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durch diese rasche Bewegung eine Ader auf, wasder Arzt für ein wichtiges Moment der Heilung erklärte.Ueberdieß weckte Gleim in seinem neuen Freunde denschlummernden poetischen Genius, der im „Frühling"und anderen Dichtungen sich so schön entfaltet hat.Gleim und Kleist wurden und blieben von nunan die innigsten Freunde, und reisten im Juli 1744zusammen nach Berlin, wo Gleim die Bekannt-schaft Spaldings und Ramlers machte. DerLetzt« studirte daselbst wider Willen Medizin, undGleim nahm sich seiner dadurch an, daß er ihnals Hauslehrer zu seiner Schwester brachte. Auchden Kapellmeister Graun lernte Gleim dort ken-nen. In demselben Jahre brach noch der zweiteschlesische Krieg aus, und Gleim erlangte durchBitten und Verwendungen endlich die Erlaubniß,den Prinzen Wilhelm beim Heere zu begleiten.Der Marsch ging durch Sachsen nach Böhmen, undGleim verfolgte die wechselnden Szenen des Krie-ges mit dem größten Interesse, und hatte mancheGelegenheit Gutes zu thun. So befreite er einenBauerhof von plündernden Husaren, und des Hau-ses Tochter aus den Händen ihrer Bedränger. Ueber-dieß sah Gleim seinen Kleist in allen Feldlagern,und die Freundschaft und die Musen waren, vonNiemand gesehen, in ihren Zelten. Vor Prag aufdem weißen Berge kochte Gleim für sich und sei-nen Freund eine Kommisbrodsuppe. — Das Glück,welches Gleim durch diesen Umgang mit Kleist,und durch die Gnade seines Prinzen genoß, nahmleider durch des Letzteren Tod ein schnelles Ende.Gleim war untröstlich, selbst der Zuspräche derPrinzen, die in sein Zelt kamen, ihn zu trösten,unzugänglich; der eigenen Lebensgefahr vergessend,saß er beim Sarge des Prinzen, und begleitete danndessen Leiche nach Berlin, wo er zu neuem Schreckenauch einen nahen Freund todt fand.
Vom königl. Generaldirectorium wurde zwarGleim im Jahre 1745 dem alten Fürsten vonDessau als Stabssekretär zugetheilt, allein, da ersich in den rauhen Krieger nicht finden konnte, soverließ er dessen Dienste noch in demselben Jahrewieder, und somit endigte sich seine kriegerische Lauf-bahn, deren er später mit dem größten Vergnügengedachte. Nach einem kurzen Aufenthalt zu Mag-deburg ging er wieder nach Berlin und lebte dortim Hause eines Verwandten, des Prof. Ludolf,bis 1747, zwei Jahre, welche zu den bösen seinesLebens gehören, da sie ohne Erwerb mit mancher-lei Unmuth und Sorgen, und unter verschiedenenmißlungenen Planen und getäuschten Hoffnungenauf neue Anstellung vergingen. So schreibt seineSchwester, die Amtsräthinn Fromme, in dieser Zeitan den ältesten Bruder: „Denke nur, was er ver-zehrt; er wird meinem Mann nun wohl meist 7WThaler schuldig sein, und er ist noch nichts; michjammert er sehr, weil er oft ganz niedergeschla-gen ist! Gott erbarme sich über solchen Zustand!—"Der Umgang mit seinen Freunden war sein einzigerTrost. „Ich sah gestern den schönsten Himmel,"schrieb er an Kleist im Herbst 1746, „ich lag indem angenehmsten Schatten, aus welchem ich dieSpree weit übersehen konnte, da wollte ich meinGemüth in die Ruhe setzen, in welcher sich die ganzeGegend befand; aber die ganze Natur, mit allerihrer Schönheit, die sie als für mich allein auf-stellte, war nicht vermögend, mich zu beruhigen. Sie
gab mir vielmehr Gründe zu größerer Unzufriedenheit;ich beklagte mich, daß die schönste Zeit meines Lebens,daß meine Jugend, die voll schöner heiterer Tage,die voller Frühling sein sollte, unter Verdienst undSorgen verschwinde, und daß sie dem ernsthaftenAlter, das mit starken Schritten herannahe, baldwerde Platz machen müssen, ohne daß ein Blick indie Zukunft, in soweit sie das Irdische begränzt,heitere Tage, Glück und Zufriedenheit entdecke, nach-dem das Schicksal meine Hoffnung so oft betrogen hat.So macht der helle Tag es in meinem Gemüthe nurnoch finsterer; aber sobald ich Sie, werthester Freund,sobald Ihre Freundschaft meine Gedanken einnahm,welche Zufriedenheit, welche Ruhe, welche Stille derSeele war sogleich da! u. —" Endlich wurde er1747 durch seinen Hausgenossen, dem TribunalrathDomherrn von Berg, zum Domsekretär zu Halber-stadt vorgeschlagen, und von den geistlichen Herrenfast einstimmig erwählt. Ehe er dorthin abging,hatte er noch das Glück, durch seine Verwendungseinem Freund Sulzer die Professur der Mathe-matik am joachimsthalischen Gymnasium in Berlinzu verschaffen.
Schon in diesem ersten Abschnitte seines Lebenshatte Gleim sich durch seine Dichtungen einen gu-ten Namen erworben. Sein oben erwähnter „Versuchin scherzhaften Liedern" (1744), durch neue, frische,leichtfertige Anmuth ausgezeichnet, wurde mit demgrößten Beifall aufgenommen. Auch in der dra-matischen Kunst versuchte er sich, sein „blöderSchäfer" wurde auf der berliner Bühne mit großemBeifall gegeben, und rief viel unberufene Nachah-mer hervor, von deren Schäferspielen Gleimselbst sagte, daß man sie Schweinhirtenspielenennen könnte. Gleim war damals noch in dentonangebenden Geschmack der Franzosen versunken,während er später die Vorzüge der Italiener in die-ser Dichtungsart erkannte und würdigte. Das meisteAufsehen machten aber vier satnrische Gedichte: „dieSchäferwelt," „die Vürgerwelt," „das Glück derSpitzbuben" und das „Sendschreiben an das Pflanz-städtlein zu Herrnhut," von denen das erste 1744in Hamburg öffentlich verbrannt wurde! 1756 sanger die drei ersten deutschen Romanzen, ber-liner und leipziger Stadthistorien in scherzhaftemLamentoso voll Einfalt und Treuherzigkeit, wodurchsie nationalen Werth erhielten.
Als Gleim sein Amt in Halberstadt antrat,war er erst nur substituirter Sekretär, bald daraufaber starb sein Vorgänger, und er trat in den vol-len Dienstgenuß der Stelle ein. Sein Leben fließtvon da an, ohne bedeutende Ereignisse, selten ge-trübt, wie eine reine Quelle, ruhig und heiter da-hin; Freundschaft und Vaterlandsliebe wa-ren die schönen Angeln, um die sein Leben sichdrehte, dieses selbst eine Blumenkette fortlaufenderGenüsse, welche ihm Freundschaft und Vaterlands-liebe, so wie die innigste, thätige Theilnahme anallem Großen und Schönen, bereitete, und derendas Leben erfrischende und erhaltende Kraft nur durcheinzelne schmerzliche Ereignisse und trübe Zeiten vor-übergehend geschwächt wurde. Gleims Heiterkeit,sein lebendiger, geistreicher Umgang machte seineLage in der kleinen Stadt sehr angenehm. Alles,was darin auf Geist, Gemüth oder Schönheit An-spruch machen konnte, war ihm zugänglich und ge-