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3 (1842)
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lein vergebens. Sie vermochte die tief gesunkene Le-benskraft des Kranken dieses Mal nicht mehr aufzu-richten. Fast dem Tode nahe, kehrte er nach Ber-lin zurück, wo ihm noch eine große Freude beschie-den war. Der Staatskanzler zeigte ihm an, daßder König sein wohlgetroffenes Bild, von Graffgemalt, für die königliche Gemäldegalerie gekaufthabe. Er dankte kurz vor seinem Tode dem hohenGönner dafür mit Worten des innigsten Gefühls,und schloß mit dem Wunsche, daß Gott ihm nochKräfte gönnen möge, sich feiner dem Dienste desgeliebten Herrn zu widmen und an seiner Helden-bahn sich erheben zu können.

Solche Lebenshoffnung sprach sich auch nochzwei Tage vor seinem Tode in einem herzlichenBriefe an seine in Hannover verheirathete Schwesteraus, und einen Tag vor seinem Ende fuhr ersogar Vormittags mit Genehmigung des Arztes nachEharlottenburg. Nach der Heimkehr diktirte er noch sei-nem treu ergebenen Sekretär Maurer einige Briefe.Eine stille Heiterkeit ruhte auf seinem Wesen, dienur erst des Abends sich in quälende Unruhe ver-wandelte. Er ließ sich während der Nacht aus ei-nem Sessel in den andern tragen, und nahm ge-gen Morgen in einer Ecke des Sophas Platz, wäh-rend der Sekretär, von mehren Nachtwachen erschöpft,in der andern Ecke in einen kurzen Schlummer siel. Als ererwachte, war Iffland, den Kopf auf den Armgestützt, in der ruhigsten Stellung und scheinbarschmerzlos bereits verschieden. Es war am 22. Sep-tember 1814. Seine Beeidigung war feierlich,und das ganze Theaterpersonal folgte seinem Sarge.

Vielfache Anfeindungen und Verläumdungen,denen zu begegnen er verschmähte, waren Iff-lands Schicksal. Den letzteren nach soll ersich Ausschweifungen ergeben haben, dabei stolz,anmaßend und verschwenderisch gewesen sein. Al-lein für die erstere Angabe mangeln wenigstenssichere Beweise, und sein sogenannter Stolz warnicht lächerliche Aufgeblasenheit, sondern nur das ge-wiß nicht übertriebene Bewußtsein seines Werthes,welches sich auch in der Würde der äußern Haltungausdrückte. Vielleicht suchte er dadurch auch biswei-len repräsentativ jener Verachtung zu imponiren,wodurch er seinen Stand bisher so ungerecht ver-unglimpft sah. Wer ihn genauer kannte, will nichteinmal eigentliche Eitelkeit an ihm bemerkt haben,und in der That ist in den Nachrichten über seinetheatralische Laufbahn kaum eine liebenswürdigereBescheidenheit des Eelbstbiographen denkbar.

Den Vorwurf der Anmaßung widerlegt der Um-stand, daß er sich sehr oft nicht die glänzendsten,sondern die schwierigsten Rollen wählte, und mitun-ter selbst Statistendienste nicht verschmähte. Lästigwaren ihm, nach öfteren Aeußerungen, auf seinenKunstreisen oft nach der Vorstellung die vielen Gaf-fer, und unwillig gedachte er einst der Preiserhöhungder Plätze bei seinem Gastspiel in Magdeburg. Da-gegen mag sein kaltes, gebieterisches Wesen als Di-rector, dem Theaterpersonale gegenüber, mehr aufabwehrender Klugheit gegen die übertriebenen An-sprüche mancher Einzelnen, als auf seinem eigent-lichen Charakter beruht haben.

Ebenso unbegründet ist der ihm oft gemachteVorwurf der Verschwendung. Er liebte allerdingseinen stillen, äußern Glanz um sich her, und seinHaushalt glich dem eines wohlhabenden Mannes,

der sich die Befriedigung eines Wunsches nicht ver-sagt, sobald diese in seiner Macht steht. Wer dasGeld als Zweck, nicht als Mittel ansieht, wieIffland, dürfte dieß bei gleichen Einkünften viel-leicht Verschwendung nennen können; allein es mußdamit, dem letzteren Prinzipe zufolge, ein anderer Be-griff verbunden werden, und zwar der des erlaubtenLebensgenusses nach Maßgabe der pecuniären Mit-tel, will man nicht echt philisterhaft nur den derNothwendigkeit für Geldausgaben gelten lassen,um nicht den Vorwurf der Verschwendung zu machen.Iffland war stets überzeugt, daß er nickt reichsterben werde, und sagte:Einen reichen Künstlerkenne ich nicht. Um der Kunst willen muß manleben, und da stirbt man denn auch am glücklich-sten." Er achtete das Geld um so weniger, je leich-ter er es mitunter erwarb, und verwandte einen gro-ßen Theil seiner bedeutenden Einnahmen edelmü-thig auf die Unterstützung von Kunstgenossen, oderderen nachgelassene Familien.

Obgleich er seinen Stand bekanntlich nach derinnigsten Iugendneigung als Beruf wählte, so istes doch sicher, daß er sich darin nicht glücklich ge-fühlt hat. Schon die leiseste Erinnerung an seinekünstlerische Entwickelungsperiode vermochte ihn an-haltend zu verstimmen; denn die düstere Grundlageseines Gemüthes reflektirte nur die Schattenseitendes Schauspielerstandes, insbesondere in Neid undKabale, welche er reichlich erfahren hatte, nicht dendurch sein Talent errungenen Ruhm, noch wenigerdie Behaglichkeit eines materiell reichlich gesichertenLebens. Er schien kein Freund der Geselligkeit, ins-besondere größerer, vornehmer Kreise, zu denen er inBerlin oft geladen ward, aber selten erschien, weil er an-nahm, man erwarte von einem Schauspieler Unter-haltung, auch wohl Belustigung mit einer Art Zu-versicht. Liebenswürdig, oft bis zum Muthwillenlustig, soll er dagegen oft sich unter Menschen be-wegt haben, die seinem Naturell zusagten.

Daß er in einem Berufe, dessen Hindernisseund Schwierigkeiten er selbst tief empfand, dennochden höchsten Anforderungen desselben genügte, istum so bewundernswerther, da seine äußere Erschei-nung nicht eben sein Talent begünstigte, und er durchseine Kunst einen fortwährenden Triumph über dieNatur feiern mußte. Denn er war von nicht an-sehnlicher Gestalt, und dabei untersetzt, wie Garrickund Eckhos. Sein Hängebauch war in späternLebensjahren an sich keine angenehme Zugabe für eineTheatersigur, und stand noch im Mißverhältniß zuden ziemlich magern Schenkeln, während die sehrstarken Waden mit den kleinen Füßen wieder schroffkontrastirten. Ungünstig für die Theaterperspektivewar auch sein volles und rundes Gesicht, Ein herr-liches, schwarzes Auge darin überstrahlte jedoch sie-gend alle die bezeichneten äußerlichen Mißfälligkei-ten, und war der Brennpunkt seines Spieles, des-sen Mimik insbesondere ihrer stets psychologisch mo-tivirten Wahrheit wegen gerühmt ward. Jenes Feuer-auge sicherte ihm dabei eine beispiellose Herrschaftüber das Publicum, was vorzüglich bei Vorlesungen,wo er mimisch auf den Blick beschränkt war, ent-schieden hervortrat. So feierte er einst, nach demUrtheile eines seiner Freunde, einen größeren Triumph,als bei der späteren öffentlichen Darstellung, durchdie Vorlesung von Werners Schauspiel:DieWeihe der Kraft." Das Stück gewann außerordent-

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