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3 (1842)
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Hirtenknabe das Echo hervor, oder bläst die Schal-mei, ähnlich derTibia der Alten und dem Alphorneder Schweizer. Die Gesundheit versteht bei diesemNaturvölkchen sich noch von selbst, wie es bei allen Völ-kern der Fall sein sollte, und man weiß nichts vonAerzten. Was die moralische Gesundheit betrifft,so steht es damit wie überall; denn der Menschbleibt in Leidenschaften und Thorheiten sich über-all gleich.

Die beiden bedeutendsten Winterbauden^, zu-gleich Hauptquartiere für die Gebirgswanderer aufdem östlichen Kammflügel, sind die Wiesen- oderalte böhmische Baude und die Hampels-, jetzt Adorfs-baude genannt. Die erstere liegt auf der weißenWiese, 4380 Fuß hoch, und ist also die höchstemenschliche Wohnung in Deutschland diesseits derAlpen, zugleich aber auch das erste Haus an derElbe, deren Hauptquellarm, das Weißwasser, indessen Nähe entspringt, und mit den jungen Kräf-ten zum ersten Male den Menschen dient, indemsie ein Butterfaß in Bewegung setzt. Die Ham-pelsbaude liegt am Westabhange der Seifenlehne,und ist der gewöhnliche Lagerort der Besteiget derSchneekoppe von Seidorf, Arnsdorf oder Kcumm-hübel her, sowie die Einkehr für Schleichhändler,denen die wilde Natur des Gränzgebirges das licht-scheue Handwerk sehr erleichtert. Man kann denRiesenkamm eine wahre Hochschule des Schleichhan-dels nennen.

Das Hirtenvolk des Hochgebirges lebt in einereigenen abgeschlossenen Welt, und in den von denKommerzialstraßen abgelegenen Bauden erfahrt mannur spät und selten Etwas von dem Thun undTreiben auf der übrigen Erde. Wenn Einzelne vonihren Höhen herabsteigen, so geschieht es, um ge-gen Butter, Käse und Wintergarn - Brod oderHausgeräth einzutauschen. Diese kehren dann alslebendige Zeitungen, mit einer Tasche voll altbackenerNeuigkeiten und Lügen, aus den Thälern zurück,bringen auch wohl denBoten aus dem Riesenge-birge" mit, eine in Hirschberg erscheinende Wochen-schrift, welche einige politische Hauptbrocken, Anek-doten, kirchliche und Intelligenznachrichten enthält,und dann feiert die Neugierde ein großes Fest.

In den abgelegenen, von Reisenden wenigerbesuchten Bauden herrschen noch Unwissenheit undAberglaube; der letztere aber hat sogar in dem kul-tivirten hirschberger Thale noch vor kurzem die spre-chendsten Beweise geliefert, wie wenig gründliche Auf-klärung in den größeren Volksmassen vorhanden ist.Um so sicherer erhält sich bei den Hirten des Hoch-lands der Glaube an Rübezahl, den mächtigen Gei-stersürsten des Gebirgs, und wird sich noch langeerhalten. Bei dem humoristisch-poetischen Charak-ter, der diesem Geisterglauben beiwohnt, ist erjenem Naturvölkchen wohl so lange zu gönnen, als erdessen Bildungsphäre, wie heute, noch so angemes-sen erscheint. Der Baudenbewobner ist indeß mitseinen ergötzlichen Märchen von Rübezahl jetzt ver-schlossener als sonst gegen Fremde; denn er weiß,daß man in der großen Welt nicht mehr an denBerggeist glauben will. Die Phantasie und Tra-dition der Gebirgsbewohner bewahrt demselben treueralle Eigenthümlichkeiten, als die Märchendichter,welche den Geist nicht immer in seinem wahrenGeiste auffaßten. Man schildert ihn mit einemcharfgezeichneten wohlbenasten Gesichte, und läßt ihn!

2.

in den wildesten Gegenden des Gebirges wohnen,welche nach ihm Rübezahls Kanzel, Garten, Revierund Tafel heißen; der Hauptplatz seines Treibensaber soll auf der Koppe selbst sein. Er erscheint inverschiedenen Thiergestalten, vornehmlich aber alsJäger und Kräutersammler, den Wanderern, führtsie irre, und erregt Donnerwetter, Nebel und Sturm,sobald sie ihn schmähen, belohnt aber seine Vereh-rer mit Steinen und Strohhalmen, die sich inGold verwandeln. Ueberhaupt ist er ein höchst spaß-hafter, gutmüthiger Geist, wahrscheinlich auch eine ge-schichtliche Person, und hat in P r ä t o r i u s sogar einenBiographen gefunden. Erst seit dem 30jährigenKriege behauptete man die Existenz des Berggeistes,und da zu jener Zeit Schätze suchende Italiener aufdem Riesengebirge ihr geheimnißvolles Wesen trie-ben, so hat die Vermuthung viel für sich, diese hät-ten durch allerlei Gaukeleien den Glauben an einenmächtigen Geisterfürsten des Gebirges bei dessenBewohnern zu erwecken und zu befestigen gesucht, umderen Aufmerksamkeit abzuwenden. Hierzu mögen danndie wunderbaren, plötzlichen Nebelgestalten und be-sonders jene magischen Erscheinungen, welche andie Fata morgana erinnern, beigetragen haben.

Wenden wir uns von dieser Charakteristik desRiesengebirges zur Ortskunde desselben, so verdientnach den bereits gelegentlich geschilderten Hauptpunk-ten des Kammes die Schnee- oder Riesenkoppeeine umständlichere Besprechung.

Dieß höchste Velvedere Norddeutschlands, nahean 5UM Fuß über der Ostsee, gleicht einem auf-geschütteten Kegel von Gneus- und Glimmerschie-ferbrocken. Zwischen ihnen schießen nur noch dieseltene ?oa lax» und I^>i2»Ia zpicaw, sowie einigeandere Alpenpflanzen auf, und Wasser kocht bei der ver-dünnten Luft schon bei 72^ Grad R. Ueber dieKoppe und selbst mitten durch deren Kapelle gehtdie schlesisch-böhmische Gränze dergestalt, daß da-durch drei Viertheile des Hochgebirges Oestreich undein Viertheil nur an Preußen überwiesen weiden.In der Laurentius-Kapelle, von 16681681 durchden Grasen Christoph Leopold vonS ch affg o tscherbaut, wurde ehemals an fünf verschiedenen Tagenim Jahre, Koppen-Tage genannt, Gottesdienst ge-halten, sobald das Wetter es erlaubte; seit 1824 aberist das runde feste Gebäude zu einem willkommenenHospiz für die Koppenfahrer eingeräumt. Man über-sieht bei heiterem Wetter fast ganz Schlesien undeinen Theil Böhmens, ein Chaos von Landern, Ge-birgen und Ortschaften, welches SchmidtsBeschrei-bung der Koppe" in seinen Einzelheiten nachweist.Indeß hat man hier weniger einen eigentlich sinn-lichen Genuß derselben, als den großen Eindruckdes Ganzen, und dabei eine moralische Erhebungin dem Gedanken, hoch über dem menschlichen Ge-treide und den kleinen Sorgen und Thorheiten desniedern Alltagslebens zu stehen, und ohne die eigeneEinmischung es zu überblicken. Hier wird es Jedemwunderbar klar, was Schiller mit dem Satze:Aufden Bergen wohnt die Freiheit!" eigentlich sagenwollte. Es ist gerathener, zu einem Koppenbe-suche die späteren Nachmittags- oder Abendstundenzu wählen, überhaupt aber der Aussichten wegen zueiner Gebirgsreise den September, weil dann in derRegel die Luft weit klarer, und magischer die Beleuch-tung des großartigen Panoramas ist.

An der Südseite der Koppe öffnet sich in jäher