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denn er erhielt 180? den Orden des rothen Adlersdritter Klasse. Seine Freude darüber entsprang weitweniger aus der Genugthuung seiner Eitelkeit, odernur aus der, welche dem rechten Gefühle seines ei-genen Werthes damit widerfuhr, als vielmehr ausdem Stolze auf die Kunst, der er sich mit so gan-zer Seele geweiht Kalte, und deren Mitgenossen er bis-her in der öffentlichen Meinung noch bisweilen von demalten entwürdigenden Vorurtheile belastet sah, währendder König nun durch den ihm verliehenen Ordendie Achtung für seinen Stand gleichsam sanctionine.(Beschluß folgt.)
Merseburg,
links an der Saale, über welche eine steinerne Brückeführt, in einer angenehmen Gegend, Hauptstadtdes gleichnamigen Regierungsbezirks und Kreises, 1Meile von Lauchstädt, 2 M. von Weißenfels undHalle, 3 M. von Leipzig, 4M. von Naumburg,6 M. von Weimar und Jena, 12 M. von Mag-deburg und 24 M. von Berlin entfernt, hat unge-fähr WO Häuser mit 9500 Einwohnern, 3 Vorstädte,4 Thore, 1 Schloß und 4 Kirchen, ist der Sitz ei-ner königlichen Regierung, eines evangelischen Hoch-siifts und Domkapitels, eines Landrathamtes, ei-nes Geiichtsamtes, eines Superintendenten und ei-ner Forstinspektion. Der Ort wird in die Stadt,die Domfreiheit und die Vorstädte Altenburg,Neumark und Venenien getheilt und von derGeiselbach durchflossen. Unterrichts- und Wohlthä-tigkeitsanstalten sind: 1 Grmnasium (sonst Domschule)1 Bürger-, Knaben- und Mädchenschule, 1 Hebam-meninstitut, 1 Waisenhaus, 1698 von Christian«,Wittwe Herzog Christians 1, gestiftet, und treff-liche Armen-, Arbeits- und Versorgungshäuser, dar-unter das deutsche Haus, ursprünglich zur Er-ziehung von Kindern, deren Väter im Befreiungs-kriege gefallen waren. Die Armen- und Arbeits-anstalten wurden seit 1787 von dem Stiftskanzlervon Vurgsdorf gegründet und von dem Stifts-kanzler von Gutschmid weiter gefördert. — DieEinwohner nähren sich von Landwirthschaft, Gärt-nerei, Gewerben, Tuch - und Leinwandweberei,Brauerei, Branntweinbrennerei, Gerberei, Leim-und Essigsiederei. Dazu kommen noch einige Fabri-ken in Taback, Stärke, Papier ic. — In der Vor-stadt Altenburg, welche schon Bischof Ditmareine alte Stadt nannte, und auch seit den älte-sten Zeiten ihre eigne Kirche hat, befand sich sonstdie Oberforstmeisterei und ein Iagerhof. Daselbstist auch eine Wasserkunst, welche das Saalwasserder Stadt zufülnt, die Königsmühle, das Andreas-Spital, das Waisenhaus und das seit 1787 er-bauet« Armen-, Arbeits- und Versorgungshaus, so-wie eine königliche Stuterei. An die Vorstadt Neu-mark, mit der Thomaskirche, dem ehemaligenFasanenhause und 2 Mühlen, gränzt das kleinePropstci-Dorf und Vorstadt Venenien, sonst Ve-nedigen, scherzhaft so genannt, weil es beim Ueber-treten der Saale stets unter Wasser steht. Vor demSt. Gotthardsthore liegt der große, fischreiche Gott-hardsteich, welcher alle 2 Jahre gefischt wird undviele Hechte und Karpfen, Enten, Schwäne undWasserhühner enthalt. An der Saale liegen noch4 Mahlmühlen und 1 Papiermühle.
Von der ehemaligen Pracht und BerühmtheitMerseburgs, welches nach und nach kaiserliche, bi-schöfliche und herzogliche (bis 1738) Residenz war,zeugen nur noch das Schloß und die Domkirche,welche zusammen ein Viereck mit 7 Thürmen bilden.Seit der preußischen Besitznahme hat indessen die Stadt,als Hauptort des Regierungsbezirks :c. durch die Wie-derherstellung des Domes und Schlosses, durch Wie-dereinsetzung der Domherren in ihre Pfründen, sowie durch Verbesserung der Stiftsschule und derübrigen für die Volksbildung wohlthätigen Anstal-ten sehr gewonnen. Die Stiftsschule gründete Kur-fürst August 1575, nachdem die von seinem Bru-der Moritz 1543 hier gestiftete Fürstenschule nachGrimma verlegt worden war; Cellarius (1688)und Hübner (1694) waren einst Rektoren dieserSchule, jener berühmt als Verfasser vieler philolo-gischer, antiquarischer, historischer und geographischer,dieser als Herausgeber vieler genealogischer, histori-scher und geographischer Schriften, namentlich derbiblischen Historien und der Fragen aus der Geogra-phie, welche bei seinem Leben in 36 Auflagen vonmehr als 100,000 Exemplaren erschienen und in dievornehmsten lebenden Sprachen übersetzt wurden.Der Dom, dessen Schiff durch zwei gothische Säu-lenreihen in ein Mittelschiff und 2 Seitenschiffe ge-theilt wird, bewahrt noch mancherlei merkwürdigeAlterthümer: den Purpurmantel Kaiser Ottos !.,welchen er 968 bei der Einweihung der Kirchetrug; einen gestickten Mantel der Kaiserinn Kuni-gunde, Heinrichs II. (1002—24) Gemahlinn;ein mit Peilen gesticktes Meßgewand, welches derMainzer Erzbischof Willigis 1191 dem BischofWerner von Merseburg schenkte; einen Manteldes heil. Antonius von Paoua; ein rothes, mitGold gesticktes Meßgewand, worauf der heil. Mal-dasius, in der Hand die Zange haltend, mit welcherihm die Zunge ausgerissen wurde; ein violet atlasneSMeßgewand, welches Luther am 2. August 1543trug, als er den Fürsten Georg von Anhalt zumStifts-Koadjutor weihte; ein geweihtes Wachslichtvon 1479; einige Pfeile aus den Schlachten der Un-garn gegen Heinrich I. (933) und Otto l. (955),hinter der Orgel, welche eine der größten in Deutsch-land ist und 4090 Pfeifen mit 4 Klaviaturen hat;eine große Schildkrötenschale, von welcher man sonstWunderdinge erzählte; endlich die vertrockneteHand des Gegenkaisers Rudolf von Schwaben,mit welcher er einst dem Kaiser Heinrich IV. Treueund Gehorsam geschworen, und welche er in derSchlacht bei Mölsen an der Elster den 15. Oktbr.1080 gegen diesen verloren hatte. Er starb zu Mer-seburg, da ihm der Herzog Gottfried von Bouillonoder Niederlothringen, der nachmalige Anführer desersten Kreuzzuges (1096) den Schaft der Reichsfahnein den Leib gestoßen hatte. Auf dem Futteral, worinseine Hand liegt, erblickt man eine Krone, welcheder Papst Gregor VII. ihm mit der Aufschrift:„?eiiÄ l!e<Iit ketro, ?eir>i« clmllenm Nu>I<>!i>!,!),"geschickt hatte. Er liegt im hohen Chöre begraben,und die messingene Tumba auf seiner Gruft stelltihn in Lebensgröße mit Krone, Zepter und Reichs-apfel dar. In älteren Zeiten hatte der Dom noch mebrKostbarkeiten, welche aber im schmalkaldischen Kriege vonden Generalen von Pappen heim und von Thumweggenommen wurden. — Am Hochaltar ward 938Tankmar, der Sohn Heinrichs I, und Halbbru-