einer Rampezum oberen Stocke und mit einem Schindeldache ver-sehen. Bekanntlich fanden die 1838 angeblich umdes verfolgten Protestantismus willen eingewander-ten Tiroler aus dem Zillerthale hier durch den ver-storbenen König eine großherzige, höchst liberaleAufnahme. Sie wurden mit Allem versehen, waszu einer häuslichen Einrichtung gehört; dennoch mei-nen sie, sich nicht recht heimisch fühlen zu können,da sie hier auch Ackerbau treiben müssen, um ih-ren Lebensunterhalt zu gewinnen, den in der Hei-math ihnen die Viehzucht allein gewährte. Deßhalbsind Viele von ihnen schon wieder dahin zurückge-wandert, und die Schlesier sehen die eingedrungenenund unreinlichen Fremdlinge gern scheiden, welckeden gewöhnlichen Begriff von dem fröhlichen, ach-tungswerthen Volkscharakter der Tiroler gar sehrherabgestimmt haben. Offenbar hat wohl Schlesienhier den Ausschuß derselben empfangen, sowie Deutsch-land bisher den seiniqen an Nordamerikas Küstenauszusetzen pflegt. Es macht übrigens einen selt-samen Eindruck, die jungen Zillerthaler in halberNationaltracht, mit hohen Tuchhüten von meist grü-ner Farbe und anliegenden Beinkleidern zu sehen;noch auffallender ist die melancholische Tracht derWeiber, mit den kurzen Taillen, dem finstern Huteund dem schwarzen weiten Mantel. Sie gehen flei-ßig nach Vuchwald beten, während dessen ihre schle-sischen weltlichern Nachbarn fleißig ihre Feldarbeitbestellen und nur am Sonntage die Kirche besuchen.

An der Straße, unfern von Erdmannsdorf, derneuen und großartigen königlichen Schöpfung, lie-genKäse und Brod." So heißen zwei aufein-ander gethürmte runde Granitblöcke. Der obereruht frei und blos durch seinen Schwerpunkt aufdcmuntern,und man möchte glauben, ihn durch die ge-ringste Kraftanwendung hinabstoßen zu können. Zwi-schen hier und dem Dorfe wird Feldspath für dieberliner Porzellanfabrik gebrochen, auch schöner Quarz-krystall gefunden.

Ein Glanzpunkt unter den Dörfern des Tha-les ist Vuchwald, wo der 1815 verstorbene Be-sitzer, Minister Graf Reden, sich durch die Anlegung

eines kleinen Elysiums verewigte, und hier ehemalsdie geistreichsten Männer Schlesiens um sich ver-sammelte. Das ganze Dorf, mit seinem Schlosse,seinen Waldungen, Teichen, Hügeln, Monumen-ten und Felsgruppen, bildet einen reizenden engli-schen Park, eigentlich ein Prachtlandgut, wie dieEngländer diese Besitzung nennen würden, undgewährt auf allen Anhöhen und Umfichtspunkteneinen freien Blick auf die gewaltigen Umgebun-gen des Hochgebirges. Die vorzüglichsten Punktedieses schönen Ganzen sind: das Orangenhaus, derPavillon, das Wiesenhaus, die Kanzel, der Karo-linensitz, die künstliche Ruine Kesselsburg, das Denk-mal von Klöbers, des verdienten HistoriographenSchlesiens, aus Granitblöcken bestehend, vor Allemaber die Abtei, in gothischem Style mit der Gruftdes edlen Grasen. Buchwald, auch durch seinelandwirthschaftlichen Anstalten interessant, ist un-streitig die Perle aller Gartenschöpsungen und tellu-rischen Kabinetsstücke Schlesiens, die meist gegendas Ende des vorigen Jahrhunderts und in der neue-sten Zeit entstanden sind. Nach diesem Vorbilde gingerst die übrige spätere Kulturschönheit des Thales inRuh-berg, Stohnsdorf, Warmbrunn, Schmiedeberg, Hirsch-berg, Fischbach, Schildau und Erdmannsdorf hervor.

Zwischen Buchwald und Schmiedeberg ist derRuhberg besteigenswerth, dessen freundliche Anla-gen in dem Minister Hoym ihren Schöpfer, und seit1826 in der seit vier Jahren verstorbenen FürstinnLuise v. Radziwill, geborenen Prinzessinn vonPreußen, ihre Pflegerinn hatten, worauf die Be-sitzung an die Familie Ezartoryski siel. Von demniedlichen Schlosse führt ein Fußsteig aufwärts zudem Verggarten. Aus einer natürlichen Felsgrottegenießt man zunächst östlich eine heitere Aussicht,und höher hinauf findet sich ein dunkles Bosket, dieEinsamkeit genannt. Ein anderer Fußsteig führt inmäandrischer Krümmung zurRuhe" und unver»muthet zu einem Grabmahle, einer Pyramide mitUrne. Die Höhe gewahrt einen entzückenden Um-sichtspunkt. Von einem hervorragenden Felsen andem Nordabhange des Hügels überblickt man Hirsch-berg mit seinen Umgebungen.

Manch anderes Dorf d,r Umgegend ist auf an-dere Weise bemerkenswerth. So erinnert Arnsdorfund sein Schloß an den Grasen Gottfried Hein-rich vonMatuschka, den schlesischen Linne, der hierseinen Wohnsitz hatte. In Steinseifen wird We-berei und Feuerarbeit betrieben; auch lebte hier Kahl,ein plastisches Genie des Riesengebirges, der vondemselben ein Modell und später dessen Nachbildunganfertigte, welche in Berlin und Breslau zu sehensind. Das in einzelnen Bauden zerstreute Krumm-hübel ist der Hauptsitz der Laboranten. Es sinddiese Fabrikanten dem Riesengebirge eigenthümlich,und sollen von zwei eines Duells wegen im Iabre1700 flüchtig gewordenen Studenten der Medicinaus Prag abstammen, welche hier sich niederließen,aus den Gebirgspflanzen Arzneistoffe zogen, unddarin die Lehrer der Einwohner wurden. Ihre er-sten Schüler waren Iohann Exner und MelchiorGroßmann, und sie selbst, wie ihre Nachfolger, trie-ben auch medizinische Praxis; jetzt sind diese, nachbestandenem Apothekercramen, auf die Vereitunggewisser Extrakte und Essenzen beschränkt, welchesie, nebst getrockneten Krautern und Wurzeln, andie Apotheken und auf Märkten absetzen. Dabei