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Flammen ward; weßhalb man ihre Gemeinde indie Domkirche gehen und das Gebäude verfallenließ. Die städtische Haupt- oder St. Wenzels-kilche, nach dem großen Brande von 1517 neugebauet, ist ein großes, schönes Gebäude, wel-ches 1706, 1724 und 1815 mancherlei Ausbesse-rungen erhielt. Sie enthält auch viele Gemäldealtdeutscher Meister, namentlich zur Rechten des Al-tars, ein Gemälde von L. Kranach, die Szenedarstellend, wie Christus die Kinder segnet. Dieschöne, starke Orgel ist ein Hauptwerk von Silber-manns Schüler Hildebrand. Noch befindet sichin der Stadt die Marien-Magdalenenkirche,1518 auf der Stelle einer Kapelle erbauet, mit ei-nem schönen Deckengemälde von Hofmann 1727.In den Vorstädten sind die Othmar- und Mo-ritzkirchen. Auch hatte Naumburg bis zur Einfüh-rung der Reformation 2 Klöster.
Die von Natur schönen Umgebungen der Stadthat man durch Alleen und Obstanlagen noch ver-schönert. Zu beiden Seiten der Saale ziehen sichWeinberge, 3 Meilen weit, von Kosen bis SkoN-leben unter Weißenfels, und man erzeugt weißenund rothen Wein (im Stadtgebiete gewöhnlich 3bis 4000 Eimer), wovon der letztere den Vorzughat und häusig als Burgunder getrunken wird. Au-ßer den nahen Weinbergen gewahren die Ruinenvon Schönburg und Rudelsburg mit Saa-leck, Gosegk, der Garten in Eilau, Schulpforte «.angenehme Ausflüge. Der vornehmste, öffentlicheBelustigungsort bei der Stadt ist der Bürgergar-ten, vom Wundarzte Trumpf 1760 am Galgen-berge angelegt, wo man die schönste Uebersicht desSaal- und Unstrutthales bis Freiburg, Gosegk undSchönburg hat, seit 1801 mit einem neuen Wirtschafts-gebäude; außerdem die Henne, ein freundlich gele-gener Gasthof an der hallischen Fähre über die Saale,und das neue, in edlem Style gebaute, Schieß-haus.
Merkwürdig in seiner Art und Entstehung istdas hiesige Kirschen fest, ursprünglich ein Kin-derfest, am Iakobstage den 25. Juli beginnend,jetzt ein Volksfest, welches zum Andenken an dieRettung der Stadt von den Hussiten unter Prokopdem Großen 1432 gefeiert wird. Diese erschienennämlich, 40,000 Mann stark, vor Naumburg, mitMord und Brand drohend, um Rache an demkürzlich verstorbenen Bischof Gerhard von Gochzu nehmen, weil er auf der Kirchenversammlungvon Konstanz für Hussens Verbrennung gestimmthabe. Vergeblich stellten die Bürger vor, daß siedaran nicht Schuld seien, der beschuldigte Bischofgestorben und sein Nachfolger geflüchtet sei. Pro-kop blieb bei seiner Drohung, und die Feinde mitGewalt abzuwehren war unmöglich. Da that derSchlosser Wolf den Vorschlag, flehende Kinder indas Lager der Hussiten zu schicken. Er fand Bei-fall und hierauf zogen 600 Kinder beiderlei Ge-schlechts in Sterbekleidern, Zitronen in der rechten,Oelzweige in der linken Hand, Mittags den 28.Juli hinaus, sielen vor dem furchtbaren Prokopauf die Kniee und fleheten um Gnade für die Ael-tern und die Stadt. Dadurch ward er gerührt: ererhörte nicht nur ihr Flehen, sondern bewirthete siesogar mit Kirschen und Wein, ließ sie, bei Musikseiner Hussiten, im Lager tanzen, und schickte sieAbends den ängstlich harrenden Acltern mit der
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Versicherung zurück: er werde von Naumburg abzie-hen, ohne ein Huhn mitzunehmen. Dieß that erauch in der folgenden Nacht. Den Platz seines Zel-tes bezeichnete man mit einem Denkstein, der abernach der Zeit verloren gegangen ist. Der BürgerWolf erhielt für seinen klugen Einfall 200 GuldenBelohnung, und den Kindern gab man seitdem all-jährlich diesesKirschenfest, welches nach und nach,besonders seitdem Kotz ebne dieses Ereigniß (dasfreilich durch die Geschichte nicht beglaubigt ist) zumGegenstände eines rührenden Schauspiels: „Die Hus-siten vor Naumburg" gemacht hat, — daher vonMahlmann in seinem „Herodes vor Bethlehem"parodirt — ein beliebtes Volksfest ward, welcheseine Menge Fremde aus der Nähe und Ferne her-beizieht.
Um l Uhr gehen die Knaben der Bürgerschulemit Fahnen und Musik, angeführt von ihren Leh-rern, aus dem Schlosse in die Wenzelskirche, wovor dem Altare die Fahne geschwenkt und ein Dank-lied gesungen wird; hieraus vor das Rathhaus, wodieß wiederholt wird, und endlich unter Gesang undMusik durch das Iakobsthor auf die Vogelwiese,wo die Knaben um den dazu errichteten Tempel,mit passenden Inschriften, einen Kreis schließen.Ein Prediger hält vor dem Altare des Tempels eineRede, nach deren Beendigung Kirschen unter dieJugend ausgetheilt werden. Die Knaben zerstreuensich dann in Gruppen auf der Wiese und belustigensich auf mancherlei Weise. Dabei darf aber niemalsein Tanz, nach einer mit grünen Zweigen geschmück-ten Trommel fehlen, wobei man Ke!8a Victoria, unddazu „es lebe Friedrich Wilhelm!" ruft. Dar-auf folgt ein Knabenball auf dem Schießhause. Abendszieht die frohe Schaar unter Trommelschlag in dieStadt zurück vor das Rathhaus, dann zum Vor-steher der Bürgerschule, wo die Fahne niedergelegtwird. Den folgenden Tag wiederholen die Mädchen,in Verbindung mit den Waisenkindern, das Festziemlich auf dieselbe Art. Den 3. Tag zieht dieJugend entweder auf ein nahes Dorf, oder vergnügtsick wieder auf der Vogelwiese, wo es Zelte undLauben voll Erquickungen und froher Menschen inMenge giebt. Sonst dauerte das Fest eine ganzeWoche, aber wegen der nachtheiligen Zerstreuungund Schulversäumniß hat man es auf 3 Tage be-schränkt.
Naumburg, in Urkunden des 10, Jahrhun-derts Numburg, auch Neue- oder Naueburg, ent-stand bei einer Beste, welche Eckardl. erbauete undzum Unterschiede von einer nahen, älteren, der Alte n-burg, die neue oder Neu bürg nannte. SpurenderAltenburg finden sich noch in dem nahen Dorfegleiches Namens (Almerich), bei welchem auf derHöhe des sogenannten Burgscheitels die Veste stand.Naumburgs Lage in einer fruchtbaren und schönenGegend an 2 Hauptstraßen und am Zusammenflußder Unstrut und Saale, machte den Ort frühzeitigzu einem Handelsplatz, und schon zu Anfange des11. Jahrhunderts war es so bedeutend, daß mandeßhalb 10^8 das Stift von Zeiz in seine Mauernverlegte. Seitdem veranlaßte der Gedächtnißtag(29. Juli) der Heiligen Peter und Paul, welchendas Bisthum geweiht war, starke Wallfahrten nachNaumburg, wo man dann nach der Messe einen großenMarkt hielt, welcher dadurch nach und nach ent-stand, daher Messe hieß und allemal vom 29. Juli