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schritt die nördlinger Ebene in schönster Ordnung. Da-mit noch nicht zufrieden, blieb Leopold selbst mit ei-nem Grenadier-Bataillon zurück, um der feindlichenEavalerie zu beweisen, daß er nur dem Dränge derUmstände gewichen sei, sie selbst aber keineswegsfürchte. Als nun die französische Eavaterie zumAngriffe auf dieses Häuflein anritt, und die Gre-nadiere ohne Befehl sich schußfertig machten, be-nutzte er diesen Moment zu einer Lehre des unbe-dingten Gehorsams, und befahl das Gewehr zuschultern, was augenblicklich, wie auf dem Ererzir-platze, geschah.
(Fortsetzung folgt.)
Friedrich Wilhelm I.,
König von Preußen.(Beschluß.)
Diese Abendgesellschaft, in welcher auch vorzüg-lich politische Gegenstände besprochen wurden, wardem König so lieb und so sehr Bedürfniß geworden,daß er sich oft von seinem Krankenlager in dieselbe tra-gen ließ und sie bis kurz vor seinem Tode noch umsich versammelte.
Die unentbehrlichsten Gesellschafter waren demKönige die Hofnarren oder die sogenannten Hof-gelehrten und lustigen Räthe, welche ihn nichtblos mit ihren Schwänken unterhalten und sich selbstzum Gegenstande des Witzes und Spottes hergeben,sondern ihn auch im Fache der Geographie, Statistik,Genealogie und Geschichte belehren mußten, da erselbst in seinen Erholungsstunden nicht ganz müßigsein konnte. Der erste und vornehmste derselben warGundling, zuerst als Professor an der Fürsten-und Ritterakademie, als Rath beim Oberheroldsamteund als Historiograph angestellt, nicht ohne mancher-lei Kenntnisse und großen Fleiß, wovon seine vielenSchriften zeugen, aber eitel, thöricht und liederlich,trieb er sich, nach Aufhebung seiner Aemter, für freieZeche zur Unterhaltung der Gäste, in den Wein- undBierkellern herum, wo ihn der General Grumbkowsah und ihn dem Könige für sein Tabak scolle-gium empfahl. Dieser fand an ihm den rechtenMann, und ernannte ihn zum königl.Hofralh und Zei-tungsreferenten für das Tabakscollegium; er wardsein täglicher Gast, und mußte ibn in den Erholungs-stunden überall begleiten. Dafür hatte Gundling,außer seinem Gehalte, noch die freie Verfügung überdie königl. Wein- und Bierkeller, und machte einen sostarken Gebrauch davon, daß er sich ganz dem Trunkeergab, schon berauscht zur königl. Tafel oder in dieAbendgesellschaft kam, und sie völlig betrunken wie-der verließ. Diese Untugend hielt ihm aber der Königum so mehr zu gute, als er dadurch desto besser dazudiente, gewisse Würden, Auszeichnungen und Trach-ten dem Spotte und der Verachtung Preis zu geben.Daher ernannte er ihn auch zum Präsidenten derAkademie der Wissenschaften, und ließ ihn nie an-ders als im alten Hofgalakleide erscheinen; machte ihn1717 zum Oberzeremonienmeister und gab ihm dessenehemaligen prunkvollen Anzug; beförderte ihn 1718sogar zum geheimen Finanzrath, weil er eine übertrie-bene Berechnung von den Vortheilen des Seidenbauesund den Maulbeerpflanzungen vorgelegt hatte. Alle dieseTitel und Würden, so sehr sie auch Gundling s Ei-telkeit schmeichelten, brachten ihn doch nicht von seiner
unmäßigen Trunksucht ab, und er blieb daher auch fort-während derGegenstand des muthwilligsten Scherzes fürden König und sein Tabakscollegium. Als man es ihm1724 gar zu arg gemacht hatte, ergriff er plötzlichdie Flucht, wurde aber auf des Königs Befehl, derihn durchaus nicht entbehren konnte, wieder zurück-gebracht und zum Spotte unnützer Barone, mit1WU Thlr. Zulage, in den Freiherrnstand erhoben.Das darüber ausgestellte Diplom war eben so sati-risch, als das beigelegte Wappen. In gleicher Ab-sicht erhielt er 1726 den Kammerherrnschlüssel. Diegrößte Belustigung gewährte dem Könige und seinemTabakscollegium der Streit Gundlings mit an-dern Gelehrten. Dieß war der Fall mit dem Pro-fessor Faß mann, welcher ihn zuletzt wegen zuge-fügter Beleidigungen zum Scherze auf Pistolenfordern mußte. — Endlich erlag 1731 Gundling sei-nen Anstrengungen und den Folgen der Trunksucht,und ward auf Befehl des Königs mit seiner beßtenStaatskleidung angethan, in ein Weinfaß gelegt, se-hen gelassen und mit einer Leichenrede von Faß-mann feierlich beerdigt. Dieser erhielt zwar hieraufGundlings verschiedne Gehalte, entfloh aber schon1732 nach Sachsen. Beider Nachfolger ward eingewisser Graben zum Stein aus Tirol, obneGundlings Witz und Kenntnisse. Er wußte sich aberbeim König so einzuschmeicheln, daß er freien Zutrittzu ihm hatte, nie im Tabakscollegium fehlen dürfte,dem Könige Mährchen, bis er einschlief, erzählenund bei ihm wachen mußte. Der König erwachte,sobald der Erzähler schwieg, und war dieser selbst ein-geschlummert, so weckte er ihn durch einige Peitschen-hiebe. — Der König fand an seinen Narrheitenso großes Gefallen, daß er auch ihn, durch ein sa-tirisches Patent, zum Präsidenten der Akademie er-nannte, und seines verdächtigen Wesens ungeach-tet, bis an seinen Tod behielt. — Auf der Jagdversah diese Stelle ein gewisser Nossig, welcherunter dem Titel eines Iagdraths am Hofe Frie-drich Wilhelms paradirte. Er erhielt 1731 sei-ne gleichfalls satirische Bestallung, und ward 1732als Baron von Raben-Preis in den Freiherrn-stand erhoben. Diese satirischen Patente und Di-plome nebst den Wappen machten dem Könige, durchihren derben Witz und Spott, ein besondres Ver-gnügen. Auch Nossig hatte sein Jagd-, Para-de- und Narrenkleid von grünem Sammet mit Ha-sen, Affen, Schweinen und andern Thieren in Goldund Silber bordiit. — Durch ein anständiges Betragenund gründliche Kenntnisse machte Morgenstern ausPegau eine Ausnahme unter diesen lustigen Räthen;er spielte auch nur gezwungen diese Rolle. Denner ward 1736 auf einer Reise durch Potsdam nachMoskau, wohin er wegen seiner Staatsgeographie(1735) als Professor einen Ruf erhalten hatte, trotzaller Weigerung vom Könige als Hofrath mit 5UUThlr. und freier Wohnung in Potsdam, zurückgehal-ten. Auch machte ihn der König zum Vizepräsiden-ten der Universität zu Frankfurt, und stellte ihn derUniversität selbst vor, wobei er mit den Professorenüber den Satz: Die Gelehrten sind Saal-bader und Narren, disputiren mußte. —
Außer den geselligen Vergnügungen an der Tafel,im Tabakscollegium, bei Gastmalern und in Gesell-schaften, zu denen der König gern Einladungen an-nahm, selbst uneingeladen erschien, so wei er auchgern Familienfesten, Kindtaufen und Hochzeiten bei-