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3 (1842)
Entstehung
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bin ich vor Freuden einen Monat eher wieder ge-sund geworden," und Gleim:Das Vergnügen beimeinem beßten, bei meinem einzigen Freunde ist garzu groß gewesen! Ich habe in meinem ganzenLeben nicht dreimal geträumt; jetzt träume ich alleNächte von meinem Aufenthalt bei Ihnen!" Bis-her waren die Schrecken des Krieges von Halber-stadt fern geblieben, allein im Sommer 1757, wäh-rend unser Gleim sich ruhig am Genusse eines er-kauften Gartens erfreute, in welchem er Rosen zusanften Polstern für seinen Kleist pflanzte, wurde dieStadt zuerst durch Gerüchte von der Annäherungder Franzosen erschreckt, und Gleim bereits vonden Landständen zum Deputirten an den Herzogvon Richelieu erwählt. Aber erst im Septemberwurde Fürstenthum und Stadt wirklich der Schau-platz feindlicher Unternehmungen des Herzogs von Ri-chelieu, dessen Truppen bis Leipzig herumschwärm-ten, aber beim Anrücken des Herzogs von Braun-schweig und nach dem Siege bei Roßbach am 5.Noubr. Halberstadt verließen. Doch hatte Gleim ei-nen schmerzlichen Verlust erlitten durch die Ver-wüstung seines Gartens, über den er sich jedochmit den empfindlicheren Verlusten Anderer tröstete.Mein Garten", klagt er seinem Kleist, dem er nunseinerseits Kriegsberichte schrieb;der mein Para-dies war, mein einziges Vergnügen, an dem ichden ganzen Sommer gearbeitet habe, ist in zweiabscheulichen Stunden zur Wüstenei gemacht; abermit ihm ist nur mein Vergnügen dahin. Wieviele tausend arme Leute haben seit acht Tagen ihreinziges Lamm, ihr einziges Huhn verloren, ihreneinzigen Baum!" Mit welcher Freude erfülltedagegen der glänzende Sieg Friedrichs bei Roßbachdas Herz unsers Gleim! Er sang mit Begeisterungsein roßbacher Siegeslied.

Gleims Siegeslieder gaben ihm einen bedeu-tenden Rang unter den vaterländischen Dichtern;wurde auch deren Quelle, sein unbegränzter preußi-scher Patriotismus von Einzelnen verkannt und an-gefochten, und selbst von Lessing, der mehr denWeltbürgersinn hervorhob, als zu laut und aus-schließlich getadelt; so fanden doch die Kriegslieder selbstdie allgemeinste Anerkennung. Alles war ihres Lobesvoll, es war nur eine preisende Stimme über sie; siedrangen tief in's Volk, und selbst die Franzosenpriesen und übersetzten sie in ihren Journalen.Lessing schrieb an Gleim:Versichern Sie demGrenadier, daß ick ihn von Tag zu Tag mehr be-wundere, und daß er alle meine Erwartung so zuübersteigen weiß, daß ich das Neueste, was er ge-macht hat, immer für das Beßte halten muß. EinBekenntniß, zu dem mir noch kein einziger DichterGelegenheit gegeben hat." Die Kriegslieder erschie-nen zuerst, mit einer Vorrede Lessin gs ohne GleimsNamen und er hatte so manche Gelegenheit die unbe-fangensten, belustigendsten und erfreulicksten Urtheiledarüber zu hören. Alle Leiden des Jahres 175?waren jedoch nur ein Vorspiel der Gräuel gewesen,welche Gleim in dem bedrängten Halberstadt imJanuar 1758 erlitt, und die er in gleichzeitigenBriefen an Kleist, Sulzer und Ramler schildert.Der General d'Argenson erpreßte 200M0 Thlr,von der Stadt, plünderte die ganze Gegend undzog dann ungestraft ab. Die Ursache dieser Schreckenwar der kleinmüthige Abzug des preußischen Generals

von Junten, der sich dadurch die größte Erbitte-rung zuzog.

Bald nach dem Abzug des Feindes sah Gleimseinen Klei st wieder, und zwar zum letzten Male. Sieverlebten zu Bernburg, wohin Kleist auf militärischeErecution geschickt war, einige glückliche Tage. Lei-der traf den liebenden Freund schon im folgendenJahre der unersetzliche Verlust seines Kleist. Ersiel am 12. Aug. 1759 bei Kunnersdorf. Gleimerfuhr mit Entsetzen, daß Kleist schwer verwundetin Frankfurt a. d. O. in russische Gefangenschaft gera-then sei; er eilte nach Magdeburg, um von dortaus durch russische Gefangene Hilfe zu bewirken. Hiererfuhr er aberKleists Tod! Sein Schmerz war grän-zenlos und lange war er untröstlich; er hatte fürnichts Sinn, selbst nicht für die Poesie, las nurdes Freundes Briefe, und beschäftigte sich mit derSorge für seine Hinterlassenen und den Ruhm sei-nes Andenkens. Auch später, als der Schmerz sichmilderte, blieb er mit dem Verewigten in fortdauern-der Verbindung; er glaubte, sein Geist sei in sei-ner Nähe, sehe ihm zu, wenn er ein neues Gedichtanfange und lese lächelnd die hingeschriebenen Verse.Wenn er Kindern von guten Engeln erzählte, gaber ihnen immer den Namen Kleist! EinigerErsatz ward ihm im Jahre 1761 durch die persön-liche Bekanntschaft mit der als Dichterinn bekann-ten Karschin, mit der er schon im Briefwechselgestanden hatte, und die er nun auf einer Geschäfts-reise in Berlin selbst kennen lernte. Er bemächtigtesich ihrer Freundschaft mit der gewohnten Leiden-schaftlichkeit, nannte sie seine Sappho, lud sienach Halberstadt ein, und war glücklich in demUmgange der seltenen Frau, welcher mit ihm dieganze Stadt huldigte, und die ihn ihrerseits unterdem zärtlichen Namen ihres Thyrsis gefeiert hat,ohne daß jedoch Gleim andere als freundschaftlicheGefühle für sie empfunden hätte. Dagegen sorgteer von dieser Zeit an bis an ihr Ende für ihr äu-ßeres Leben, und bot ihr stets, wie allen seinenFreunden, eine sichere Zuflucht. Gleich anfangsveranstaltete er mit Sulz er eine Sammlung ihrerbeßten Gedichte, die ihr 2600 Thaler eintrug. Ueber-haupt war der Treffliche unermüdlich mit Planenzur Unterstützung seiner Freunde und aller Hilfsbe-dürftigen, die freilich fast immer in der Ausführungscheiterten, indem er dabei zu sehr auf das Auffin-den gleich Begeisterter rechnete. Er sammelte mitSorgsalt, ja Eifersucht, alle Gedichte der Karschin,und die ihm gewidmeten sogenanntenSapphischenGedichte" sind das Edelste und Reichste, was siegeleistet hat.

Seit dem am 15. Febr. 1763 geschlossenen hu-bertusburger Frieden lebte Gleim in äußerer Be-haglichkeit wieder ganz der Freundschaft und denleichten Musen. Er sangLieder nach demAnakreon", freie Nachahmungen ähnlichen Inhalts,sämmtlich heitere Lebensliebe athmend und voll vonseinen Freunden und von Friedrich; diepe-trarchischen ^Lieder", durch Bodmers Mit-theilung der Minnelieder veranlaßt; brachte Klop-stocksTod Adams", wie früher LessingsPhi-lotas", aus dem Bedürfniß einer edlen theatrali-schen Sprache, in Verse, und dichteteOden nachdem Horaz" und eine kleine SammlungSinnge-dichte," Freilich ging sein geistiges Streben, imgemüthlichen Bezirke eines leicht befriedigten Amtes,

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