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Liefe von mehr als 2000 Fuß der Aupe- oderRipsengrund, in welchen die Aupe hinabstürzt,und den Aupefall bildet. Der Anblick desselbenist erst im Grunde, am Fuße der Riesenkoppe, ge-nußreich, wahrend er, von der Höhe betrachtet, nutgleich einem Silberbande über die Felsen zu glei-ten scheint. Der Vergstrom eilt dann mehre IONSchritte unter der Erde weg, bewässert das Aupe-thal, und nimmt unter dem böhmischen DorfeGroß-Aupe links die kleine Aupe auf. — Außer demAupefalle ist auf dem Hochgebirge vorzugsweise derElbfall im Elbgrunde interessant. Er wird vomElbseisen, einem Nebenarme des eigentlichen Elb-baches (Weißwasser) gebildet, betragt da, wo er amsenkrechtesten ist, 200 Fuß, und eine Granitklippespaltet den Bach in zwei gewaltige Strahlen, diesich fast in Staubregen auflösen, und erst späterwieder vereinigen. Der gegen 800 Fuß hohe Sturzder Pantsche dagegen, ^Stunde entfernt, ist derhöchste in den Sudeten, aber meist sehr wasserarmund deßhalb unbedeutend. — Am meisten bekanntund besucht sind am Nordgehänge des westlichenGebirgsflügels der Zaken- und Kochelfall. Je-nen bildet der vom Reifträger her aus 10 Quellenzusammenströmende kleine Zaken oder das Zakerleüber zwei Felsuorsprüngen in einer etwa 12t) Fußtiefen Schlucht, aus der er durch eine Felsgasse wei-ter wogt. Durch finstere Nadelwaldung gelangt manvon hier zu den sogenannten Branden, den erstenurbaren Theilen von Schreibershau, und dann zumKochelfalle. Der Vergstrom, in der großen Schnee-grube entsprungen, gleitet gegen 50 Fuß über einebreite Felsplatte, wie in einen Trichter, herab. Bei demWasserbecken bezeichnet ein Granitblock den beßtenAnsichtspunkt, und trägt auch eine Marmortafel, mitder Anzeige, daß am 17. August 1802 der verstorbeneKönig Friedlich W ilhelm lll. mit seiner Gemah-linn den Fall besuchte. Ein höchst malerischer Fuß-weg führt von diesem, an der Kochel und dann amZaken entlang, der in einem wild zerklüfteten Strom-bette hinbrauset, zu dem Gasthause zum Kochelfalleund zu dem Vitriolwecke von Schreibershau, dasmit Petersdorf zusammenhängt, wie dieß oft an den zer-streuten schlesischen Gebirgsdörfern wahlzunehmen ist.
Unter diesen ist Schreibcrshau jedenfallsdas zerstreuteste, denn seine 19 Antheile verlierensich im Riesen-, Iser- und Queisgebirge. Man findethier, außer dem Vitriolwerke, 2 Glashütten, 16 Glas-schleifermühlen, 1 Felospathbruch und 2500 Ein-wohner, welche sich meist von Holz- und Glasar-beiten und der Verfertigung musikalischer Instru-mente nähren. — Von hier aus erweitert sichbald das reizende Zakemhal, und wie ein Wahrzei-chen und verkörpertes Traumbild der Vergangenheitblickt von einem hohen Vorberge des Hochgebirgesdie weitbekannte sagenreiche Ruine des Kynastshernieder. Es ist das jüngere Stammhaus derReichsgrafen v. Schaffgotsch, welche, seit dessen Zer-störung durch einen Blitzstrahl im Jahre 1675,Warmbrunn zu ihrem Wohnsitz wählten. (S.Bd. I. S. 70 und 84.)
Der Badeort, vielbesucht wegen seiner Schwe-felthermen und seiner entzückenden Natur, bildetden Mittelpunkt aller Geselligkeit des Hochgebirges,insbesondere des lebendigen, herrlichen hirschbergerThales. Nur eine Meile von Warmbrunn entferntliegt Hirschberg selbst, die anmuthige gewerbreiche
Kreisstadt. Die Blüthenzeit ihres wichtigen Schleier-handels war zwar schon im vorigen Jahrhundertevorüber; allein sie ist dennoch nach Breslau immernoch die wichtigste Handelsstadt der Provinz. Schönist die evangelische Kirche, in Kreuzesform nach demMuster der zu Stockholm erbaut. Sie hat Plafond-gemälde, und ist dadurch merkwürdig geworden, daßam 1. August 1745 der hier predigende ArchidiakonAdolf von einem Blitzstrahle getödtet wurde, dendie eiserne Tragstange der Kanzeldecke herableitete. —Rings um die Stadt sind viele besuchenswerthePunkte, namentlich der Pflanz- oder Kavalier-berg, eine ausgedehnte Höhe mit freundlichen Anlagen;der Sattler, eine wilde Schlucht, vom Vober durch«rauscht und mit einigen grotesken Felsmassen, unddarüber der Helikon, ein Berg mit nun verwilder-ten Anlagen, wegen einiger Aehnlichkeit mit dem grie-chischen Helikon so genannt. Unter dem Hausberge,wo einst die Stadtburg, das Haus am Pechwinkel(Bächewinkel), stand, vereinigt sich der braune Zakenmit dem weißen Bober, und noch eine Strecke weit un-terscheiden sich die beiden Gewässer durch ih« Farbe.Durch das ganze große Thal von Hirschbergbis Schmiedeberg gehen Menschenfleiß und Natur-schönheit so innig Hand in Hand, wie selten in ei-nem solchen Landstriche. Seume, der bekanntlichnicht eben verschwenderische mit seinem Lob war,sagt über dieses Thal: „Selten findet man einen rei-zendern Winkel der Erde, selten bessere Menschen."Große Namen und mit ihnen große Erinnerungenknüpfen sich zum Theil an eine Reihe reizender Land-sitze, deren Schöpfer und Inhaber den Fremdenbe-such mit achtungswürdiger Humanität gestatten.Freundliche Dörfer wechseln an der Straße mit rei-chen Fruchtfeldern, Teichen, Wiesen, Alleen, Park-anlagen und Schlössern; wie von Gigantenhand zer-streut, liegen bald wie Pyramiden, bald wie Burg-trümmer, oder sonst seltsam gestaltete Granitmassenumher, und die zahlreichen Bleichen erinnern dane-ben, daß man sich hier im eigentlichen Vaterlandeder reinen Wäsche befindet; denn überall, im kleinstenDorfe, findet sich das schönste Linnen im Zimmer, Tischund Bett, und so auch an den Menschen, vorzüglich amschönen Geschlecht. — Das Thal ist eine große roman-tische Natürliche, wo an die Gottesschöpfung überalltraulich das Menschenwerk sich anschmiegt, der Rie-senkamm ist ihr Chor und die Koppe ihr Hochaltar.Fast an jede der einzelnen Ortschaften laßt sichin Bezug auf Schöpfungs- oder Menschengeschichteirgend eine inhaltschwere Betrachtung knüpfen. Daist Stohnsdorf, am Fuße des vielbetannten Pru-delberges, dem Fürsten Heinrich I^XIII. von Reußgehörig. Das Schloß umgeben englische Anlagen,und der Ort genießt seiner Naturschönheit, Kunstund der weitberühmten Brauerei wegen ebenso dieBeachtung aller Reisenden, als er zu einem sonn-täglichen Sammelpunkte aller Spazierlustigen desThales dient. Der Prudelberg, diese merkwür-dige Hieroglyphe der Bildung des Urgebirges, erin-nert mit seinen wunderbaren Felsmassen und natür-lichen Grotten an dasOktogon auf Wilhelmshöhebei Kassel, und wird wahrscheinlich von allen Ber-gen des Thales am meisten bestiegen. Die Risch-mannshöhle hat den Namen von dem ProphetenRischmann oder Rischer, der 1630 hier seine erstenWeissagungen über Schlesien, insbesondere Hirsch-berg, unter fürchterlichen Zuckungen und Gebärden