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fthliqte an diesem blutigen Tage den linken Flügelder Verbündeten. Von seinem natürlichen Ungestümangetrieben, warf er sich in den Flußarm, Ritortogenannt; ganze Bataillone folgten seinem Beispieleund suchten das andere Ufer zu erreichen. Mit To-desverachtung trotzten sie allen Gefabren und Schwie-rigkeiten- die Franzosen mußten weichen. Auch derzweite Flußarm oder Kanal ward überschritten, ob-gleich das feindliche Geschütz- und Gewchrfeuer über-aus wirksam war, und viele Hunderte ihren Todin den vom Blute rothgefärbten Fluten fanden.Als aber Leopold seine Truppen über den drittenArm führen wollte, zeigte sich's bald, daß ihre Kräfteerschöpft, die Patronen verschossen oder verdorbenwaren. Dennoch konnte es sein Starrsinn nichtüber sich gewinnen, dem jetzt erhaltenen Vesehlezum Rückzüge Folge zu leisten; bis zum Einbrücheder Dunkelheit behauptete er sich in seiner gefahr-vollen Stellung, und macbte hierdurch den Fran-zosen die Ehre des Tages streitig. Durch die Ver-wundung des Prinzen Eugen ging der Oberbe-fehl an Leopold über, der aber in Folge der au-ßerordentlichen Anstrengungen bei großer Hitze selbstkrank wurde, und sich nach Vrescia bringen lassenmußte. Hier pflegte ihn seine Gemahlinn, die oftdie Beschwerden und Gefabren des Kriegerlebens mitihm theilte, und bewirkte seine baldige Herstellung;der Rest dieses I^bres verstrich jedoch ohne wichtigeEreignisse, so daß Leopold bald in seine Residenzzurückkehren konnte.
Diese kurzen Unterbrechungen der kriegerischenThätigkeit wurden gewöhnlich den Angelegenheitendes Landes, und seiner sich schnell vermehrendenFamilie gewidmet. Leopold ließ Dörfer und Vor-werke bauen, verbesserte seinen Grundbesitz, ver-mehrte ihn durch Ankauft, wobei es nicht immerohne einigen Zwang auf Seiten des Verkäufers ab-ging, und fübrte über alle Verwaltungszweige diegenaueste Aufsicht. Mit größeren Schwierigkeiten hatteer in Berlin zu kämpfen, wo man die rücksichts-lose Gebrauchsweise der Truppen laut tadelte, undden König zu überreden suchte, sein Kontingent ausItalien abzurufen, was Leopolds Einfluß diesesMal noch verhinderte. Er ging deßhalb im Früh-jahr 1706 abermals dahin, und nahm an dem denk-würdigen Zuge nach Turin Theil, welchen Eugenmit seltner Geschicklichkeit ausfübrte, und dadurchseine Vereinigung mit dem Herzoge von Savoyenbewirkte. Der Entsatz von Turin, das der Herzogvon Orleans mit großer Macht belagerte, war dienächste blutige Aufgabe der Verbündeten. Er gelangam 7. September vollkommen, durch einige sehr kühneAngriffe auf die Stellung der Franzosen, kostete aberden preußischen Truppen, mit welchen Leopold eineBatterie von 40 Geschützen angriff und dabei vonanderen Truppen zu spät unterstützt wurde, aber-mals sehr bedeutende Opfer. Der Fürst verlor gleichanfangs sein Pferd durch eine Kanonenkugel, nahmsich indeß keine Zeit, ein anderes zu besteigen, undwurde durch die große Anstrengung so erschöpft, daßer dem Umsinken nahe war. Sein Antheil an die-sem Siege erhielt allgemeine Anerkennung, aber dashochfahrende Benehmen des Herzogs von Savoyen,welcher den verwundeten Preußen seine Hauptstadtverschloß, erbitterte Leopold so sehr, daß er seinerZunge freien Lauf ließ. Nach Unterwerfung der nochvon den Franzosen besetzten festen Plätze bezogen die
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Truppen die Winterquartiere, worauf Leopold insein Land zurückkehrte.
Der Ruf seiner Heldenthaten war ihm voraus-geeilt. Kaiser Joseph überhäufte ihn mit Lobes-erhebungen, aber König Friedrichs Rathgeber spra-chen über die Aufopferung so vieler Truppen, fürein fremdes Interesse oder eitlen Waffenruhm, bit-teren Tadel aus, obschon er selbst dem fürstlichenAnführer alle Gerechtigkeit zu Theil werden ließ.Indeß war Leopold nicht ohne Schlauheit; es ge-lang ihm daher bald, den König zu bewegen, dasKontingent in Italien wieder vollzählig zu machen,und er erbielt 1707 noch einmal den Oberbefehlüber diese Truppen.
Eugen wollte sich mit der Befreiung Ober-italiens nicht begnügen, und entsendete einen gro-ßen Theil seiner Truppen zur Unterwerfung Nea-pels; mit den übrigen Streitkräften rückte er gegenToulon, welches gleichzeitig durch eine englische Flotteangegriffen werden sollte. Auch Leopold mit denPreußen nahm an diesem Zuge Theil, der durchein rauhes Gebirgsland ging. Der Erfolg entsprachjedoch nicht den Erwartungen, und nach einigenfruchtlosen Angriffsversuchen wurde der Rückzug wie-der angetreten. Die Eroberung von Susa, zu wel-cher die Preußen viel beitrugen, beschloß diesen Feld-zug, in welchem es allmälig klar wurde, daß derHerzog von Savoyen nicht gesonnen sei, dem Kö-nige von Frankreich größeren Schaden zuzufügen.Bei einem zu Turin gehaltenen Kriegsrathe über diekünftige Fortsetzung der Operationen kam es daherzwischen Leopold und dem Herzoge zu einigen bit-teren Erklärungen, die zur Folge hatten, daß Er-sterer Italien verließ, um es nie wieder zu betre-ten. Doch brachte er aus diesem Lande eine Erin-nerung mit, die später historischen Ruf erlangte,nämlich den sogenannten dessauer Grenadier-marsch, ursprünglich ein Festmarsch der Lombar-den, welchen sie dem tapsern Fürsten und seinenunerschrockenen Schaoren zum Andenken an dieSchlacht bei Eassano gewidmet hatten.
Im Iabre 1708 zog Leopold nicht in's Feld;denn nach Italien zu gehen bezeigte er keine Lust,und die preußischen Truppen in den Niederlandenbefehligte General L o ttu m bereits seit mehreren Jah-ren mit glücklichem Erfolg. An rastlose Thätigkeitgewöhnt, widmete er dieselbe hauptsächlich der Ver-besserung des Landes und seiner Einkünfte, wobei ermit der ihm eigenen Energie zu Werke ging, ohneviel nach den Gerechtsamen Anderer zu fragen. Soschwebte dem Fürsten fortwährend die Idee vor, daßer der alleinige Besitzer aller Rittergüter und grö-ßeren Grundstücke seines Landes werden müsse, undsuchte deßhalb die Eigenthümer derselben durch güt-lichen Vergleich zur käuflichen Ueberlassung zu be-wegen. Die gebotene Kaufsumme entsprach in derRegel dem Werthe des Besitzthumes nach billigerSchätzung; wer aber in den Verkauf nicht willigenmochte, wurde so lange durch Bedrückungen undQuälereien heimgesucht, bis er sich dazu verstand,oder wohl auch unter mancherlei rechtlichen Schein-gründen gewaltsam aus seinem Belitzthume vertrie-ben. Alle Bitten und Beschwerden, selbst förmlicheKlagen bei dem Reichskammergericht, blieben in sol-chen Fällen fruchtlos, und nach einer Reih« vonJahren hatte Leopold seinen Zweck vollständig er-reicht. Die hierzu erforderlichen bedeutenden Geld-