Muleum lür preuhilche haterlandskunde.
Band KZH
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Lief.
Leopold von Anhalt-Dessau,
kinigl. preußischer Feldmarschall.(Beschluß,)
Im Jahre 1735 waren die Aussichten zurOberbefehlshaberstelle im Reichsheere für Leopoldgünstiger, und er reiste mit den beßten Hoffnungenab, die jedoch nicht in Erfüllung gingen, was demKönige sehr lieb war, da sein Verhältniß zum wie-ner Hofe immer gespannter wurde, und er den er-fahrnen Leopold nicht gern von sich lassen mochte.Dieser mußte sich jetzt dem Kronprinzen nochmehr widmen, und ihm in allen Zweigen derKriegführung den sorgfaltigsten Unterricht ertheilen,was seinen persönlichen Einfluß beträchtlich vermehrte.Derselbe wurde noch größer, als Grumbkow 1739mit Tode abging, und der Markgraf von Schwebteine der königlichen Prinzessinnen zur Gemahlinnerhielt. Aber bald nachher (1740) starb auch Fried-lich Wilhelm, und obschon der neue KönigFriedrich II. auf Leopolds Rathschläge großenWerth legte, war er doch viel zu selbstständig inseinen Ansichten, als daß er sich hatte von ihmleiten lassen mögen. Der Schüler übertraf bald sei-nen Meister, und billigte nicht immer dessen An-ordnungen.
Schon die ersten Regierungsakte König Fried-richs II. ließen Leopold befürchten, daß die un-umschränkte Willkür, mit welcher er bisher im preu-ßischen Heere geschaltet hatte, nun bald ein Endenehmen werde. General Schwerin, ein Mann vonmenschenfreundlicher Denkungsart und feinen Sit-ten, wurde zum Feldmarschall ernannt, und nebstseinem Bruder in den Grafenstand erhoben. Gleich-zeitig befahl der König, daß die Soldaten nicht mehrso geschlagen, die Offiziere anständiger behandeltwerden sollten. Leopold, welcher früher Schwe-rin vielfach angefeindet hatte, da er ihn nicht lei-den konnte, fand sich dadurch gekränkt und zeigtesich nur selten bei Hofe.
Im Herbste 1740 starb auch Kaiser Karl VI.,und der König von Preußen, dem sein Vater einwohlgeübtes Heer von 100,000 Mann hinterlassenhatte, war jetzt ernstlich darauf bedacht, seine An-sprüche auf Schlesien mit bewaffneter Hand geltend zumachen. Leopold mißbilligte dieses Verfahren aufeine sehr rücksichtslose Weise, und erhielt deßhalb keinKommando. Der Erfolg dieses kurzen Winterfeld-zuges ist bekannt; aber das Jahr 1741 schien ernst-haftere Ereignisse entwickeln zu wollen, und Fried-rich konnte jetzt den erfahrnen Leopold nicht längerentbehren. Er berief ihn deßhalb nach Berlin, schil-derte ihm die Lage der Dinge, und fand den Für-sten schnell bereit, seine Dienste anzubieten. Vor-läufig erhielt er die Weisung, ein Veobachtungsheervon 30,000 Mann in der Mark zusammenzuziehen.
Ein größerer Antheil am Kriege ward ihm 1742,
wo er dieses Heer nach Ober-Schlesien führte, un-terwegs aber für seine Person zum Könige nachBöhmen abgerufen wurde. Hier erhielt er den Auf-trag, die eroberte Provinz zu besetzen und in gutemVertheidigungsstande zu erhalten, was er auch mitder ganzen Meisterschaft eines tüchtigen Feldherrnausführte, und den König dadurch in Stand setzte, nochmehr Truppen aus Schlesien nach Böhmen zu zie-hen und durch den Sieg bei Ezaslau den Krieg miteinem Schlage zu beendigen. Leopold hatte dieinnere Befriedigung, hierzu wenigstens mittelbar bei-getragen zu haben; sein ältester Sohn wurde fürdie geschickte Führung der Truppen auf dem Schlacht-felde zum Feldmaischall ernannt.
Als der König 1744 auf's Neue in Böhmeneindrang, erhielt Leopold die Statthalterschaft inder Mark. Die zwar versprochene, aber nicht er-folgte Mitwirkung der Baiern und Franzosen brachtejedoch den König so in Gefahr, daß er im Dezbr.den alten Leopold abermals zu sich berief, undihm die Führung des Heeres einige Zeit allein über-ließ, um sich ausschließlich den politischen Geschäftenwidmen zu können. Dieser löste zwar die Aufgabe,Schlesien zu decken, vollkommen, fand sich aber inden neuen, vom Könige getroffenen Einrichtungen imHeere gar nicht heimisch, und wollte Alles noch ingewohnter Weise abmachen. Zwar imponirte er demFeinde durch die unerschütterliche Ruhe und Ord-nung, in welcher er ihm stets entgegenrückte; aber inFriedrichs Heer sing man bereits in jeder Beziehungan, sich freier zu bewegen. In dieser Zeit empfingLeopold die traurige Nachricht von dem Tode sei-ner Gemahlinn, welcher ihn tief erschütterte, ohnenur im Geringsten die Rauhheit seiner Sprachweisezu mildern; denn als er diese Trauerbotschaft sei-nem, im Nebenzimmer krank liegenden Sohne mit-theilen wollte, brachte er vor Schluchzen nurdie Worte heraus: „Moritz, der Teufel hat DeineMutter geholt!"— Mehrere Tage und Nächte blieber vor Schmerz ohne Speise und Scklas.
Der am 20. Januar 1745 erfolgte Tod Kai-ser Karls VII. führte neue Verwickelungen herbei.Der König kam wieder zum Heere nach Schlesien,und übertrug Leopold die Deckung Brandenburgs.Dieser bezog ein Lager bei Halle und beobachtetedie Sachsen, welche zwischen Merseburg und Leipzigstanden. Schon glaubte man, daß sich Alles fried-lich endigen werde, als Leopold ganz unerwartetBefehl erhielt, in Sachsen vorzubringen. Am 29.Novbr. vertrieb er die Sachsen aus der Gegend vonLeipzig, nahm die Städte Torgau und Meißen ander Elbe, um die Verbindung mit dem Könige sicherzu stellen, welcher von Schlesien aus vordrang, gingaber damit nicht rasch genug zu Werke, weßhalb ervon diesem einige harte Vorwürfe erhielt, zugleichaber auch Verstärkungen und den Befehl, die Sach-sen und Oestreich« ohne Verzug anzugreifen. Leo-