Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

L

».

21

str Glaube, und die Abhängigkeit darin von frem-den Ansichten und Urtheilen. Aus Ueberzeugungvon seiner göttlichen Allmacht, hielt er sich für be-rechtigt und verpflichtet, als erster Diener desStaates, welcher als Gottes Statthaltervon Allem, was er thue, Rechenschaft schuldig sei,zum Wohle des Staates die unbeschränkte Gewaltin ihrem ganzen Umfange zu gebrauchen, und sichnach gewissenhafter Willkür, über Staat und Gesetzstellend, oft über Leben, Ehre, Freiheit und Eigen-thum zu verfügen. Daher hielt er seine Regie-rungsmaßregeln so wenig für tyrannisch, daß er dierepublikanische Versassung der Holländer als Mu-ster für alle Staaten anerkannte und sich selbst alseinen wahrhaften Republikaner rühmte. Uebri-gens war er nichts weniger als unduldsam gegen Mei-nungen über seine Person und Regierung. Infremden Zeitungen ließ er sich besonders auf dieje-nigen Artikel aufmerksam machen, welche ihn per-sönlich und seine Regierung angriffen, und nahmdieß so wenig übel, daß er sich vielmehr mit treffen-dem Witze vertheidigte. In Berlin sprach man überseine Regierung so frei, wie in Holland, selbst überden König, welcher es wußte, und lachend seinenWitz darüber machte. Neigung zum Luxus undzur Feigheit herrschte unter dem Volke, Pflichtver-gessenheit und Betriegerei nicht weniger unter den Be-amten. Friedrich Wilhelm glaubte mit allerStrenge dagegen verfahren zu müssen.Dieschlimme Justiz schreit gen Himmel, undwenn ich's nicht remedire, so lade ich selbstdie Verantwortung auf mich!" sagte der Kö-nig beim Antritte seiner Regierung zu einem dergeheimen Iustizräthe. In religiöser Hinsicht hinger eben so fest an den Lehrsätzen seiner Kirche,als er ein eifriger Beobachter ihrer Gebräuchewar; jede Gefährdung der ersteren durch Philosophie,jede Vernachlässigung der letzteren galt ihm daherfür Gottlosigkeit und als solche natürlich höchst nach-theilig für den Staat. Daher sagte er selbst vonseiner philosophirenden Mutter:Meine Mutter wargewiß eine kluge Frau, aber eine böse Christinn."Daher konnte der neidische Frömmler Lange, Pro-fessor der Theologie in Halle, den verdienstvollenPhilosophen Wolf bei ihm als Irrlehrer und Got-tesleugner anklagen, und durch die Generale vonNatzmer und Loben, welche dem Könige vorstell-ten, daß seine großen Grenadiere, nach der wölfi-schen Lehre, welche den Menschen als ein Uhrwerkbetrachte, wenn sie davon liesen, nicht strafbar seien,1723 dahin bringen, daß er gegen Wölfen den Befehlgab, bei Strafe des Stranges, binnen 24 Stun-den die Stadt zu verlassen, während jede branden-burgische Kirche aus ihrem Gotteskasten das Lichtund Recht, zwei dicke Folianten, welche Langegeschrieben hatte und Niemand lesen mochte, kaufenmußte. Der Kampf der lange'schen Partei gegendie wölfische Philosophie drmerte fort, aber der Kö-nig, eines Besseren belehrt, suchte seit 1733 nichtnur Wölfen, unter den annehmlichsten Bedingun-gen, selbst durch wiederholte Schreiben, unter Mit-wirkung des Fürsten Leopold von Dessau und desGenerals von Grumbkow, wieder zu gewinnen,sondern verbot auch 1734 durch einen Kabinetsbe-fehl aus Potsdam, Lange dem Sohne den Streitgegen Wolfund seine Philosophie fortzusetzen, nach-dem er eine Unterredung des Generals von Grumb-

kow mit dem Professor Lange angehört hatte, inwelcher der General den Professor aus dem Feldeschlug, und der Prozeß wieder Wolfs Philosophiedurch eine niedergesetzte Kommission in Berlin zudessen Gunsten entschieden worden war. Wie derKönig hier seiner Ueberzeugung gemäß nur zumWohle des Staates handeln wollte, so bewies erauch sonst die größte Sorge für Kirchen, Schulenund wohlthätige Anstalten. Auf seinen Reisen durchdie Provinzen versäumte er nie, sich von ihrem Zu-stande genau zu unterrichten. Um den öffentlichenUnterricht in möglichste Uebereinstimmung zu brin-gen, erschien 1736 ein allgemeines Kirchen - undSchulreglement. In Potsdam gründete er 1724das Militär-Waisenhaus, in Berlin 172? dieDomschule für die Reformirten, das große Kranken-haus, die Charite, das Findelhaus, und beschenkte auchdie übrigen Armenanstalten Berlins mehrmals mitSummen von 10 bis 100,000 Thalern. Auchder evangelischen Kirche im Auslande nahm er sich mitrühmlichem Eifer an, namentlich in Schlesien und inder Psalz, selbst in Frankreich und Polen, undalle wegen der Religion Vertriebene fanden in sei-nem Staate eine gastfreundliche Aufnahme. Sozogen 20,000 Salzburger, 30,000 Franzosen undeinige Tausend böhmische Brüder und polnische Dis-sidenten nach Preußen und Brandenburg. Gleichunparteiisch gegen die Lutheraner, wie gegen dieKatholiken, ließ er das Jubelfest der ReformationLuthers 1717 und der augsburgischen Konfession1730 mit gleicher Festlichkeit feiern, wie 1713 dasJubiläum der reformirten Hofkirche. Baufällige Kir-chen wurden wieder hergestellt und neue erbauet.Die schönen Künste konnten sich, die Malerei undBaukunst ausgenommen, ihres Zustandes und Zwe-ckes wegen, der königlichen Gunst natürlich nichterfreuen. Daher es der Akademie der Künste inBerlin nicht besser als der Societät der Wissenschaf-ten ging. Dagegen unterstützte er den Anbaudes Landes, die Gewerbe, Manufakturen und Fa-briken, gründete Dörfer und Städte, verschönerteBerlin mit Kirchen und Palästen, wandelte dasFischerdorf Potsdam in die jetzige Stadt um und be-völkerte das durch Hunger und Pest verödete Preu-ßen und Lithauen, wo er 10 Millionen auf den An-kauf adlicher Güter verwendete, mit fleißigen Ein-wohnern, indem er daselbst die vertriebenen Salzbur-ger und Franzosen bereitwillig und hilfreich aufnahm.Für eine geordnete und dauernde Staatsver-waltung sorgte Friedrich Wilhelm durch Son-derung derselben in 3 Hauptabtheilungen: die Finan-zen, die Justiz-, Kirchen- und Schulsachen und dieauswärtigen Angelegenheiten. Im Jan. 1723 stellteer die Central-Administration des Staates untereine oberste Verwaltungsbehörde: das General-Ober-Finanz-Kriegs- undDomanen-D<-rectorium, in welchem er selbst den Vorsitz führte.Ohne die Unterthanen durch schwere Abgaben zudrücken, erhöhet« er die Staatseinkünfte auf 7^ Mil-lion und legte jährlich, als Frucht seiner Sparsam-keit, über eine Million in den Schatz. Für die Rechts-pflege setzte er 1718 das Kriegs-, Hof- und Krimi-nal - G e r i ch t ein; die Aufsicht über das Kirchen - undSchulreglement übergab er den Konsistorien. DieGesundheits - Polizei verbesserte er durch Erhe-bung des ^alleFium nieclicuw in ein Ober-Colle-gium. Neben dieser Sorge für das innere Wohl