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pold hatte jetzt 34,000 Mann, mit denen ei den15. Dzbr. über Wilsdiuff gegen Kesselsdoif austrach,wo 35,000 Sachsen und Kaiserliche, unter des Feld-marschalls Rutowski Befehlen, in einem befestig-ten Lager standen. Um 2 Uhr Nachmittags hattedie preußische Armee ihren mühevollen Aufmarsch be-endet, und durfte mit dem Angriffe nicht zögern,wenn an diesem Tage noch etwas entschieden wer-den sollte. Der erste Versuch, Kesselsdoif zu neh-men, woran sich die linke Flanke der Sachsen stützte,mißlang, der Feind beging aber den großen Feh-ler, die Weichenden durch Infanterie zu verfolgen,wodurch dieselbe auf dem mit frisch gefallnem Schneebedeckten Boden so in Unordnung kam, daß die herbei ei-lende preußische Kavalerie mit dem glücklichsten Erfolgauf sie einhieb, und die Batterien hier bald ihr Feuereinstellen mußten. Leopold erkannte augenblicklichdie ganze Wichtigkeit dieses Moments, ließ eiligstfrische Bataillone gegen Kesselsdorf rücken, und gabBefehl zum Vorschreiten der ganzen Schlachtlinie. Nachzweistündigem, höchst blutigem Kampfe war der Siegvollständig errungen. Jede Partei hatte gegen 5000 Todteund Verwundete, die Sachsen überdieß 5000 Ge-fangene, 48 Geschütze und mehrere Fahnen verloren.Wie entscheidend der Entschluß Leopolds war, denAngriff keinen Augenblick zu verschieben, geht ausdem Umstände hervor, daß der Prinz Karl vonLothringen mit 46,000 Mann bei Dresden, nur 2Stunden davon stand, und am nächsten Tage dieSachsen verstärken, oder diese an sich ziehen konnte,in welchem Fall der König, der an demselben Abendemit seinem Heere bei Meißen ankam, doch wohl Be-denken geträgen haben würde, unter so erschwerendenUmstanden das Glück der Schlachten zu versuchen. We-nige Tage (den 25. Dezbr.) später kam in Dresden derFrieden zu Stande, und so hatte Leopold denRuhm, seine kriegerische Laufbahn mit einem ebenso glänzenden als folgenreichen Siege zu beschließen.
Die wenigen Jahre bis zu seinem Tode brachteLeopold größtentheils in dem gewohnten geschäfti-gen Treiben auf den Exerzierplätzen und in denWäldern zu, fortwährend einer festen Gesundheitund der vollen Geisteskraft sich erfreuend. Am ?.April 1747 benahm ihm jedoch, nach reichlich ge-nossenem Mittagsmahl, ein Schlagfluß den Gebrauchaller Sinne, und in diesem bewußtlosen Zustandeschied er zwei Tage später aus diesem Leben. SeinLeichenbegängniß geschah, nach eigener Anordnung,mit kriegerischer Feierlichkeit, aber ohne allePracht. —
Leopold war einer der merkwürdigsten Män-ner seiner Zeit, von seltener Originalität. SeinAnblick erweckte zugleich Furcht und Vertrauen, jenachdem er gerade gestimmt war, und er würdedurch seine hohe Gestalt noch mehr imponirt haben,wenn er mehr Sorgfalt auf sein Aeußeres verwen-det hätte. Als Mensch betrachtet ist viel an ihmzu tadeln, hauptsächlich seine bis zur Grausamkeitgehende Härte, bei oft unwichtigen Anlässen, unddas eben so willkürliche als rücksichtslose Verfahrengegen Jedermann; denn der Sinn für Gerechtigkeitging ihm gänzlich ab, und seine Wohlthätigkeit ent-sprang ebenfalls nur aus seiner Willkür; er nahmund gab, bestrafte und belohnte nur, wenn undwie es ihm gerade beliebte. Seine Religiosität waraufrichtig in ihren Aeußerungen, aber ganz origi-nell. Als seine Tochter Luise, regierende Fürstinn
von Anhalt-Vernburg, auf dem Sterbebette lag undLeopold zu ihr trat, betete er voll Inbrunst:„Herr, ich bin kein solcher Lump, der Dir bei je-der Hundsfötterei mit Gebeten beschwerlich fällt;ich komme nicht oft, will auch sobald nicht wie-der kommen, so hilf mir denn auch jetzt und laßmeine Tochter gesund werden!"— Vor der Schlachtbei Kesselsdorf betete er vor der Front mit lauterStimme: „Lieber Gott, stehe mir heute gnädig bei;willst Du mir aber dieses Mal nicht beistehen, sohilf wenigstens auch dem Schurken von Feind nickt,sondern sieh', wie's kommt!" — Die Kirche besuchteder Fürst regelmäßig; das ihm sehr gefallende Lied:„Eine feste Burg ist unser Gott," nannte er unseresHerrgotts „Dragonermarsch", sang aber dieses Lied,wie jedes andere, nur nach der bekannten Melodiedesbessauer Marsches, da es ihm unmöglich war, sichandere Melodien zu merken. Von Musik verstand Leo-pold überhaupt gar nichts, und er gerieth eines Tagesin heftigen Zorn, als er zufällig bei der Parade wahr-nahm, daß zwei Waldhornisten nicht mit bließen,weil sie eben pausiren mußten. — Da einer derselbenMuth genug hatte, dem Fürsten dieß bemerkbar zumachen, schnaubte ihn dieser mit den Worten an:„Warte, Kanaille, ich will Dich im Dienste pau-siren lehren," — und trieb den vermeintlichen Saum-seligen durch Stockprügel wieder zum Blasen an.Bei entschiedener Lust zum Schreiben war seine Hand-schrift doch kaum zu entziffern, und setzte die Voll-strecker seiner Befehle oft in die größte Verlegenheit.Einst war ein General durchaus nicht im Stande,den erhaltenen Befehl zu lesen, und schickte seinenAdjutanten damit zum Fürsten zurück, um die nö-thige Aufklärung bittend; aber Leopold selbst wardarin nicht glücklicher, warf den Zettel unwillig in'sFeuer und sagte: „Aber, zum Teufel, ich hab'sja nicht geschrieben, daß ich es lesen soll, sondernihr," und gab darauf den Befehl mündlich. Ueber-haupt hatte seine nächste Umgebung einen hartenStand; nur wer sich nicht einschüchtern ließ undgelegentlich recht grob wurde, konnte bei ihm aus-halten.
Seine Gattinn liebte Leopold zärtlich bis anihr Ende; sie gebar ihm 5 Söhne und 5 Töchter.Der ältestePrinz, Wilhelm Gustav, starb 173?an den Blattern, und war heimlich mit einem Bür-germädchen verheirathet, welches von ihm neun Kin-der hatte; sie wurden später sämmtlich zu Grafenund Gräfinnen von Anhalt erhoben. Die übrigenPrinzen betraten alle die militärische Laufbahn, dreidavon wurden Feldmarschälle. Der jüngste Prinz,Moritz, war des Vaters Liebling, er ließ ihn ohneallen Unterricht aufwachsen, um zu sehen, was dieNatur allein aus ihm machen würde, was zur Folgehatte, daß er weder lesen, noch schreiben konnte,als er bereits General war; auch dieser glänzt un-ter Preußens Feldmarschälle«. Die Prinzessinnenwurden ausschließlich von ihrer Mutter erzogen, undwaren sehr sorgfältig unterrichtet. Außer diesen Kindernhinterließ Leopold noch zwei natürliche Söhne, diebeiden Brüder von Berenhorst, wovon der einesich als geistreicher und sarkastischer Militärschriftstel-ler ausgezeichnet hat; seine „Betrachtungen überdie Kriegskunst" geben manchen wichtigen Aufschlußüber die früheren Verhältnisse; er starb 1313 alsOberstlieutenant in Dessau.
Was das preußische Heer dem Fürsten Leopold