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wohnte, waren für ihn, als leidenschaftlichen Lieb-haber des Militärs und der Jagd, nur Festlichkei-ten dieser Art von Interesse. Auch die Damen muß-ten an den militärischen und weidmännischen Fe-sten Theil nehmen. Für seine Person ließ der Königniemals Feierlichkeiten zu, und schaffte selbst das Krö-nungs- und Ordenssest, so wie die öffentliche Feierder Geburtstage bei Hofe ab. Daher verbat er sich auchden feierlichen Empfang, welchen ihm der Stadtrathvon Berlin bei seiner glücklichen Rückkehr aus demFeldzuge in Pommern 1716 bereiten wollte, undordnete dagegen ein kirchliches Dankfest an, weil erGott allein den günstigen Erfolg seiner Waffen zudanken habe. So gaben zu außerordentlichen Festlich-keiten, welche die gewöhnliche Ordnung des Hofle-bens unterbrachen, fast nur die Vermählungen derPrinzen und Prinzessinnen Veranlassung. An demSchauspiel fand der König kein Vergnügen, ja ergab sogar anfangs Befehle gegen die herumziehen-den Komödianten: nur dem Seiltänzer Eckenberg,den er zu seinem rnmtre 6es plm^r« ernannte, und demer auch die Anordnung der Assembleen im Fürsten-Hause übertrug, ertheilte er ein besonderes Privile-gium. So sehr er auch die Musik liebte, so war ihmdoch der Aufwand für die italienische Oper und diekönigliche Kapelle zu groß, er hob sie beide auf und be-gnügte sich mit der Musik seines Hautboistencorps. Erliebte besonders die händelsche Musik, und ließ imHerbste und Winter oft Opernstücke daraus in seinen Zim-mern spielen. — Wie für die Tageszeiten, so war auchfür die Jahreszeiten die Ordnung der Vergnügungenbestimmt. Den Frühling brachte der König in Pots-dam mit- der Jagd, für welche ein genauer Iagdka-lender gehalten wurde, den Winter in Berlin zu,wo Jagden mit Schlittenfahrten, Maskeraden,Wirthschaften, Assembleen und Puppenkomödien ab-wechselten; zu Anfang des Sommers kehrte er nachBerlin zurück, und es folgten die Musterungen; imHerbste war Wusterhausen wegen der Jagd sein Lieb-lingsaufenthalt. — Seine Reisen machte der Königmit geringem Gefolge und großer Schnelligkeit, sodaß die Beamten, selbst in den entfernten Provin-zen, vor einem plötzlichen Besuche nicht sicher waren.Im Auslande beobachtete er ein strenges Incognito,nur in Dresden nicht, wohin er auch mehrmals reiste,und wo er sich auch durch ein zahlreiches Gefolge undglanzende Geschenke als König von Preußen zeigte.Wie der König von seinen Dienern, Beamtenund Unterthanen mit aller Strenge forderte, ganzso zu sein, wie er war und befahl; so machte erdieselben strengen Forderungen auch an seine Fami-lie, und sie mußte sich daher seinen Grundsätzen undEinrichtungen unbedingt fügen. Ungeachtet der inni-gen Liebe, welche zwischen dem königl. Paare herrschte,hielt der König streng auf seine unbeschränkte Herr-schaft im Hause, wie im Staate, und duldete durch-aus keine Einmischung der Königinn in seine Be-stimmungen; nur in seiner Abwesenheit war das ge-heime Rathscollegium an sie gewiesen. Als daherspater die Königinn bei den Vermählungen der Prin-zen und Prinzessinnen seinen Absichten entgegen war,wurde der Hausfriede mehrmals auf längere Zeitgestört. Dabei bewahrte er aber seinem Fiekchen,wie er die Königinn liebkosend nannte, eine unwan-delbare Treue, und war der größte Feind der damalsan den Höfen herrschenden Ausschweifung. — So warer auch ein strenger, aber höchst besorgter Familien-
vater. Die sorgfältige Erziehung seiner Kinder lagihm sehr am Herzen, und kein Geschäft, kein Ver-gnügen hielt ihn ab, sich um die Lebensweise, dieBeschäftigung, den Unterricht und den Haushalt der-selben zu bekümmern. Als er sich 1719 seinen Haus-hofhalt vorlegen ließ und einige Einschränkungenmachte; setzte er unter Anderem auch beim Frühstückseiner Kinder das ganze Milchbrod auf ein halbesherab. Am meisten war Friedrich Wilhelm fürden Kronprinzen als den Erben seines Werkes besorgt,und daher auch desto erzürnter und strenger, als erspäter dessen entgegengesetzte Neigungen und Ansich-ten sah und seine Verirrungen erfuhr. Denn nicht ge-nug, daß Friedrich, anstatt das Tabakscollegiumund die Kirche zu besuchen, lieber Voltaires Schrif-ten las, statt auf dem Klaviere Ehoräle zu spielen,lieber auf seiner Flöte blies, statt auf der Jagd demKönige zu folgen, lieber mit seiner Gesellschaft imWalde Musik machte, statt sein Kadettencorps zu exer-ziren lieber mildem Kadettenunteroffizier von RentzelDuo's spielte, statt sich, nach des Königs Beispiel, derFreundlichkeit und Sauberkeit zu befleißigen, seine Um-gebung mit Stolz behandelte und in seinem Aeußereneine große Nachlässigkeit zeigte; hatte er sich auch ei-nem wüsten Leben ergeben und Schulden gemacht.Da nun die versprochne Besserung nicht erfolgte,so mußte natürlich die versuchte Flucht des Kron-prinzen 1730 den Zorn des tief gekränkten und er-bitterten Vaters und Königs gegen denselben undseine Mitschuldigen auf's Aeußerste treiben, so daßer gegen alle Fürbitten taub den Lieutenant Kaltehinrichten und den Kronprinzen über ein Jahr zuKüstrin in strenger Haft halten ließ, und auch seinenäheren Umgebungen mehr oder weniger bestrafte.Wie sehr der König Ursache hatte, gegen den Kron-prinzen mißtrauisch zu sein, zeigte dieser noch später,als er, vom Arreste befreit, in Küstrin den Sitzun-gen der Domänenkammer beiwohnen mußte. Dennstatt in den Sitzungen zu arbeiten, las er französi-sche Bücher, oder zeichnete seine Kollegen mit Attri-buten, den Einen auf einem Weinfasse, den An-dern mit Hörnern, den Dritten mit Spielkarten?c.Der Präsident der Kammer war zwar angewiesen,den Prinzen wie ein andres Mitglied zu beschäfti-gen, ließ dieß aber unbemerkt, weil er in dem Prin-zen seinen künftigen König erblickte. Endlich aberging der Prinz in sich und gab seinem Vater Be-weise von seiner Sinnesänderung. Da kehrte auchdes Vaters Liebe und Vertrauen zurück: er erhieltmehr Freiheit und endlich die Erlaubniß zur Rück-kehr nach Berlin. Im Juni 1733 vermählte ihnder König mit der Prinzessinn Elisabeth vonBcaunschweig-Vevern, und wies ihm das neuer-bauete Schloß zu Rheinsberg an, wo der Prinzglückliche Tage verlebte. Nur noch einmal störtenböse Einflüsterungen das gute Vernehmen, welchesseitdem bis zum Tode des Königs immer innigerwurde.
Wie Friedrich Wilhelms ganze Denk- undHandlungsweise aus seiner Natur, Erziehung undErfahrung hervorging, und auf Ueberzeugung undfesten Grundsätzen beruhend, weder seine Person,noch seine Familie schonte; so verfuhr er auch dar-nach, mit Ausnahme seiner Vorliebe für das Mi-litär, bei seiner Regierung in Allem, was dasWobl seiner Unterthanen und seines Staates betraf.Dazu kam noch sein nicht genug aufgeklärter religiö-
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