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des Staates war der König besonders auch daraufbedacht, dessen Macht und Ansehen süc die Zukunftzu sichern, und zwar durch die rechten Mittel: ei-nen vollen Schatz und ein schlagfertiges Heer. Dasletztere organisirte er für die damaligen Zeiten nichtnur gut, sondern vermehrte es auch bis auf 80,000Mann, errichtete 1717, zur bessern Bildung der Of-fiziere, das Kadetten-Corps in Berlin, legte Pulver-mühlen und Gewehrfabriken in Spandau und Pots-dam an, führte zuerst bei der preußischen Armee, aufden Vorschlag des Fürsten Leopold von Dessau,die eisernen Ladestöcke ein, ließ die Festungswerke vonMagdeburg, Stettin, Wesel :c. durch den holländi-schen Ingenieur Walllabe verstärken, errichtete ei-ne Kriegs- und eine Rekrutenkasse ic. Die Mittel zurRekrutirung seiner Armee waren aber freilich mitseiner sonstigen großen Sparsamkeit und strengen Ge-rechtigkeitsliebe im offenbaren Widersprüche; denn dieWerbungen waren eben so kostspielig als oft gewaltthä-tig. — Mit allen diesen Gegenständen war FriedrichWilhelm bis an das Ende seines Lebens eifrig be-schäftigt, ließ dabei aber auch die auswärtigen An-gelegenheiten nicht aus den Augen. Im Frieden vonUtrecht 1713 erlangte er von Frankreich die Anerken-nung der Königswürde, das spanische Oberquartiervon Geldern, und die Souveränität über das Für-stenthum Neufchatel gegen Verzichtleistung auf Ora-nien. Um dieselbe Zeit siel ihm nach dem Aus-sterben der Grafen von Limburg deren Besitzthumzu. Seine Theilnahme am nordischen Kriege erwarbihm im Frieden zu Stockholm 1720 Stettin nebstVorpommern bis an die Peene und die Inseln Use-dom und Wollin, wofür er an Schweden 2 Millio-nen Thaler zahlte. — Der Vertrag von Wuster-hausen (12. Octr. 1736) mit Oestreich sicherte demKönige für die Annahme der pragmatischen Sank-tion den kaiserlichen Beistand zur Erwerbung vonIülich und Berg zu. Indessen benahm sich der kai-serliche Hof, bei aller Anhänglichkeit des Königsan denselben, auf eine so kränkende Weise, daß der-selbe, in Gegenwart Friedrichs, im Zorne einstausrief: „Hier steht Einer, der mich rächenwird!" — In Rücksicht der polnischen Thronfolgewar Friedlich Wilhelm für StanislausLe-czinski, und zwar aus Freundschaft für diesen,mit dem er wegen seiner Persönlichkeit auf so ver-trautem Fuße stand, daß er ihm der willkommensteGast überhaupt und besonders im Tabakscollegiumwar, wo er mit ihm um die Wette 30 bis 32 Pfeifenzu rauchen pflegte. Als daher Oestreich sich fürFriedlich August von Sachsen erklärte, war erdarüber so aufgebracht, daß er diese Wahl mit allerMacht zu hindern drohete. Dessenungeachtet ließ er1734 noch 10,000 Mann an den Rhein gegen dieFranzosen marschiren, und begab sich später selbst zudem verbündeten Heere.
Ermüdet durch die Zögerungen der kaiserlichenFeldherren kehrte er aber nach Westfalen zurück, undsiel dann auf einem Lustschlosse bei Eleve in eineschwere Krankheit. Er ward zwar bald wieder her-gestellt, litt aber fortwährend heftig vom Podagra,daß er sich nicht mehr so viel Bewegung machenkonnte und ungewöhnlich stark ward. Nichts destoweniger blieb er, bei allen körperlichen Leiden, thätigund unverdrossen; ward auch nach und nach milderund duldsamer.— Er gab 1738 das sogenanntePrügelmandat, d. b, das Verbot, die Leute bei
den Hofcdiensten mit Prügeln zur Arbeit anzutrei-ben, und suchte sich mit allen seinen Feinden auszu-söhnen. — Sein Zustand verschlimmerte sich sicht-bar im Winter 1740. Mit großer Ruhe sah derKönig den Tod herannahen und ertrug die heftigstenSchmerzen mit aller Gelassenheit. Am Abend des27. Mai traf Friedrich von Rheinsberg in Ber-lin bei dem todtkranken Vater ein, der ihn mit va-terlicher Zärtlichkeit empfing und sich länger als eineStunde über die inneren und äußeren Angelegenhei-ten des Königreichs unterhielt. Als der König amMorgen des 31. Mai seine nahe Auslösung fühlte,übergab er dem Kronprinzen Krone und Zepter, sowie die Schlüssel zum Schatze, und ertheilte ihmseinen Segen. Nachdem hieraus der lutherischeProbst Roloff dem Könige, wie er befohlen, einescharfe Straf- und Bußpredigt gehalten hatte, ließer sich seinen Sarg von schwarzem Marmor, welchener seit einiger Zeit in Bereitschaft hielt, vor das Bettbringen, übergab dann dem Kronprinzen, in Gegen-wart der Generalität und mehrer geheimen Räthe, dieAnordnung seines Begräbnisses, und entschlief zwi-schen 1 und 2 Uhr mit christlicher Ergebenheit undHoffnung. — Friedrich Wilhelm I. hinter-ließ seinem Nachfolger einen Staat von beinahe2300 Geviertmeilen mit einer Bevölkerung von2,240,000 Einwohnern und einen Schatz von neunMillionen Thaler. Außer Friedrich waren seineübrigen Kinder die Prinzen Wilhelm, der Urgroß-vater des jetzt legierenden Königs, Heinrich undFerdinand, und 6 Prinzessinnen: die Markgrä-sinnen von Baireuth und Anspach, die Herzoginnvon Braunschweig, die Markgräsinn von Schwebt,die Königinn von Schweden und Amalie, Aebtis-sinn zu Quedlinburg.
G r e f e l d,
eine wichtige Fabrik- und Handelsstadt im Regie-rungsbezirk Düsseldorf, Hauptort des gleichnamigenKreises, wiewohl mit morastigen Umgebungen, ineiner gut angebauten und fruchtbaren Ebene, fasteine Meile vom Rheine, 2.^ Meile von Düsseldorf,4 M. von Köln und 7? M. von Berlin entfernt,zählt gegenwärtig mit ibren Vorstädten in 1600Häusern gegen 20,090 Einwohner, unter denen HKatholiken und 800 Mennoniten und eine AnzahlJuden sind, und ist in Gestalt eines Vierecks sehrschön im holländischen Geschmacke gebauet, daß sievon außen und im Innern ein sehr gefälliges An-sehen hat, und eine der schönsten Städte in derRheinprovinz ist. Drei Haupteingänge führen indieselbe, wo sich unter den schönen Straßen vor-züglich die Rhein- und Friedrichs-Straßen durch pa-lastartige Gebäude auszeichnen. Außerdem zierendie Stadt 2 Kirchen (1 evangelische, 1 katholische);die Mennoniten haben ein Bethaus, die Juden eineSynagoge. Erefeld ist der Sitz eines Landratham-tes und eines Friedensgerichts. Oeffentliche Anstal-ten sind: 1 höhere Bürger-und 2 Freischüler!, 1 Er-ziehungsanstalt für Mädchen, 2 Armenverpflegungs-häuser, 1 Waisen- und 1 Arresthaus, 1 Hospitalund 1 Taubstummeninstitut. Außerdem unterhältauch der hiesige Fraue «verein eine Anstalt, wor-in arme Mädchen in weiblichen Arbeiten unterrich-tet werden. Die Lage der Stadt in der Nähe des
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