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3 (1842)
Entstehung
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58
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schränkten Höhenbegriffen nordischer Flachländer ent-standen sein; denn dieser Höhenzug wäre kaum mitVoralpen zu vergleichen. Auf den Vergleich mitden süddeutschen Gebirgen aber kommt es hier auchgar nicht an, und im Norden rechtfertigt der NameRiesengebirge, da dieses alle andere Höhenzüge über-ragt, sich gar wohl für diesen böhmisch - schlesischenGebirgszug.

Eine andere Eigenthümlichkeit desselben sinddie Schneegruben. So werden einige ungeheuerein den Granitleib des Kammes gerissene, mit Schneegefüllte Schluchten oder vielmehr Felsbusen genannt.Die senkrechten Wände und Säulen der großenSchneegrube sind kühner und sonderbarer geformt,als die der kleinen, von welcher jene durch eineFelswand geschieden wird. Zwischen dem wüsten Ge-trümmer, von Wasser, Frost und Hitze losgesprengt,wuchern mannshohe Pflanzenwälder und Knieholz.In der halbkreisförmigen Schlucht der kleinen Schnee-grube weiden hier und da Grasplätze sichtbar, de-ren im Sommer gewonnenes Heu um hohe Stangengehäuft und im Winter auf Schlitten herausgeholtwird. Merkwürdig für den Geognosten ist im west-lichen Abhänge dieses Felsbusens eine innige Verbin-dung von Vasalt mit dem Granit, wie sie bishernirgends in Deutschland bemerkt wurde. Bei derTiefe der Gruben schmilzt an einigen Stellen, wo-hin die Sonne gar nicht wirken kann, der Schneedas ganze Jahr hindurch nicht weg, daher ihr Name.Eine dritte Schlucht dieser Art heißt die agneten-dorfer Schneegrube, eine vierte die Seisengrube.

Endlich charakterisiren das Riesengebirge nochdie Bergseen, uneigentlich Teiche genannt, da dieKunst an ihnen Nichts gethan hat. Der großeoder schwarze Teich, am Nordgehänge des Lahnber-ges, wird von dem kleinen durch die Bergwand derTeichfelder getrennt. Sein länglich rundes Becken,gegen 500 F. lang und 150 F. breit, dehnt sich zwi-schen hohen, schroffen Ufern von Westen nach Osten,und ist nach der neuesten Messung von 1^38 nur75 F. tief. Sein Wasser hat die Eigenthümlichkeit,daß kein lebendes Geschöpf darin ausdauern kann;dennoch machte im Sommer 1838 ein englischerKapitän sich das Vergnügen, darin zu angeln.Wild und erhaben sind die Umgebungen diesesBergsees, wie die eines ähnlichen in den Karpa-ten, des sogenannten Meerauges, welches Th.Mundt in seinerVölkerschau auf Reisen" so hochpoetisch schildert.^ Die ovale Form und das dunkleGewässer des Sees lassen hier, wie dort, das lau-schende Auge eines bösen Zauberers darin erkennen,dessen versunkene Macht nur noch in der Todein-samkeit dieser Bcrgwelt nach einem nahenden Opferdes Verderbens spähen kann. Wer die Mythe fort-fetzen will, sieht dann vielleicht in dem noch unge-gründeten kleinen Teiche das Auge des Sohnes, derdes Vaters Schicksal theilte. Bedeutsam blickt, gleicheinem Hochaltar der freien Tugend, die Riesenkoppeauf den gefesselten verderblichen Zauberbund nieder.Beide Bergseen haben übrigens das Ansehen vonKratern, und sind auch wahrscheinlich, gleich denSchneegruden, durch vulkanische Ausbrüche ent-standen, obgleich sich keine Lavaspuren finden. Ue-brigens aber sprechen mancherlei Wahrnehmungenfür die Hypothese, daß das Riesengebirge durch Erd-revolutionen seine ursprüngliche Gestalt verloren habe,wie dieß namentlich an der Koppe ersichtlich wird.

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Das Riesengebirge ist für die weite nördlicheEbene bis nach Polen und der Mark nicht blosdie große Wetterscheide, sondern auch der Herd al-ler Wetter und Winde. In oft nur geringer Ent-fernung bemerkt man eine bedeutende Verschieden-heit der Temperatur, welche auch in den Thälernüberraschend wechselt. So kann in Warmbrunn aufeinen drückend heißen Tag leicht ein empfindlichkalter Abend folgen. Die klimatischen Verhältnisseund die dadurch bedingte eigenthümliche, oft magischeBeleuchtung machen überhaupt eine Merkwürdigkeitdes Gebirges aus. Die langen Morgen - und Abend-dämmerungen lassen 10 Sommerwochen lang nichteinmal eigentliche Dunkelheit, viel weniger Nacht ein-treten; dagegen verkürzen sich im Frühlinge undHerbste die Dämmerungen um zwei Stunden. Mor«gen- und Abendröthe sind dabei auf den Höhen sowunderbar malerisch, daß sie allein die Besteigungdes Hochgebirges verdienen.

In lästiger Art spielen später hier, wie auf an-dern Gebirgszügen, die Nebel eine interessante Rolle.Eine rasch aufsteigende kleine Wolke ist oft der Zau-berknoten, woraus binnen wenig Stunden ein dieKämme überwogendes Nebelmeer sich entwickelt undim Waldgürtel des Gebirges sich fest hängt, von wonur große Sturmgewalt es in die Ebene hinabzu-treiben vermag. In phantastischen Gestalten, Os-sians Geistern gleich, ziehen dann die zerrissenenNebel durch die Schluchten, und, steht die Sonne,heruorblitzend und wieder verschwindend, ihnen gegen-über, so erblickt man oft jene zauberhaften Luftge-bilde im Kleinen, welche an der sicilischen Meerengein ähnlicher, aber großartiger und lieblicher optischerTäuschung Fata morgana heißen. Die vorliegendenGegenstände Bäume, Felsmassen, Menschen,Vieh spiegeln sich riefen- und fratzenhaft ab, undvielleicht erklären sich daraus die Räthsel von Rü-bezahl am beßten.

Oft ist im Thale das heiterste Wetter, und dennochsetzt plötzlich die Koppe ihre Haube auf, wie man imGebirge sagt. Eine einzige Wolke verhüllt den Gipfelund bald darauf entspinnt sich dieser eine gespen-stische Nebelwoge nach der andern, welche den Kamm-wanderer oft nur wenige Schritte weit sehen läßt.Eine Baude oder Hirtenwohnung, welche plötzlichaus diesem grauen, lautlosen Chaos auftaucht, ist danndemselben ungefähr, was dem von Stürmen aufdem Ocean umhergetriebenen Matrosen das ersehnteLand. Ein eigentlicher Regen wird auf den Käm-men selten bemerkt; denn die Regenwolken steigengewöhnlich nie so hoch über ihnen auf, um Tropfenbilden und entladen zu können; es ist nur ein Staub-regen. Um so heftiger und anhaltender stürzt derRegen in die Thäler nieder, und wird leicht zuverheerenden Hagelwettern und Wolkenbrüchen, so-bald er von einem Gewitter erregt worden ist. Auchdiese entladen sich selten auf den höchsten Kämmen,wiewohl Blitzstrahlen fast jedes Jahr die Koppe undderen Hospiz treffen; sie ziehen meist tiefer vorüber,und man sieht dort oft die Blitze unter sich kreuzen,während oben der Himmel blau sich wölbt. Ge-wöhnlich folgt einem solchen Gewitter in den Thä-lern ein Landregen. Oft sieht man auf dem Hoch-gebirge auch Feuerkugeln und Sternschnuppen; die er-steren zeigen trocknes Wetter an.

Mitten im Sommer, wenn die Thäler glühen,steigt die Warme auf den höchsten Kämmen und

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