Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
38
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ihm so ganz, wie dieser in seinem glühenden Eiferfür jeden Genuß des Schönen und Guten. DieHerzinnigkeit, mit welcher Gleim an seinem He in sehing, die väterliche Sorgfalt, die er sein Leben langfür ihn hegte, beurkundet der im I. 1806 erschie-nene Briefwechsel. Es war eine neue gesangreicheZeit für Gleim, in welcher er sich namentlich anden von Bodmer mitgetheilten Minneliedern ergötzte,deren er einige in moderner Umbildung herausgab.Eine Reihe widriger, höchst ärgerlicher Unannehm-lichkeiten des Jahres 1773 hatten Gleim in einedüstere, menschenfeindliche Stimmung versetzt undseine Gesundheit geschwächt, worüber er in Brie-fen an die Karschin klagt, obgleich er denMuth nicht verlor und sein Gottvertrauen da-durch nur erhöhet wurde. In dieser Zeit theilteihm der Konsistorialrath Boysen in QuedlinburgProben seiner Uebersetzung des Koran mit, undGleim fühlte sich von Ton und Inhalt so er-griffen, daß er in dem dadurch angeregten innerenLeben und Schassen Heilung des eigenen Gemüthesfand. So entstand still und heimlichHalladat"oder das rothe Buch, von dem er nur seinem Heinsedie einzelnen Stücke mittheilte/ der seine Freudeund Bewunderung dafür seelenvoll ausspricht. Hal-ladat erschien 1774 in der historischen Mitte vonGleims Leben, und ist auch der Mittelpunkt sei-nes idealen Lebens; seine ganze Stärke, sein Stre-ben, seine Liebe und Güte, seine ganze Act undKunst ist darin niedergelegt; es vereinigt alle Strah-len seines Charakters zu einer Flamme und ist derInbegriff und Ausdruck seines innersten Lebens.Dem größeren Publikum blieb es mehr oder weni-ger fremd, dagegen wurde es das Entzücken der edel-stenGeister. Lessing, Uz, Bodmer, GrafWil-helm zu Schaumburg-Lippe-Bückeburg, dessenedle Gemahlinn Marie Eleonore, Herder,Zimmermann und Wieland sprachen in ihrenBriefen die begeistertsten Urtheile darüber aus. DerWinter 1774 war von allen der gesangreichste undangenehmste durch einen poetischen Verein zwischenGleim, Iacobi, Heinse, Schmidt, Sanger-hausen und Gleim d. I. Jeden Morgen gingbei den Freunden eine verschlossene Büchse herum,in welche ein jeder eine Musengabe, groß oder klein,warf. Wichtiger jedoch war der von Gleim ver-anlaßte poetische Briefwechsel, zuerst mit Iacobi undMichaelis, dann mit Schmidt, Heinse undSangeihausen, und später auch mitGöckingk undTiedge. Gleim liebte auch den Glanz vornehmerFreundschaften, und suchte solche, um seine patriotischenZwecke zu befördern. Im I. 1777 wurde eseinsamer um den alten Gleim, aber er fandeinigen Ersatz in einem lieben Pflegekinde, einerEnkelnichte, Luise Ähren ds. Nachdem er imJahre 177?neue Romanzen" gedichtet, erhob er

1778 noch einmal als Grenadier seine Stimme, alsFriedrich seine Truppen zum Schutz des in der Erb-folge gefährdeten Kurfürsten von Baiern gegen Jo-seph marschiren ließ. Er sendete die neuen Kriegs-lieder an die Armee zur Vertheilung, sie machtenjedoch nicht so allgemeinen Eindruck als die früheren.Diesen folgtenLieder der Liebe" durch Her-der veranlaßt, und mit der lebhaftesten Freude be-grüßt. Auch zwischen seinen zahlreichen Geschwi-stern war unserGleim das Band. Er veranstaltete

1779 eine rührende Familienzusammenkunft aller

Brüder mit ihren Familien, von denen die dreiälteren die zwei jüngeren nicht mehr kannten, zuMagdeburg, deren Resultat ein schönes Gedächtnißihres Geburtsortes sie ließen den Altar der Haupt-kirche neu malen und vergolden sowie das Denkmalihrer Aeltern war. Dieser Zusammenkunft folgte1781 eine zweite der drei älteren unuerheirathetenBrüder zu Halberstadt, bei welcher eine Familien-stifiung zu Unterstützung aller Art für gleimsche Fa-milienglieder beschlossen und festgesetzt wurde, welcheauch später die königliche Bestätigung erhielt. 1783traf unsern Gleim ein erschütternder Verlust durchden Tod seines Lieblingsbruders. Er war nämlichzu jener Zeit sehr hypochondrisch, wobei Mangelan jüngeren Freunden und seltener Briefwechsel derälteren seine Unlust sehr vermehrten. Um so begie-riger ergriff er zwei neue Freundschaften, die einesgewissen Hartmann, den er als Lehrer der Dom-schule nach Halberstadt zog, und die des DichtersTiedge, an dem er schon als Domschüler lebhaf-ten Antheil genommen hatte, und mit denen ernun die heiteren, gesangreichen Tage, die er so sehrliebte, erneuern konnte. Aber von neuem schmerz-lich berührt, wurde er durch den Tod seines Gön-ners und treuesten Freundes, des DomdechantenFreiherrn von Spiegel zum Diesenberg. Gleimfeierte sein Andenken in einigen kleinen Sammlun-gen:Blumen auf Spiegels und auf LeopoldsGrab." Im Sommer desselben Jahres machteGleim zu seiner Erheiterung eine Reise über Göt-tingen, Hannover und Bremen nach Hamburg, sei-nen Klop stock noch einmal zu sehen und dessenedle Freunde kennen zu lernen. Ueberall erhielt er Be-weise der innigsten Verehrung und hatte mancheGelegenheit, seine Menschenliebe und Wohlthätigkeitzu bethätigen. Nach dem Tode des Nachfolgersdes Domdechanten von Spiegel, welcher keinJahr lebte, erhielt diese Würde der regierende Reichs-graf zu Stolberg-Wernigerode, dessen Hause Gleimvon Kindheit an innig vertraut war. Die trefflicheFamilie mit blühenden Söhnen und Töchtern, welcheden alten Gleim Onkel nannten, lebte nun jahr-lich einige Monate zu Halberstadt, und bereitete theilshier, theils auf dem Schlosse zu Wernigerode durchächte Gastfreiheit, Musenliebe, häusliche Feste un-serem Dichter das genußreichste Leben. Im Winterdes Jahres 1785 erreichte er endlich auch einenseiner sehnlichsten Wünsche, eine Audienz bei Fried-rich dem Großen. Am 22, December Nachmit-tags 2 Uhr gelangte er durch den Marchese Lucche-sini dazu, hat jedoch darüber nie etwas veröffent-licht, ja selbst seinen vertrautesten Freunden Mitthei-lungen abgeschlagen, und auch in seinen Papierenhat sich nur eine kleine versisizirte Skizze des Ge-sprächs aus dem Jahre 1795 vorgefunden.

Gleim selbst hatte den Gipfel seiner Wünsche,den schönsten Kranz seines Ruhmes erreicht, undkehrte begeistert vom Anblick und den Worten desEinzigen nach Halberstadt zurück. Leider erfuhrer auf der Rückreise im Thore vor Magdeburg denTod seines dortigen Bruders! Im Frühjahre 1786erneuerte er seines Namens Lob durch eine vollstän-dige Sammlung seiner Fabeln und Erzählun-gen, denen er bald auch die goldenen Sprüchefolgen ließ.

Zum Andenken an den großen Friedrich er-hielt Gleim, zu seiner unendlichen Freude, durch den