Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
37
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L

a.

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Im

dem den Kaufleuten an Raum und Sicherheit ge-gen das Feuer. Dadurch zog sich der Handel zuerstnach Grimma, hierauf nach Taucha und endlichnach Leipzig. Den größten Schaden verursachte dergroße Brand von 1387, da zum Unglück geradeMarkt war und die meisten Kaufleute dabei umihre Waaren kamen. Außer dem Handel war dieBrauerei höchst bedeutend, noch im 17. Jahrhunderte,wie denn das merseburger Bier wegen seiner Güteweit und breit verfahren wurde. Nicht wenig hatdie Stadt auch durch Krieg gelitten. Im 30jähri-gen Kriege besetzte sie Tilly 1631; doch trieb ihndie Niederlage bei Breitenseld bald aus der ganzenGegend. In den Jahren 1636 und 1640 zerstör-ten die Schweden die hölzerne Brücke zwischen derStadt und Neumark, und 1757 steckten sie die Fran-zosen am 31. Oktbr. in Brand. Erst 1786 wardsie vom Kurfürsten Friedrich August aus Qua-dersteinen wieder hergestellt. So litt die Stadt inallen Kriegen bis auf die neuesten Zeiten, erholtesich aber immer wieder durch die Betriebsamkeit ih-rer Bewohner.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim.

(Beschluß.)

Es ist unglaublich, wie er in der Erweckungund Begeisterung junger Gemüther Meister war,wie er namentlich Alles, was ihn umgab und berührte,mit seiner unauslöschlichen Liebe zur Poesie zu be-geistern wußte! So war und blieb er stets unterseinen Freunden das nährende, belebende Prinzip,das sich namentlich auch in dem Vereine mit Uz,Ramler und Götz geltend machte, die sich mitGleim ihre Dichtungen gegenseitig in der Handschriftmittheilten. Gleichwohl brachte ihn hier seine harm-lose Kritik einer Ode Ramlers mit diesem in einMißverhältnis das sich durch Ramlers gereizte Ver-theidigung mehr und mehr verschlimmerte, und endlich zuGleims größtem Schmerze mit einem gänzlichen Bruchezwischen Beiden endigte. Gleims treffliches Herz, dassich im Märtyrerthume der Freundschaft gefiel, litt dabeiso, daß ihn ein tödtliches Fieber befiel, und er sich schondie Grabschrift bestimmte:Die Freundschaft brachteihn um!" Er blieb im Innersten verwundet und al-len Wiedervereinigungsversuchen seiner Freunde, undspäter Ramlers selbst, unzugänglich.

Mit desto größerer Liebe wandte er sich jüngerenFreunden zu, und unter diesen war es zuerst JohannGeorg Iacobi, den er im Jahre 1766 im Badezu Lauchstädt kennen lernte, der ihn durch zarteSchüchternheit und inniges Vertrauen, mit dem ersich ihm näherte, durch die innige, fast weiblicheWeise seines Gesanges, durch seinen feinen Taktfür das Schickliche fast unwiderstehlich anzog, unddessen er sich nun mit seiner gewohnten Freundschafts-sucht bemächtigte, und durch unablässige Aufmun-terung der Muse ganz gewann. Er lud ihn nachHalberstadt ein, und versüßte ihm schon die Reisedahin auf eine Art, die zu charakteristisch ist, umsie nicht mit Iacobis eignen Worten hier mit-zutheilen.Ich machte mich auf den Weg, langteziemlich spät in Aschecsleben an, und indeß ich derThorwache den verlangten Bescheid gab, trat einUnbekannter an meinen Wagen.Ich habe den

Auftrag, Sie in Empfang zu nehmen,"" sagte er imTone eines Polizeidieners, der einen verdächtigenFremden in Verhaft nimmt. Das aber war esnicht; es war Gleims Bedienter, welcher mich ineinen Gasthof brachte, wo ich ein Nachtessen undalles Uebrige zu meiner Aufnahme in Bereitschaftfand. Auch hatte der Bediente Pferde bei sich, mitdenen ich am folgenden Tage weiter reisen sollte.Früh Morgens erwachte ich unter einer angenehmenSymphonie von blasenden Instrumenten, die sichvor meinem Zimmer hören ließ, und die, weil ichan diesem Ort völlig ein Fremdling war, nicht blosetwas Ueberraschendes, sondern etwas Feenmäßigesfür mich hatte; als ich im ersten Erstaunen michaufrichtete und umhersah, öffnete sich die Thürund Gleim stürzte in meine Arme. Schon amvorigen Abend war er angekommen, hatte bei seinemBruder übernachtet, und die Hautboistcn des dor-tigen Regiments in meinen Gasthof bestellt."Gleim brachte seinen geliebten Iacobi ganz nachHalberstadt, indem er ihm durch unmittelbare Ver-wendung beim König die Erlaubniß zum Ankaufeines halberstädtischen Kanonikates erwirkte. Bisdahin, während der Jahre 1767 und 1768, wechsel-ten sie Briefe mit einander. 1769 endlich ließ sichIacobi in Halberstadt häuslich nieder, und sie leb-ten nun wetteifernd in Gesang und Musenlust. Abernoch mehr sollte Gleim sürRamlers Verlust ent-schädigt werden; denn 1771 kam auch BenjaminMichaelis nach Halberstadt, wo ihn Gleim mitseiner unwiderstehlichen Art zu bleiben vermochte.Auch Sangerhausen, Benzler, IähnS, Kla-mer-Schmidt und Gleim der Jüngere warendort, und genossen täglich Gleims edler und sinn-reicher Gastfreundschaft in seinem Tempel derMusen und der Freundschaft, dem schönstenZimmer seiner Wohnung, in welchem er die Bild-nisse fast aller seiner zahlreichen Freunde und der treff-lichsten deutschen Manner gesammelt hatte. Leiderwurde der Freundeskreis im Jahre 177- durch Iahnsund Michaelis Tod gelichtet. Der Letztere hin-terließ sehr arme Aeltern, bei denen nun Gleimdie Stelle des wohlthätigen Sohnes vertrat. Inder Mitte jener jungen Freunde sang GleimAle risund Elise," ein idyllisches Gedicht, veranlaßt durchdie Hochzeitfeier seiner jüngsten Nichte, 1771. Imfolgenden Jahre erschien zuerst die Sammlung derLieder für's Volk" im Selbstverlage, Lieder derFreude an allem Guten und Schönen, was dasLeben im Stande des arbeitenden Volkes, das arg-los, fromm und einfach im Schoose der Natur lebt,schafft. Sie wurden namentlich von Lessing mitder größten Freude und Anerkennung aufgenommen,was Gleim zur Fortsetzung derselben begeisterte, in-dem er zu sagen pflegte:Meine Lieder sing ich im-mer nur für Einen Freund, und dieses EinenFreundes warmer Beifall ist immer mein Apoll."Das Jahr 1772 war durch neue Freundschaften einsehr glückliches für Gleim. Er lernte Bürgerund Johannes Müller, Beide damals auf der Aka-demie zu Göttingen, kennen. In demselben Jahregelang es ihm serner, den feuervollen, darbenden Jüng-ling Wilhelm Heinse, dessen Gluth und Fülleihn fesselte, als Hauslehrer unter dem Namen Rostnach Halberstadt zu bringen.

Mit ihm begann eine neue, jugendliche Zeitfür Gleim; denn keiner seiner Freunde genügte