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3 (1842)
Entstehung
Seite
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Lebens

L

genwältig, und seine Geschäfte ließen ihm Zeit,der Muse zu leben. Die ersten Blüthen die-ses heiteren Lebens waren:die Schöpfung desWeibes", zwei Sammlungen lieblicher Lieder 1749.Den Mangel an gleichem Umgange in Halberstadtersetzte er durch Briefwechsel mit Kleist, Uz', Sul-zer, Hirzel, Götz, Ramler, Spalding, Krauseund Vodmer, und durch Besuche bei Ebertund Zacharia. 1750 aber machte er eine für ihnwichtige Reise nach Leipzig, wo er Klop stock,Schmidt, Geliert, Rabener, Cramer undSchlegel kennen lernte. Eine Folge davon war,daß Klopstock und Schmidt fast den ganzenSommer 1750 beiGleim in Halberstadt lebten. Inheiterer Iugendlust voll Scherz und Gesang brachten siedie Abende in Lauben oder im Bade zu; oder beimWeinschenken Schmidt, in dessen großer Rosenlaube,den blanken Marmortisch, die Flaschen, Becher undScheitel mit Rosen bekränzt, anakreontisch schwärmend.Auch im Herbste war Gleim wieder mit Klop-stock zusammen; dieser schloß sich immer enger anihn an, und machte ihn zu seinem Vertrauten inseiner bekanntlich nicht sehr glücklichen Liebe zu Fanny.Im August 1752 hatte Gleim die Freude, seinenKlopstock nebst Cramer und Ramler in sei-nem Hause zu bewirthen. Di« glücklichen Freundeerneuerten ihre Musen-, Rosen- und Vecherfeste, zudenen sich noch öftere Partien nach der nahen Roßnippegesellten. Gleim hatte dabei immer mehr Gelegenheit,den hervorstechendsten Zug seines Charakters, seineLeidenschaft zur Freundschaft zu entwickeln,die ihn mit fast tyrannischer Eifersucht jeden Freundganz und gar festzuhalten und für immer an sichzu ketten trieb. Unausgesetzt ging er daher mit hei-teren Planen um, den einen oder andern seinerFreunde nach Halberstadt zu ziehen, ja er trug sichsogar lange Zeit mit der Idee, durch Stiftung einervorbereitenden Akademie zu Halberstadtseine Freunde alle um sich der anzusiedeln. Alleindieselbe Lebhaftigkeit seines Geistes, die diesen hei-teren Planen ihre Entstehung gab, ließ sie auch an denSchwierigkeiten der Ausführung scheitern. Freund-schaft war in Gleims Leben die mächtigste Trieb-feder, das reinste Licht, während er für die Liebewenig Empfänglichkeit besaß, und trotz der vielenLiebeslieber, die er sang, in seinem ganzen Lebennur ein einziges Mal die Süßigkeiten eines glück-lichen Bräutigamsstandes, und nur sehr kurze Zeitgenoß.

Im Winter 1752 53 wollte nämlich seinSchicksal, daß er in Vlankenburg mit der Tochterdes Vergraths Mayer bekannt weiden, sich insie verlieben und mit ihr verloben sollte. Schonwar die Hochzeit auf den 2. Mai 1753 festgesetzt,als das ganze Verhältniß auf eine sonderbare Weise,angeblich aus Eifersucht des Vaters der Braut überdie ihm entzogene Liebe seiner Tochter, sich wiederauflöste. G l e i m reis'« zwar mit seinem Kleist nachBlankenburg, wobei er auf der nachtlichen Rückkehrnoch das Unglück hatte, bei einem Umsturz desWagens den rechten Arm zu brechen, und dasBrauchen mit dem Krankenlager zu vertauschen;allein ihre Bemühungen waren fruchtlos, Gleimüberzeugte sich bei einem letzten Besuche von derUnwürdigkeitseiner göttlichen Sophie", und dieVerlobung wurde durch richterlichen Ausspruch wie-der getrennt. Gleim besaß glücklichen Leichtsinn

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genug, über seine Mädchenkenntniß gegen Uz zuscherzen, und zu singen:

Der ich der Schönen Lob in hundert Liedern sang,

Und ihre Küss' und ihre Tugend;

O wie bereu ich jetzt die Sünden meiner Jugend;

O wie bereu' ich sie mein Leben lang!

Denn welch ein Thor war ich, ich sang

Der Schönen Lob in uncrfahr'ncr Jugend,

Pries ihre Küss' und ihre Tugend,

Und kannte Kuß und Tugend nicht!

Gleichwohl rächte er sich für die trübe Erfahrungnur durch wenige Spottgedichte, und sang dann nachwie vor wieder Kuß und Liebe. Aber er liebtenie wieder. Um so heißer aber ward seitdem seinDurst nach Freundschaft, denn in ihr hatte sichihm Gott am deutlichsten offenbart. Nur durch dieFreundschaft ward ihm das Leben klar, so daßer am Morgen, wie am Abend seines Lebens, demFreunde die schönen Worte schreiben konnte:Weilsolche Männer lebten, und meine Freundewaren, deßwegen ist Unsterblichkeit so ge-wiß, als ich ihr Freund bin!" Dafür nahmer im Herbst 1753 die Tochter seines älteren Bru-ders, Sophia Dorothea Gleim, zu sich, und sieward seitdem, vorzüglich von Geist und Körper, dietreue Pflegerinn seines Lebens.

Eine Reise nach Berlin, welche Gleim imWinter 1754 55 in, Kapitelgeschäften unternahm,wurde wichtig durch die dort geschlossene Freundschaftmit Lessing, und die Veranlassung zur Dichtungseiner ersten 25 Fabeln, die seinen Ruhm sehr ver-mehrten.

Mit dem Jahre 1756 beginnt eine Periode inGleims Leben, welche die zweite hervorstechendsteSeite seines Charakters, die Vaterlandsliebe, weckteund entwickelte. Dem siebenjährigen Kriege, dermit diesem Jahre seinen Anfang nahm, verdanktDeutschland seinen Gleim, wie es ihn bis jetztam meisten kannte und liebte. Er litt in dieserZeit alle Pein der Hypochondrie, und lebte einzigin der Freude an den Thaten des großen Friedrichs,und in den Berichten seins Freundes Kleist, demer beständig auf der Landkarte folgte.Gott er-halte nur unsern großen Friedrich und meinenKleist!" lautete sein tagliches Gebet, und er lebteseitdem in einem fortwährenden Triumphiren überdie ruhmvolle Laufbahn seines Helden, ja er beschloß,nach dem Siege bei Lobositz der Geschichtsschreiber die-ses Krieges zu werden, fühlte jedoch glücklicherweisebald sein Ungeschick zu diesem Berufe als feurigerEnthusiast, und zog es dann vor, seinen Heldenin Liedern zu preisen.Wenn ich der Curtiusunseres Alerand ers Nichtsein soll," sagte er,sowill ich doch sein Homer sein," und so sang er,lange Zeit nur von seinen vertrautesten Freunden ge-kannt, seit dem Oktober 1756 seineberühmtenLieder eines preußischen Grenadiers", in welchen erder? großen König als gottgeschühten Vertbeidigerseines Volkes und Thrones, als den Verfechter derFreiheit und Verfassung des beil. deutschen römischenReiches feiert. Das Osterfest 1757 beging Gleimmit seinem Kleist zu Leipzig, wo sich damals auchLessing aufhielt. Mit welchem Entzücken die bei-den zärtlichen Freunde ihr Wiedersehen genossen, istkaum zu sagen. Kleist, der hart am Fieber dar-niedergelegen hatte, schrieb:Durch Ihren Besuch