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lich bei Ifflands selbstständigem Vortrage; denner hob, in trefflicher Vertheilung von Licht undSchatten, die großen Schönheiten desselben kräftighervor, während er die schwächlichen und mystischsüßlichen Partien mehr zurücktreten, oder zum Vor-theile des Ganzen völlig wegließ. Ueberladen mußtedieß dagegen bei der scenischen Darstellung selbsterscheinen, wo Niemand von seiner Rolle einen dank-baren Effekt aufopfern wollte, und somit eine zugrelle Farbengebung hervortrat.
Iffland war, wie schon bemerkt, ein großerMeister der Mimik. Sowohl für die eigene, alsfremde Rede war die begleitende Gestikulation stetsdurchdacht und angemessen, und nach seiner oft re-gungslosen, gleichsam plastischen Ruhe gewann derBlitz des schönen Auges, oder die einfachste Hand-bewegung, wodurch er dem Zuschauer plötzlich seinenSeelenzustand andeutete, ungleich höhere Wirkung,als die gewöhnliche Mimik sie je erzielt. Ueber diesekörperliche Beredtsamkeit, wie Iffland die Mimiknannte, hat er selbst schätzbare Bemerkungen in sei-nem Almanach für Theater und Theaterfreunde ge-geben. Ein wahrhaft graziöser Anstand und selteneSicherheit der Bewegung auf den Bietern, wodurcher diese als seine eigentliche Heimath darstellte, tratebenfalls als Eigenthümlichkeit bei ihm hervor. SeineRollen studirte und memorirte er so genau, daß erdes Souffleurs wenig bedürfte, und liebte dabeidas Extemporiren. Er setzte dadurch, wenn er beibesonders guter Laune war, und bemerkte, daßMitspieler und Publicum diese theilten, die Ersteren,namentlich in sogenannten chargicten Rollen in nichtgeringe Verlegenheit, indem er Einfälle und Witzfunkeneinstreute, und dabei das Stichwort vergaß, oder ab-sichtlich nicht gab. Man suchte oft, wiewohl meistvergeblich, das Recht der Wiedervergellung anihm zu üben. Ein Fall dieser Art war, als ein be-liebter Komiker an Iffland sich rächen wollte, in-dem er extemporirte: „Da stehen wir nun, wie einPaar Ochsen am Berge!" — und meinte, dadurchIfsland zum Lachen zu bringen. Allein diesersah ernsthaft und so scharf dem Sprecher in's Gesicht,daß Er selbst zu lachen begann. Dieser zog nun ei-nen nahen Stuhl herbei, ließ sich darauf nie-der, und sagte mit Salbung: „Ich sitze!" —Wie drastisch die Wi^ung des Impromplüs war,ist leicht zu begreisen.
In der gedachten körperlichen Beredtsamkeit, sowie in der Kunst, die Schönheit aus der Ruhehervortreten zu lassen, endlich in der entsprechendstenäußern Eharakteristck der Rolle, unterschied IfflandsSpiel sich wesentlich von dem seiner Zeitgenossen,und er ist dadurch der Begründer einer neuen Kunst-schule geworden. Was jener Maler in „AemiliaGalotti" von Rassael sagt, daß dieser, selbst ohneHände geboren, dennoch ein großer Maler gewe-sen wäre, konnte auf Iffland, vielleicht mit größeremRechte, eine ähnliche Anwendung finden, da dieser,wäre er stumm geboren worden, durch seine Ge-bärdensprache, durch welche er in höchster Kunstvor-stellung oft das gesprochene Wort überflügelte, im-mer ein großer Schauspieler gewesen wäre; denn dieleisesten Krümmungen seiner Finger selbst sagtenetwas, sie sprachen und deklamirten.
Durch eine seltene Weihe des Genius in derHerrschaft über Körper und Stimme war jede Darsiellung Ifflands plastisch und musikalisch ge-
rundet und vollendet; in jeder erkannte man dasklarste Bewußtsein wahrhafter Konsequenz, strengeninneren Zusammenhang und vollständige Beherr-schung des Stoffes. Indeß gestand man ihm vor-zugsweise im Sentimentalen, Gemüthlichen, feinKomischen, besonders in der komischen Grandezza,eine geniale Schöpferkraft und unerreichte Meister-schaft zu. Zum Hochkomischen schien ihm die Na-tur weniger zu fehlen, als zum Tragischen. Seltenerschien übrigens seine Persönlichkeit mit der komi-schen Figur seiner Darstellung innig verschmolzen;vielmehr machte er oft den Eindruck, als übe er nocheine Ironie über diese aus, was in hochtragischenRollen, wie in Franz Moor, oft noch nachtheiligerwirkte. In dergleichen, wie in hochkomischen Par-tien, soll er, bei aller hohen Achtung für seinVerdienst, nach dem ziemlich übereinstimmendenUrtheile Berlins, mitunter von Fleck und Unzel-mann übertreffen worden sein. Ein summarischesUrtheil über Ifflands Künstlerthum dürfte darinenthalten sein, daß seine hervorragende Reflexion,bei dem Mangel eigentlicher Gefühlstiefe, ihn mehrfür die ideale Porträtirung gegebener Individualitä-ten, als zur freien Schöpfung wahrhaft künstlerischerGebilde befähigte.
Bei seiner allgemeinen Empfänglichkeit und demallgemeinen Darstellungstriebe war Iffland schonfrüh als dramatischer Dichter aufgetreten, doch hater als Solcher nie den hohen Rang, wie als dar-stellender Künstler erreicht. Die Erfahrung und seineigenes Beispiel haben gezeigt, daß die Verbindungbeider Bestrebungen notbwendig der einen schade, in-dem der Genius des Dichters dabei allzu leicht diepoetische Wahrheit dem Theatereffekt aufopfert, dener als Schauspieler wünscht. Ein magerer prosaischerSandboden liegt vielen ifflandschen Dichtungenzu Grunde; hart und oft unbillig sind sie nament-lich in neuerer Zeit beurtheilt und als stete Fami-lienähnlichkeiten bezeichnet worden. Indeß ist nichtzu läugnen, daß einzelne der darin auftretenden Fa-miliencharaklere auch als stereotype Muster in demeigenthümlichen Kreise scenischer Wirksamkeit, fürden sie gezeichnet wurden, dastehen.
Einen richtigen Maßstab zur Beurtheilung vonIfflands dramatischen Werken giebt Einer seinerFreunde in den nachfolgenden Worten: „IfflandsDichtungen waren Schöpfungen aus seiner Zeit undfür dieselbe; diese selbst war keine jetzige, von will-kürlich selbst geschaffenen philosophischen Kunsttheo-rien verwirrte und zersplitterte, sondern eine in sichklare, natürliche, verständige. Die Zustande dieserZeit spiegelte nun Iffland in seinen Dramen aufpoetische Weise wieder. Er schildert zwar nur einstilles, bürgerliches, politisch unbewegtes Familien-leben in ernstem oder heiterem Tone, aber jedes Malmit der tiefsten psychologischen Wahrheit, welche aufdas Herz oder das Zwerchfell ihre Wirkung nie ver-fehlen konnte. Seine Dichtungen sind, wie seine thea-tralischen Leistungen, Früchte, nicht erwachsen unterden heißen Sonnenstrahlen der Phantasie, sondernunter dem warmen Schirm und Schutze des Ge-müths und am Spalier der Wahrheit gereift," —Ifflands dramatische Werke wurden von ihmselbst in den Jahren 1798—1309 zu Leipzig undBerlin in 18 Oktavbänden gesammelt, und mit treff-lichen Kupfern von Vöhm, Bolt, Jury und an-dern Künstlern geziert. Unter den darin enthalte-