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pen nicht über 15—17 Grab; während untenein warmer Regen fällt, schneit es oft auf ihnen; beieinem frischen, erquicklichen Winde unten, raset obender Sturm. Vom Oktober bis zum Juni lagerndort hohe Schneemassen, und in den tiefen Schluch-ten, wohin die Sonne nicht mit voller Kraft dringt,das ganze Jahr. Eigentlich kann im Hochgebirge nurvon Winter und Sommer die Rede sein, da hierdie Uebergänge nur weniger Wochen bedürfen, wäh-rend in der Ebene fast zweier Vierteljahre.
Das Riesengebirge läßt sich kaum mit Voral-pen vergleichen, und dennoch hört auf dessen Käm-men fast schon alle Vegetation auf, wogegen aufHöhen, zu denen es sich gar nicht erhebt, in denAlpen noch überall schöner kräftiger Pflanzenwuchsist. Die Feldfrüchte gedeihen nur kümmerlich inder niedern Region, die mittlere ist meist mit Na-delwaldung bedeckt, und aus den Kammhöhen vonetwa 4WÜ F. kriecht unheimlich, wie böses Gewis-sen, das Krumm- oder Knieholz ^>inu8 pnmilin)am Boden hin, armdicke, sehr elastische Aeste trei-bend. Es ist den Karpaten, dem Böhmerwaloe undRiesengebirge eigen; sein schönes rothes und harzreichesHolz gewährt gute Feuerung; in Ungarn bereitetman daraus das Krummholzöl und den ungarischenBalsam, und in den Thälern von Hirschberg undWarmbrunn, schnitzt man Becher, Dosen und ähn-liche Kleinigkeiten daraus. Auf den Koppen desRiesenkammes erstirbt der Pflanzenwuchs bis auf'sislandische Moos herab, das auf den dürrsten Klip-pen noch wuchert. Außer ihm sieht man noch denTeufelsbart (»nemone alpine), das goldene Fünf-fingerkraut und zahlreiche Flechten, unter denen dasrostfarbige Veilchenmoos (K)88,i8 inliitms), welchesden Veilchensteinen nach gelinder Reibung den lieb-lichen Geruch verleiht, das bekannteste ist; einereiche Alpenflora aber wuchert auf allen Berglehnenund in den Thälern, wo nur ein Quell rinnt.
An Schneestürzen oder Lawinen fehlt esdem Riesengebirge so wenig als den Alpen; denndie Schneemassen lagern in der Regel 10 Ellen hochund darüber. Allein nur selten kann ihr Sturz fürdie Thäler gefährlich werden, da die waldigen Vor-berge sie aufhalten und zerstreuen, auch die Abhängeweniger hoch und steil sind.
In alteren Zeiten ist im Riefengebirge vielBergbau getrieben worden, und manche Ortschaf-ten verdanken demselben ihre Entstehung, wie z. B.das Baudendorf St. Peters; allein schon lange loh-nen die Gruben nicht mehr. — Die Thierweltbesteht hauptsächlich aus Hausthieren: Rindvieh, Zie-gen und — Katzen. Von Raubthieren wird nurin sehr strengen Wintern allenfalls der Wolf bemerkt;den letzten Bären aber erlegte man bereits 1726.Auch das Hochwild ist selten. Unter den Reptilienbemerkt man oft die giftige Natter (colulier beru«),gegen deren Biß daher feste Stiefeln zu empfehlensind. — Je höher man steigt, desto todter undärmer wird die Natur. Nur ein Auer-, Virk- oderHaselhuhn rauscht bisweilen aus, und auf den Käm-men piepen nur noch die sich jagenden Schneeler-chen zwischen den Knieholzbüschen und Steinklüften;die Schneeamsel ruft, und die Glocken des Weide-viehes läuten durch die öde Stille; selten nur flat-tert ein Schmetterling, summt ein Käser. Es sinddie Hochebenen an Insekten arm. Was davon
den Sudeten nicht eigenthümlich ist, wird nur nochauf den schweizer Alpen gefunden.
Fast der ganze schlesische Theil des Riesengebir-ges gehört dem Grafen von Schaffg o tsch, die böhmi-sche Seite den Grafen Harr ach und Elam-Gallas,und es hat dieser Gebirgszug vor jedem andern gleichhohen Europas voraus, daß er bis an die höchstenKämme bewohnt ist. Die Zahl der sogenanntenBauden oder zerstreuten Hirtenwohnungen im Hoch-gebirge, welche sich jährlich mehren, wird auf 3000angegeben. Solch ein Gebäude besteht aus Schrot-Holz und einem an den schmalen Seiten spitz zulau-fenden Schindeldache; die innere Wandbekleidung istder Wärme wegen aus Brettern, die äußere an derWetterseite aus Schindeln.
Nach ihrer Bestimmung und Bauart unter-scheidet man Sommer- und Winterbauden. Gleich denschweizer Sennhütten und den Salaschen in den Karpa-ten dienen jene nur in den Sommermonaten zum Auf-enthalte der Hirtenfamilien, und sind zerstreut und leichtund luftig an den höchsten Berglehnen zur Benutzungder Sommerweide erbaut. Das Dach ist oft mit Stei-nen beschwert und an den Giebelseiten offen, um dieStürme, welche sonst wohl bald die Baude in dieTiefe schleudern würden, frei und unschädlich durchzie-hen zu lassen. Die Winterbauden sind, als beständigeWohnungen, geräumig und bequem, und meistin den niedern Thälern gruppenartig zu finden.Mondenlang bedeckt sie oft der Schnee bis an'sDach, auch wohl dieses gänzlich, und die Vauden-bewohner versehen sich, wegen dieser Hemmung desVerkehrs mit den niedern Gegenden, vor dem Ein-tritte des Winters, vorsichtig mit allem Nöthigen.Nur durch den Giebel kann man aus der eingeschnei-ten Baude dringen, und muß dann mit Schnee-reifen oder bei Glatteis mit Fußeisen über die Schnee-felder und Berglehnen hingleiten.
Wie in Polens Bauerhütten theilen sich Men-schen und Vieh in den innern Raum der Bauden;doch nicht, wie dort, sind Stall und Stube unge-trennt und gleichbedeutend. Dabei fehlt das Schwein,welches in jeder Hinsicht den polnischen Charakterrepräsentirt; man sieht, außer dem Rindvieh, wieschon bemerkt, an Hauslhieren nur die reinlicheZiege und Katze, und ärmlich, einfach, aber rein-lich sind alle diese Baudenstuben. Ueberwarm ma-chen sie die riesenhaften Kachelöfen, in denen dasganze Jahr gekocht wird. Hinter diesen hocken ge-wöhnlich die kleinern Kinder, meist nackt oder nurmit einem Hemde bekleidet, und oft schon rauchenvier- bis fünfjährige Knäblein Tabak. Vor derWohnstube ist eine enge Hausstur mit der Küche;hinter dieser gegen die Bergseite der Milchkeller miteinem hindurch geleiteten erfrischenden Quell. Diegewöhnliche Schlafstättc ist der Heuboden.
Frühzeitig wird die Jugend an jede Arbeit undWetterlaune bei der einfachsten Kost gewöhnt. Diesebesteht regelmäßig aus Milch, Brot, Butter, Käse,Sauerkraut, Rüben und Erdäpseln, und nur anhohen Festtagen wird allenfalls eine junge Ziege ge-schlachtet. Die Tracht dieser den Bergschotten ähn-lichen Baudenhirten ist eben so einfach als die Kost;die männliche meist blau, des Sonntags schwarz;nur die Weiber gehen bunter. Diese besorgen mitden Greisen den Hausstand; der Mann sichelt in-deß oft an den gefährlichsten Abhängen Futter zu-sammen; auf den Kämmen aber lockt der einsame