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der Kaiser Ottos I,, weil er sich gegen den Letzterenempört hatte, durck's Fenster erstochen. — Die Kan-zel, am dritten Pfeiler auf der Kapitels-Seite, un-ter dem Bischof Adolf (51526) aus dem HauseAnhalt künstlich in Schnitzwerk ausgeführt, ist einmcmnichfaltig geschmücktes Kunstwerk, und dient derKirche, wie die Verzierung der übrigen Pseiler undder Wände, zu großem Schmucke. Ueberall sindBilder und Schnitzwerke angebracht, welche den sin-nigen Betrachter eben so angenehm als lehrreich be-schäftigen können. — Den kleinen Altar im hohenChor zieren Gemälde auf Holz, eine Kreuzigungmit vielen Figuren und eine Balsamirung vonLukas Kranach. Auf der ersteren, welche ebenso sehr durch Kunstwerth, wie durch geschichtlichesInteresse ausgezeichnet ist, bemerkt man Luthern,Melanchthon und andere berühmte, auch fürstlicheAnhänger der Reformation unter den Figuren alsSoldaten. Kranach verfertigte dieses Gemälde,als er noch Luthers Feind war, und wollte es spä-ter für eine große Summe wieder an sich kaufen,was ibm aber nicht gewährt wurde. — Unter demhohen Chor ist das Begräbniß der Herzoge von Sach-sen-Merseburg. — Gegründet ward der Dom vomKaiser Ottol., welcher auch das Visthum stifteteund den Mönch Voso aus dem Kloster Emeratibei Regensburg, weil er sich um die Heidenbekeh-rung von Zeih verdient gemacht hatte, zum erstenBischof ernannte. Sein Nachfolger war Ditmar(1915—18), welcher den Dom erweiterte und eineChronik schrieb, die für eine der vorzüglichsten Quel-len zur Geschichte des Mittelalters gilt. Am mei-sten verschönerten aber die Kirche der Bischof Thilovon Trotta (-j-1514), Adolf Fürst zu Anhalt undder Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg.Thilo von Trotta erbauete auch die Bischofs-kapelle, in welcher sich die Bildnisse und Wap-pen aller Bischöfe bis in die Mine des 16. Jahr-hunderts, sowie das Grabmal Ditmars und diemessingene Tumba Thilos befinden. In der Halle,am Eingange des Domes, steht die heil. Kuni-gunda, in Marmor abgebildet, und neben ihr derErzbischof Adalbert von Trier, ihr Bruder. Er-stere trägt einen glühenden Pflugschaar auf der Brust,mit welchem sie sich einst, der Untreue beschuldigt,bei ihrem kaiserlichen Gemahl durch Ordalie (Got-tesurtheil) gerechtfertigt haben soll.
Von dem alten kaiserlichen Schlosse auf demDomplatze, hinter der Propstei, welches die Bischöfeüber 250 Jahre bewohnten, und wo 1080 der Ge-genkaiser Rudolf starb, ist fast keine Spur mehrübrig. Das neue Schloß, neben der Domkirche, er-bauete Bischof Heinrich von Warin im 13., ver-größerte Bischof Thilo von Trotta im 16. undstellte der Kurfürst Johann Georg I., da er eszur Residenz einer seiner Prinzen bestimmt hatte, im1?., so wie die preußische Regierung im 19. Jahr-hunderte wieder her, nachdem früher der HerzogMoritz Wilhelm dasselbe im Innern neu ein-aerichtet hatte. Von außen erblickt man überallRaben in Stein gehauen, urkundlich das Fami-lienwappen des Bischofs Thilo von Trotta, nach derVolkZsage, als Andenken an einen Raben, welcherdem Bischof Thilo von Trotta einen Ring ver-schleppt hatte, den nach einiger Zeit ein Schiefer-decker in einem Rabennest auf einem Thurme derDomkirche wiederfand, nachdem der erzürnte Bischof,
auf den blosen Verdacht, seinen unschuldigen Kam-merdiener hatte hinrichten lassen. — Noch heuti-gen Tages wird zum Gedächtniß ein Rabe auf demDomhofe unterhalten. Nach der unglücklichen Schlachtbei Jena (14. Vktbr. 1806) übernachtete Napo-leon vom 16.—17. Oktbr. im Schlosse. — ImSchloßgarten, welchen ein schönes, vom letzten Her-zog Heinrich gebautes Gartenhaus und 2 Gewächs-häuser zieren, ist ein heidnisches Grabmal aufge-stellt, welches man 1750 mitten im Felde in ei-nem Hügel beim Dorfe Göhlisch fand. Es bestehtaus 6, ein längliches Viereck bildenden Sandstei-nen, welche, äußerlich unbehauen, auf der innernSeite nur abgerieben sind. Man bemerkt daraufverschiedene Züge und Figuren, theils eingegraben,roth und schwarz angestrichen, theils auf den Sieingemalt, namentlich einen rothen Bogen mit schwarzerSenne, einen Streithammer mit schwarzem Stiele tt.Im Grabe fand man eine Urne von röthlichem Thone,einen Streithammer von schwarzem Marmor mit einemLoche, einen tombackartigen Ring und einen langen,scharfen Kieselstein.
Merseburg, urkundlich Martisburg, eineder ältesten und geschichtlich berühmtesten StädteDeutschlands, soll eine Gründung der Römer sein,wie der Bischof Ditmar versichert, der es ein al-les, edles Werk und Gebäude des römischenVolkes nennt, aber ohne hinreichende Beweise da-für zu geben. Allerdings hat man in der Gegendoft Gold- und Silbermünzen von Germaniens,Vespasian ic. gefunden. Jeden Falls war siezu Ditmars Zeiten schon eine alte Stadt, welcheim 9. Jahrhunderte der Hauptort einer Grafschaftgleiches Namens war, die im Hassegau zwischender Saale, Unstrut und Wipper lag und nach demTode des letzten Grafen Esiko, der 199? zu Leip-zig starb, großentheils zum Bisthum Merseburg undErzbisthum Magdeburg geschlagen wurde. Im 19.und 11. Jahrhunderte war sie der Lieblingsaufent-halt der deutschen Kaiser, besonders Heinrichs I.und Ottos I., welche sie zu einer kaiserlichen Re-sidenz erhoben und viele der berühmtesten Reichstage,von denen die Geschichte 15, von 973 bis 1392,erwähnt, hier hielten. Hier war es auch, woHeinrich I. 933 einen glänzenden Sieg, welchendie Besatzung der Burg entschied, über die raubgie-rigen Ungarn davon trug. — Eine der merkwür-digsten Reichsversammlungen war in Merseburg 1152,wo die dänischen Könige Swän, Kanut und Wal-demar, nach vieljahrigem Kampfe um die Herr-schaft, von Kaiser Friedrich l. mit einander ver-glichen wurden. Von 968 bis 1544 war Merse-burg Residenz der Bischöfe, von 1659 bis 1738der Herzoge von Sachsen-Merseburg, deren Hof anPrunk selbst dem dresdener nicht nachstand. Durchalle diese Umstände gelangte die Stadt frühzeitig zueinem ansehnlichen Wohlstande, welcher nur durchmehrmaliges Brandunglück fast gänzlich zerstört wurde,namentlich in den Jahren 1323, 1387, 1499,1479 und 1662, wo die Stadt fast gänzlich ab-brannte. Ihre vier Jahrmärkte, mit denen schonKaiser Heinrich II. 1904 die Stadt beschenkte,waren im Mittelalter fast so bedeutend, als späterdie leipziger Messen; allein die 5 ersten großen Brändebrachten den Handel in Stocken, und viele Einwoh-ner geriethen dadurch in solche Armuth, daß sienicht wieder aufbauen konnten. Auch fehlte es seit-