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3 (1842)
Entstehung
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summen verschaffte er sich jedoch nur durch Erspar-nisse und gute Führung des eigenen Haushalts, sowie er überhaupt die Abgaben seiner Unterthanenmöglichst zu vermindern suchte und auf die Ver-besserung ihrer Lage wahrhaft väterlich bedacht war.Diese Mischung von Gutmüthigkeit und Härte istein seltsamer Charakterzug; auch darf nicht uner-wähnt bleiben, daß er ein eben so liebevoller Sohnund Vater, als zärtlicher Gatte war. Dieß Alleszusammen, verbunden mit einer stattlichen Persön-lichkeit und dem Zauber kriegerischen Ruhmes, er-warb ihm die Liebe seiner Unterthanen in hohemGrade, und machte viele seiner Gewaltthätigkeitenerträglicher. In demselben Jahre erhielt der Fürsteinen Besuch vom Könige August von Polen; auchlud ihn Prinz Eugen, damals einer der größtenFeldherren, zu einer traulichen Zusammenkunft nachAschersleben, wodurch er sich sehr geschmeichelt fand.Dagegen betrübte ihn der Tod seiner Mutter auf-richtig und tief.

Da General Lot tun» auch im Feldzuge 1709den Oberbefehl über die preußischen Hilfstruppen be-hielt, und Leopold sich wieder nach dem Getüm-mel sehnte, begleitete er den Kronprinzen von Preu-ßen in die Niederlande, verkehrte hier viel mit Eu-gen und Marlborough, wohnte als Freiwilligerder Belagerung von Tournay und der Schlacht beiMalplaquet bei, und kam im November wieder zu-rück. Der Fürsprache dieser beiden ruhmgekröntenFeldherren der Verbündeten verdankte Leopold dieEhre, im Feldzuge 1710 wieder als Oberbefehlsha-ber auftreten zu können. Das preußische Hilfscorpszählte damals 19 Bataillone und 42 Schwadronen,und stand in englischem und holländischem Solde.Er nahm mit gewohnter Thätigkeit rühmlichen An-theil an der Eroberung von Douay, und erstürmtedie Festung Aire, womit der Feldzug endigte.

Der Tod des Kaisers Joseph bewirkte einegroße Veränderung in den politischen Ansichten undBestrebungen der kriegführenden Mächte, weßhalbder Feldzug 1711 ohne wichtige Unternehmungenblieb. Ueberdieß wurde Leopold von einem hefti-gen Fieber befallen, welches ihn längere Zeit in Ve-thune festhielt. Der Feldzug 1712 wurde unter nochweniger günstigen Verhältnissen eröffnet; denn ob-gleich Prinz Eugen fortwährend das Reichsheer be-fehligte, so war doch auch an die Stelle des in Un-gnade gefallenen Herzogs Marlborough der hoch-fahrende Herzog Ormond getreten, auf dessen tha-tige Mitwirkung nicht sehr gerechnet werden durfte.Hierzu kam noch, daß Leopold von Ormondwiederholt aufgefordert wurde, sich von den Kai-serlichen zu trennen und die Feindseligkeiten gegenFrankreich einzustellen, was zu einigen heftigen Auf-tritten Anlaß gab, und von dem preußischen Feld-herrn förmlich verweigert wurde. König Friedrichbilligte sein Verfahren und erneuerte den Befebl, denKrieg gegen Frankreich in Gemeinschaft mit den Reichs-truppen fortzusetzen. Es wurde nunmehr zur Be-lagerung von Landrecn geschritten, die jedoch wegender Niederlage des Generals Albemarle bei De-nain wieder aufgehoben werden mußte, worauf E u-gen die Winterquartiere bezog. FürLeopold bliebaber noch eine besondere Unternehmung in preußi-schen Erbfolgeangelegenheiten übrig, nämlich die Be-sitznahme der Festung Meurs, welcher er sich in derNacht zum 7. November durch einen sehr geschickt

eingeleiteten Ueberfall bemächtigte. Der König be-lohnte ihn dafür mit der Feldmarschallswürde, undernannte ihn zugleich zum wirklichen geheimenKriegsrathe.

Friedrichs I. im Februar 1713 erfolgter Todführte zwar manche wesentliche Veränderung herbei;sein Nachfolger F r i e d r i ch W i l h e l m I. war aber einso großer Verehrer des Fürsten Leopold, daß die-ser nichts dabei verlor. Preußens neuer Monarchdachte vor Allem auf Beschränkung des bisherigenAufwandes, zeigte sich jedoch dem Militärwesen soergeben, daß die ganze Staatsregierung, so weit alsthunlich, nach militärischen Grundsätzen eingerichtetwurde. Leopold stimmte darin mit dem Königevollkommen überein, und befestigte sich dadurch nochmehr in dessen Gunst, die er sich auch zu erhaltenwußte, obgleich der General von Grumbkow, einMann von großem Scharfsinn und vieler Gewandt-heit in Geschäften, hierin ein gefährlicher Nebenbuh-ler war. Schon im eisten Regierungsjahre beehrteder König seinen Feldmarschall mit einem Besuchein Dessau, wo er dessen Gemahlinn mit großerAuszeichnung behandelte und sich viel mit ihr un-terhielt. Auch der neue Kaiser Karl VI. gab demFürsten Beweise seiner Hochachtung, und verliehibm das PrädikatDurchlauchtig", wahrend ihmvon den kaiserlichen Kanzleien bisher nur das Prä-dikatHochgeboren" beigelegt worden war.

Obgleich der spanische Erbfolgekrieg durch denFrieden zu Utrecht für Preußen beendigt wurde, sahsich der König doch immer noch durch Karls XII.Eigensinn bedroht, der selbst im Unglück jeden fried-lichen Vergleich mit Rußland hartnäckig verwarf,und dadurch neue Verwickelungen herbeiführte, dienur durch das Schwert gelöst werden konnten. Zudiesem Zwecke rückte Leopold im Mai 1715 mit2.1,000 Preußen und 8000 Sachsen gegen Stralsund,wo der König von Schweden ganz unerwartet an-gekommen war, und sich bereits mehrere feindlicheHandlungen gegen Preußen erlaubt hatte. FriedlichWilhelm war zwar selbst bei diesem Heere, und auchder König von Dänemark stieß mit seinen Truppen dazu,doch wurde dem Fürsten Leopold der Oberbefehl ganzüberlassen. Dieser hatte nun über 36,000 Mannzu gebieten, und konnte ihm auch Karl XII. nur9000 Mann entgegenstellen, so war dem tollkühnenSchwedenkönige gegenüber doch immer die größteVorsicht nöihig. Bevor daher Leopold zur Bela-gerung von Stralsund schritt, suchte er sich der In-sel Rügen und einiger Küstenpunkte zu bemächti-gen. Zur Einnahme von Rügen waren 18,000Mann bestimmt, welche den 15. November einge-schifft wurden und ohne Schwierigkeit in guter Ord-nung landeten. Es war bereits gegen Abend. Leo-pold stellte diese Truppen sogleich in drei Treffenauf, und ließ das Vordertreffen nicht nur durch vor-gestellte spanische Reiter, sondern auch durch ei-nen tiefen Graben mit Brustwehr decken, woranmit größter Anstrengung bis Mitternacht gearbeitetwurde. Da man den König in Stralsund hin-länglich beschäftigt glaubte, so schienen diese Vor-sichtsmaßregeln bei der großen Ueberlegenheit denVerbündeten ganz überflüssig. Aber der Feldmar-schall wußte, wen er vor sich hatte, und wollte mög-lichst sicher gehen. Der Erfolg zeigte bald, wie weiseer gehandelt; denn KarlXII. war bereits mit 4000