Muleum lür preuhilche HaterlandsKunde.
Band HI.
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Lief. 4.
Naumburg,
Kreisstadt im Regierungsbezirk Merseburg, A bis^ Stunde rechts von der Saale, mit welcher sichunterhalb der Stadt die Unstrut vereinigt, in einerreizenden Gegend, 2 Meilen von Weißenfels, 3 M.von Zeiz, Meiseburg und Jena, 5^ M. von Leip-zig, 28^ M. von Berlin entfernt, besteht aus dereigentlichen Stadt innerhalb der Ringmauer und demGraben, der ummauerten Dom- oder Herren-freiheit, und 3 Vorstädten, dem Georg enberg,der Moritz- und der Oth marsvorsta dt, zähltin 1200 Häusern 12,000 Emwohner, und ist Sitz desOberlandesgerichts für den Regierungsbezirk Mer-seburg und einen Theil des Regierungsbezirkes Er-furt, des Domkapitels, eines Landrathamtes, desLand- und Stadtgerichts, der Dompropsteigerichteund eines bedeutenden Postamtes. Die Stadt istgrößtenteils gut gebauet und gewährt durch ihre vie-len Thürme einen angenebmen Anblick. Ihre vor-nehmsten Gebäude und Anstalten sind: 1 Schloß, 6evangelische Kirchen, 6 Hospitäler, 2 Waisenhäuser, 1Gymnasium, mit einer Bibliothek und Sammlung phy-sikalischer Instrumente, 1 Bürger-, Handels-, Gewerb-und Armenschule, 1 Arbeits- und Armenhaus, 1Sparkasse :c. Auch hat die Stadt schon seit län-gerer Zeit ein Schauspielhaus. Außer den ge-wöhnlichen Handwerken sind Landwirthschaft, Wein-bau, Gärtnerei, Gerberei, Bier- und Essigbrauerei,Branntweinbrennerei, Fabriken und Handel die ver-schiedenen Nahrungsquellen der Einwohner. Manverfertigt wollene Strümpfe, Salpeter, Stärke,Lichte, Seife, Bleiweiß, Vitriol, Scheidewasser ic.Die Handelsartikel bestehen in Materialwaaren, Wolle,Tuch, Federn, Borsten:c.; dazu kommen noch Wech-selgeschäfle und 2 Messen.
Die Domfreiheit umfaßt die Domkirche, dieDom-kurien, die ehemalige Domschule oder das jetzige Gym-nasium, seit 1807 ein neues Gebäude, und die Dom-propstei, worin jetzt das Oberlandesgericht sich befindet.Der Dom, dieHochstifts-und Kathedralkirche zu Peterund Paul, ein sehr langes, großes und das vor-nehmste Gebäude unter den hiesigen Kirchen, welchesden Uebergang von der bnzanrinischen zur altdeutschenBaukunst bezeichnet, ward von den Markgrafen Her-mann und Eckhard ll. 1028 begonnen, aber erst1249 von dem Bischof Dietrich!!, vollendet. VierTbürme sollten das Gebäude zieren, aber der 4. istblos bis an's Kirchendach gefübrt, und die übrigensind auch nicht von gleicher Höhe und Vollendung.Das Ganze, in Kreuzesform, besteht aus dem Schiffe,dem Morgen- und Abendchor, und der Untcrkirche(Krypta). Das Schiff, noch 1750 erweitert, zwischen2 Säulengängen, endigt auf der einen Seite imAbendchor oder der Taufkapelle, auf der andern imMorgen- oder hohen Chor, welches durch die Or-gel vom Schiffe geschieden ist. Das Kirchengewölbe,
von 20 schlanken Säulen getragen, die in Gruppenverbunden sind, gewährt einen erhabenen Anblick.An den hohen, spitzigen Fenstern sind noch schätzbareUeberbleibsel von alter Glasmalerei, Bischöfe, Hei-lige, Kapellen :c. darstellend. Noch enthält derDom viele kostbare Denkmäler altdeutscher Kunstvon Statuen, Schnitz- und Gußwerken, Gemälden :c,,welche archäologische, wie artistische Aufmerksamkeitverdienen. Die Taufkapelle zieren 12 schöne männ-liche und weibliche Bildsäulen, namentlich der Mark-grafen Hermann und Eckhard II, mit ihren Ge-mahlinnen Swanhilde und Jutta, des GrafenSizzo von Käfernburg, einiger Grafen von Kam-burg, Plässen ic. Die Aufschriften einiger dieserStandbilder deuten ihre Gleichzeitigkeit mit dem Baueder Kirche an. Im Chöre hinter der Kanzel sindschöne, halberhabene Darstellungen aus der Leidens-geschichte angebracht; auf dem hohen Chor befindensich einige Gemälde, darunter 2 Altarflügel, wahr-scheinlich von einem der Kranache, sich auszeich-nen, und über einem Nebenaltar ein Altaiblatt mit2 Seitenflügeln, ganz im Style Albrecht Dürers,doch ohne dessen Zeichen. — Das Morgenchor mitdem Hochaltar und den Chorstühlen für die Chor-herren und Vikarien fällt angenehm in die Augen,und enthält ebenfalls schöne Glasmalereien undhübsche Gemälde, namentlich das Bild des letztenkatholischen Bischofs Julius von Pflug, 2 Ge-mälde von Lukas Kranach, den Pfalzgrafen Phi-lipp am Nbein und Bischof von Naumburg, undden Bischof Johann von Schönberg. Auf denPulten der Lhorstühle liegen 4 kostbare Missalbüchervon Pergament mit Möncksschrist und sauber ge-malten, vergoldeten Anfangsbuchstaben, ein Geschenkdes Bischofs Johann von Schönberg im 15.Jahrhunderte, der hier knieend dem Domkapitel dieKapitulation beschwor. — Unter dem bohen Chorbefindet sich die Unterkirche, ein langes, schauerliches,auf Säulen ruhendes Bogengewölbe, wo ehedemauf dem Altar der 12 Apostel, beim Schimmer ei-ner ewigen Lampe, Tag und Nacht von 12 Prie-stern Todtenmessen gelesen wurden. Gegenwartigsieht man nur noch eine Menge Grüfte, ein Pöni-tenzkreuz und einen tetzelschen Ablaßkastcn von Ei-sen. —- Uebrigens ruhen im Dome die MarkgrafenHermann und Eckhard II., viele Bischöfe, Pröpste,Domherren, Kapimlaren und andre denkwürdige Per-sonen. — Die Reformation hatte einen harten Kampfmit dem Stifte zu bestehen. Als der Superinten-dent Dr. Medler 1541 zum ersten Male im Domeevangelisch predigen wollte, mußte man erst die vonden Domherren verrammelten Kirchlhüren sprengen.Nicht weit vom Dome sind noch Ueberbleibselder großen Frauen- oder Marienkirche, welche(1180 vom Bischöfe Udo U. erbauet) 1532 ab-brannte, dann im 30jährigen Kriege durch die Schwe-den sehr litt, und 1714 fast ganz ein Raub der